Deutscher Apothekertag 2022

ARMIN für alle – ABDA will bundesweites Medikationsmanagement

Berlin - 04.08.2022, 13:45 Uhr

Statt sich auf eine Konfrontation mit nörgelnden Ärzte-Vertretern einzulassen, dringt die ABDA auf die bundesweite Einführung eines interprofessionellen Medikationsmanagements. (Foto: ABDA)

Statt sich auf eine Konfrontation mit nörgelnden Ärzte-Vertretern einzulassen, dringt die ABDA auf die bundesweite Einführung eines interprofessionellen Medikationsmanagements. (Foto: ABDA)


Die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen sorgen für Zoff zwischen Ärztefunktionären und Apothekerschaft. Der Geschäftsführende ABDA-Vorstand wählt die Flucht nach vorne: Beim Deutschen Apothekertag will er einen Antrag zur Abstimmung bringen, in dem der Gesetzgeber aufgefordert wird, bundesweit ein Medikationsmanagement à la ARMIN auf den Weg zu bringen – inklusive wirtschaftlicher Anreize für Apotheken und Praxen, sich zu beteiligen.

Seit der Schiedsspruch zu den neuen pharmazeutischen Dienstleistungen im Juni bekannt wurde, hat sich manch ein Ärztefunktionär daran abgearbeitet. Einige von ihnen waren sich nicht zu schade, mit diffamierenden oder gar falschen Äußerungen gegen die Apothekerschaft und deren Qualifikation in Sachen Arzneimitteltherapiesicherheit zu schießen. Klar ist aber auch, dass sie damit nicht für die geeinte Ärzteschaft sprechen, wie unter anderem ein Leserbrief eines Niedergelassenen aus Hamburg an die DAZ zeigt.

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Vor allem in Hessen und Baden-Württemberg eskalierte die Situation. Dort suchten Apothekerkammern und -verbände das persönliche Gespräch mit den vorpreschenden Ärztevertretern, statt in vergleichbarer Tonalität öffentlich zum Gegenangriff zu blasen. Die ABDA hielt sich in dieser Angelegenheit bisher eher bedeckt – beim Deutschen Apothekertag im September in München will der Geschäftsführende Vorstand allerdings einen Antrag zur Abstimmung bringen, der zeigt, welches Ziel die Bundesvereinigung verfolgt.

Zusammenarbeit statt Konfrontation

In dem Antrag fordert der Vorstand den Gesetzgeber auf, Patientinnen und Patienten einen Rechtsanspruch auf ein interdisziplinäres, sektorübergreifendes Medikationsmanagement – aufbauend auf den Erfahrungen aus der Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen (ARMIN) – einzuräumen. „Dafür sind Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den beteiligten Professionen ermöglichen, diese Leistungen qualitativ hochwertig zu erbringen und die auch wirtschaftliche Anreize für eine entsprechende Erbringung setzen.“

In dem Modellprojekt, das einst unter dem Namen ABDA-KBV-Modell entstand, kümmerten sich Apotheker:innen sowie Ärztinnen und Ärzte gemeinsam um die Medikation ihrer Patientinnen und Patienten – mit klar abgesteckten Aufgabenbereichen, standardisierten Prozessen und unter Zuhilfenahme des elektronischen Medikationsplans. Zum 30. Juni endete das Projekt notgedrungen, denn „Modellvorhaben nach § 63 SGB V wie ARMIN haben eine gesetzlich befristete Laufzeit von maximal acht Jahren“, erläutert der ABDA-Vorstand in der Begründung zu seinem Antrag. Eine Verlängerung ist demnach ausgeschlossen.

Ergebnisse besser als erhofft

Die Evaluationsergebnisse sollen zeitnah in einem Journal publiziert werden, wie Dr. Uta Müller, Leiterin der Abteilung für wissenschaftliche Entwicklung im Bereich Arzneimittel bei der ABDA, im DAZ-Interview sagte. Auch wenn sie noch keine konkreten Angaben machen konnte, verriet sie doch, dass die Resultate „sogar besser sind als das, was wir uns erhofft haben. Sie überzeugen auf ganzer Linie und zeigen, dass die Patienten wirklich profitieren.“

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Das betont auch die ABDA in ihrer Vorlage für den DAT: Die wissenschaftliche Evaluation habe eindeutig gezeigt, dass ein gemeinsam umgesetztes Medikationsmanagement „erhebliche gesundheitliche Vorteile“ für die Patientinnen und Patienten bringt. „Auch Machbarkeit und Akzeptanz konnten belegt werden. Eine Überführung in die Regelversorgung ist deshalb geboten.“

Elektronische Kommunikation hat sich bewährt

Als nützlich hat sich den Angaben zufolge auch die elektronische Kommunikation zwischen Apotheke und Praxis erwiesen – sie soll nach dem Wunsch der ABDA zukünftig auf Basis der Gematik-Anwendungen möglich sein. Zudem gelte es, neben Stammapotheke und Hausarzt oder -ärztin weitere ambulante und stationäre Leistungserbringer einzubinden.

„Um dies zu erreichen, müssen einerseits gesetzliche Regelungen getroffen und andererseits auch technische und finanzielle Rahmenbedingungen für die Leistungserbringer*innen geschaffen werden, um dies entsprechend umsetzen zu können“, schreibt der Geschäftsführende ABDA-Vorstand. „Ein solches interdisziplinäres Medikationsmanagement würde die pharmazeutischen Dienstleistungen, vor allem die erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation, für die Patient*innen sinnvoll ergänzen, die eine kontinuierliche Betreuung benötigen.“


Christina Müller, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (cm)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

die ABDA will

von Karl Friedrich Müller am 04.08.2022 um 17:29 Uhr

wieder Zeugs, ohne Rücksicht auf Verluste.

Was genau ist daran nicht zu verstehen:

ERST BRAUCHEN WIR MEHR GELD:

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