Neuer Bundesgesundheitsminister

Wofür steht Karl Lauterbach?

Berlin - 06.12.2021, 15:15 Uhr

Im Kabinett des designierten Bundeskanzlers Olaf Scholz (links) wird Karl Lauterbach das Amt des Bundesgesundheitsministers bekleiden. Was bedeutet das für die Apotheken? (x / Foto: IMAGO / photothek)

Im Kabinett des designierten Bundeskanzlers Olaf Scholz (links) wird Karl Lauterbach das Amt des Bundesgesundheitsministers bekleiden. Was bedeutet das für die Apotheken? (x / Foto: IMAGO / photothek)


Keine Angst vor Reformen

Angesichts seiner politischen Umtriebigkeit wunderte es kaum, dass Lauterbach im Jahr 2005 erstmals für den Deutschen Bundestag kandidierte – und auch in diesen einzog. Seitdem ist er als IKGE-Leiter beurlaubt. Schon in seiner ersten Legislaturperiode zeigte sich der Sozialdemokrat streitbar. So war er etwa überzeugt, dass das 2007 von der Großen Koalition verabschiedete GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz keines der wünschenswerten Ziele erreicht habe. 

In seiner zweiten Legislaturperiode bekleidete Lauterbach das Amt des gesundheitspolitischen Sprechers seiner Fraktion – und das aus der Position der Opposition. Als sich 2013 die nächste Große Koalition anbahnte, war er zusammen mit Jens Spahn für den gesundheitspolitischen Part des Koalitionsvertrags verantwortlich – den sodann Hermann Gröhe (CDU) als Minister Stück für Stück umsetzte. Lauterbach wechselte zu dieser Zeit auch seine Position in der Fraktion und wurde stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Sowohl mit Gröhe als auch mit Spahn als Gesundheitsminister hat Lauterbach einige Gesetze durchgebracht. 

Angst vor Reformen hat Lauterbach also sicher nicht. Eine solche steht in den kommenden Jahren wohl auch den Apothekerinnen und Apothekern ins Haus, wie der Blick in den Koalitionsvertrag verrät. Auch wenn der Gesundheitsteil und ganz besonders der Absatz zu den Apotheken die Handschrift der Grünen trägt, dürfte sich Lauterbach mit den dort angelegten Neuerungen im Apothekenwesen gut anfreunden können: Er fordert schon lange, die fachliche Kompetenz der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten stärker zu nutzen als bisher und die Vergütung so anzupassen, dass sich Beratung lohnt.


Es kann nicht sein, dass Apotheker zunehmend zu Geschäftsleuten verkommen. Das liegt auch daran, dass das Honorarsystem dumm ist – oft ist es anders nicht möglich zu überleben. Apotheker sind extrem wertvolle Spezialisten im Gesundheitssystem. Die Ansprüche an die Beratung steigen – dafür müsste es aber auch einen Anreiz geben.

Karl Lauterbach im DAZ-Interview im Jahr 2013


Dass Spahn mit dem Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz bereits die Weichen gestellt hat für honorierte pharmazeutische Dienstleistungen, dürfte Lauterbach also ins Konzept passen.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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1 Kommentar

Lauterbach

von Scarabäus am 07.12.2021 um 9:56 Uhr

"Bei dieser Nominierung spielt wohl Volkes Wille eine tragende Rolle..." Das soll doch wohl ein Witz sein? Ein in nicht nur seiner eigenen Partei umstrittener Politiker einer mit gerade Mal 26% gewählten Partei soll den Willen der Wählerschaft abbilden? Welch eine Umschreibung für den Worst Case!

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