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Epstein-Barr-Virus: Moderna tritt mit mRNA-Impfstoff in klinische Phase ein

Stuttgart - 13.01.2022, 09:15 Uhr

Könnte eine mRNA-Impfung den großen Durchbruch bei EBV bringen? (b/Foto: desertsands / AdobeStock)

Könnte eine mRNA-Impfung den großen Durchbruch bei EBV bringen? (b/Foto: desertsands / AdobeStock)


Schafft Moderna, was bisher niemand geschafft hat? 

Nun hat Moderna im Januar bekannt gegeben, dass der erste Teilnehmer einer Phase-1-Studie mit einem mRNA-Impfstoff gegen das EBV geimpft wurde. Man wolle etwa 270 Teilnehmer:innen in den USA in die Studie einschließen. Neben EBV befinde man sich auch mit einem Impfstoff gegen das latente CMV (Zytomegalie-Virus, (mRNA-1647)) in der klinischen Phase von Studien. Die EBV-Studie trägt den Namen „Eclipse“, der Impfstoffkandidat heißt mRNA-1189. 

„Der Beginn dieser Phase-1-Studie ist ein bedeutender Meilenstein bei der weiteren Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gegen latente Viren, die nach einer Infektion lebenslang im Körper verbleiben und zu chronischen Erkrankungen führen können. Moderna hat sich der Entwicklung eines Portfolios von Impfstoffen gegen latente Viren verschrieben, für die es heute keine zugelassenen Impfstoffe gibt, einschließlich Impfstoffen gegen CMV, EBV und HIV. Unser Forschungsteam arbeitet daran, noch mehr Impfstoffe gegen latente Viren in die Klinik zu bringen“ so wird Stéphane Bancel, Vorstandsvorsitzender von Moderna in der Pressemitteilung des Unternehmens zitiert. EBV werde mit einem 4- bis 10-fachen Risiko für die Entwicklung von Multipler Sklerose, bestimmten lymphoproliferativen Erkrankungen, Krebs und Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht, heißt es in der Mitteilung zur Begründung, warum die Impfstoffentwicklung wichtig ist.

Vier mRNAs als Antigene

Ähnlich wie der Cytomegalovirus(CMV)-Impfstoffkandidat von Moderna (mRNA-1647) enthalte auch mRNA-1189 gegen EBV vier mRNAs, die für EBV-Hüll-Glykoproteine (gH, gL, gp42, gp220) kodieren, die den Eintritt des Virus in B-Zellen und epitheliale Oberflächenzellen vermitteln. Ob das nun den großen Durchbruch bringt? In einer Übersichtsarbeit aus „frontiers in immunology“ von Juni 2021 mit dem Titel „Stand und Aussichten der Entwicklung eines prophylaktischen Impfstoffs gegen das Epstein-Barr-Virus“ heißt es, man erwarte, dass neuartige Impfstoffe gegen EBV einen doppelten Schutz gegen die Infektion sowohl von B-Lymphozyten als auch von Epithelzellen bewirken. Dies würde eine nachhaltige Immunität gegen EBV-assoziierte Malignome bieten und schließlich die Kontrolle der weltweiten EBV-Infektion und die Behandlung EBV-assoziierter Krankheiten ermöglichen.

So heißt es dort konkret, dass der gH/gL-Komplex eine entscheidende Rolle bei der Infektion von B-Zellen und insbesondere Epithelzellen spiele, er rücke als Antigen für neue Impfstoffkandidaten zunehmend in den Mittelpunkt. Eine Untereinheit des gH/gL/gp42-Heterotrimers auf der EBV-Virenmembran ist wiederum gp42. Zunächst galt gp42 vor allem als Faktor bei der B-Zell-Infektion, kürzlich sei aber auch seine Rolle bei der Infektion von Epithelzellen festgestellt worden, gp42 könnte den Tropismus der EBV-Infektion steuern, heißt es. Eine aktuelle Hypothese ist, dass die Kombination von gH/gL/gp42 als komplexes Antigen wirksamer sein könnte als gp42 allein.

In einer weiteren Übersichtsarbeit von November 2021 der „Open-Access-Plattform“ MDPI heißt es, dass EBV-Membranantigene häufig als Immunogene verwendet werden, wovon gp350 aufgrund seiner Häufigkeit das Kernantigen der EBV-Impfstoffe sei, die derzeit entwickelt werden. In einer Abschlussarbeit von 2021 heißt es wiederum, dass die Anheftung von EBV an B-Zellen auf den Glykoproteinkomplex gp350/gp220 zurückzuführen ist. Glykoprotein gp350 helfe dem Virus, sich zu binden, was gp220 verändere, wodurch sich das Virus näher an die Zellmembran bewege. 

Die klinischen Studien müssen nun abgewartet werden, doch der Ansatz macht Hoffnung.



Deutsche Apotheker Zeitung / dm
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

ME/CFS ist nicht eine bzw. „diese Fatigue“

von Sonja Kohl am 14.01.2022 um 19:53 Uhr

Liebes @DAZheute Team,

ich freue mich, dass Sie im Zusammenhang mit dem EBV-Impfstoff über ME/CFS als mögl. Folge einer infektiösen Mononucleosis o. Covid-19 sprechen. Bei ME/CFS handelt es sich jedoch um eine eigenständige Krankheit und nicht um das SYMPTOM Fatigue.

Kernsymptom von ME/CFS ist nicht, wie oft angenommen, die Fatigue, sondern die aktivitäts-und sinnesreizgetriggerte Verschlechterung aller Symptome (post-exertionelle  Malaise [PEM]), die eine unverhältnismäßige, lang anhaltende oder sogar eine dauerhafte Zustandsverschlechterung auslösen kann. Auslöser können zwei körperliche Stressoren, wie Bewegung und eine längere aufrechte Position sein, aber auch sensorische Reize (wie Geräusche oder Licht) sowie kognitive und emotionale Stressoren können dies induzieren.

Die PEM tritt oft zeitverzögert nach Aktivität auf (bis zu 48h) und wird vermutlich durch eine Störung des autonomen Nervensystems und des zellulären Energiestoffwechsels ausgelöst. ME/CFS ist als eine eigenständige, komplexe Krankheit definiert und abzugrenzen vom Symptom „Fatigue”, welches bei vielen anderen Grunderkrankungen auftreten kann.

Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS klärt auf ihrer Seite im Bereich „Fallstricke in der Berichterstattung“ auf und gibt nützliche Tipps und liefert wertvolle Informationen. Ich würde mich freuen, wenn Sie dies korrigieren könnten.

Ich bedanke mich im Voraus. https://www.mecfs.de/presse/infos-zu-me-cfs/

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: ME/CFS ist nicht eine bzw. „diese

von Redaktion DAZ am 17.01.2022 um 10:52 Uhr

Liebe Frau Kohl,

vielen Dank für den Hinweis! Wir haben den ersten Absatz präzisiert und nochmals einen weiterführenden Text verlinkt.

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