Kassenärzte warnen

KBV: E-Rezept-Plan ist zum Scheitern verurteilt

Berlin - 16.05.2022, 14:15 Uhr

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hält gar nichts vom jüngst bekannt gewordenen E-Rezept-Fahrplan, der Ende Mai beschlossen werden soll. (c/ Foto: IMAGO / Fotostand)

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hält gar nichts vom jüngst bekannt gewordenen E-Rezept-Fahrplan, der Ende Mai beschlossen werden soll. (c/ Foto: IMAGO / Fotostand)


Der neue E-Rezept-Fahrplan, wonach ab September alle Apotheken bundesweit und schrittweise nach Bundesländern gestaffelt auch die Arztpraxen fit sein müssen für die elektronischen Verordnungen, stößt bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf Widerstand. In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Lauterbach fordert sie ihn auf, die Beschlussvorlage, der die Gesellschafterversammlung der Gematik Ende Mai zustimmen soll, zu stoppen.

Am vergangenen Mittwoch wurde der neue Fahrplan für die Einführung des E-Rezepts bekannt: Laut einer Vorlage, die das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eingebracht hat und die Ende Mai von der Gesellschafterversammlung der Gematik beschlossen werden soll, ist vorgesehen, dass das E-Rezept zum 1. September zur Pflichtanwendung für alle Apotheken in Deutschland wird. Das soll auch für Arztpraxen in Schleswig-Holstein und Bayern gelten, die anderen Bundesländer folgen in zwei weiteren Schritten zum 1. November 2022 und zum 1. Februar 2023.

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Die Kassenärztlichen Vereinigungen Bayerns und Schleswig-Holsteins sind erzürnt: Sie monieren nicht nur, dass die technischen Voraussetzungen weder in den Praxen noch in den Apotheken und Kliniken ihrer Hoheitsgebiete erfüllt seien, auch die Art der Kommunikation missfällt ihnen. „Dies ist ein Kommunikations-GAU erster Klasse, der zeigt, wie weit BMG und Gematik von Praxisabläufen entfernt sind“, sagt etwa die Chefin der KV Schleswig-Holstein, Monika Schliffke. „Die akut in Kraft gesetzte Verpflichtung nimmt uns jede Chance, mit den technisch gerüsteten Praxen geordnet zu starten und weitere zur Mitarbeit zu motivieren. Ohne irgendeine Rücksprache und Planung setzen uns BMG und Gematik erneut etwas vor, was nur zu Chaos in den Praxen führen kann.“

Anke Rüdinger, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbands (DAV), äußerte sich vergleichsweise diplomatisch: Sie nannte es eine „große Herausforderung“ für den Berufsstand, die Frist einzuhalten. Sie appelliert im Interview mit dem ABDA-Newsroom an alle Apothekeninhaberinnen und -inhaber, jetzt zu prüfen, ob ihr Betrieb bereit ist für die elektronischen Verordnungen beziehungsweise welche Hürden sie noch zu nehmen haben.

KBV schreibt an Lauterbach

Jetzt mischt sich auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ein. Sie zählt wie auch der DAV zu den Gesellschaftern der Gematik, einen möglichen Beschluss des E-Rezept-Fahrplans werden Ärzte- und Apothekerschaft aber nicht aufhalten können – denn das BMG hält mit 51 Prozent den Löwenanteil der Stimmen in der Gesellschafterversammlung. Die KBV wendet sich daher in einem Brief direkt an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und fordert ihn auf, die Vorlage zu stoppen.



Christina Müller
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Prüfen...

von Thomas Eper am 17.05.2022 um 10:47 Uhr

Und Sie Frau Anke Rüdiger prüfen bitte, ob die Apotheken (ALLE!) die Frist einhalten können , oder nicht!

Wenn nicht, bitte Konsequenzen ziehen um den "Supergau" in der Arzneimittelversorgung zu verhindern.

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Druck

von Ratatosk am 16.05.2022 um 18:48 Uhr

Der Druck der Aktiengesellschaften auf die Politik und Bürokratie nimmt natürlich zu !, die haben ja auch sicher richtig gut Geld ausgegeben. Jetzt will man Vollzug.
Ob es für die flächendeckende Versorgung passt ist doch hier egal, man will ja sowieso nur den Rahm. Daß dann noch die deutsche digitale Inkompetenz in der Bürokratie dazukommt, macht die Sache nicht besser.
Vom Irrsinn, ein ganzes Land jedem guten Hacker auszuliefern, gar nicht zu sprechen. Man kann mit guten Kenntnissen dann das ganze Land für ein paar Hunderttausende Euro lahmlegen und Milliardernschäden verursachen. Fahrlässiger kann man es nicht angehen.
Hoffe daß doch noch investigative Journalisten , wenn es solche noch gibt, sich mal das Ministerium und die Beraterszene anschauen.
Man sollte nicht vergessen, daß diese Verfilzungen beim Gas uns auch diese extrem schwierige Lage beschert haben, nur um ein paar extrem zu begünstigen.

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Archetypisch...

von Carsten Moser am 16.05.2022 um 17:56 Uhr

Kennen Sie noch den Witz mit dem Telefonbuch auswendig lernen? Wo der Pharmaziestudent nur antwortet: "Bis wann?"

Das ist noch so ein Klassiker:

Die Ärztevertretung rebelliert gegen eine offensichtlich behämmerte Idee, die die gesamte Arzneiversorgung gefärdet.

Die Apothekervertretung fordert ihre Mitglieder auf, den Mist mitzumachen.

Nur "witzig" ist mir dabei nicht mehr zu Mute.

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AW: Archetypisch

von CM am 16.05.2022 um 17:57 Uhr

....gefährdet...

AW: Archetypisch

von ap am 16.05.2022 um 21:47 Uhr

bis wann waren die Ärzte.

Die Apotheker fragen ob sie auch die Adresse lernen sollen.

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