Grünen-Antrag von 2019

Ist das die Blaupause für die Apothekenreform?

Berlin - 26.11.2021, 07:00 Uhr

Müssen sich die Apotheken auf Kürzungen bei der packungsbezogenen Vergütung einstellen – oder zumindest die vergleichsweise umsatzstarken Apotheken? (Foto: IMAGO / Christian Ohde)

Müssen sich die Apotheken auf Kürzungen bei der packungsbezogenen Vergütung einstellen – oder zumindest die vergleichsweise umsatzstarken Apotheken? (Foto: IMAGO / Christian Ohde)


Umverteilung auch bei pharmazeutischen Dienstleistungen?

„Pharmazeutische Dienstleistungen besser (zu) honorieren und Effizienzgewinne innerhalb des Finanzierungssystems (zu) nutzen“: Im Grünen-Antrag von 2019 tauchen bereits die pharmazeutischen Dienstleistungen auf – auch wenn sie darin noch als „patientennahe Dienstleistungen“ bezeichnet werden. Die Fraktion versteht darunter insbesondere das Medikationsmanagement nach dem Vorbild der Arzneimittelinitiative in Sachsen und Thüringen (ARMIN). „Das Modellprojekt zwischen den Kooperationspartnern der Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen und Apothekenverbänden hat sich seit seiner Gründung 2014 zum Paradebeispiel für das Medikamentenmanagement älterer, multimorbider Patienten entwickelt“, lobt die Fraktion.

Zugleich findet sich im nächsten Absatz ein Hinweis, was mit „Effizienzgewinnen innerhalb des Finanzierungssystems“ gemeint sein könnte: mehr Geld für Dienstleistungen zulasten des packungsbezogenen Honorars. „Die Finanzierung des Apotheken-Medikationsmanagements erfolgt aus den Einsparungen bei der Senkung der packungsbezogenen Vergütung bei besonders umsatzstarken Apotheken.“

Das erscheint auch mit Blick auf den Koalitionsvertrag plausibel – denn die Finanzlage der Krankenkassen hat sich im Zuge der Pandemie deutlich verschlechtert. Dass die Ampel ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mehr Geld für die Apotheken locker macht, noch dazu bevor überhaupt klar ist, welche Dienstleistungen es geben wird und wie diese von den Versicherten angenommen werden, ist eher unwahrscheinlich. Auch in den DAZ-Interviews im Vorfeld der Bundestagswahl hatten weder Sabine Dittmar (SPD) noch Janosch Dahmen (Grüne) oder Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) die Bereitschaft durchblicken lassen, die Apothekenvergütung anheben zu wollen. Dass hinter der Formulierung im Koalitionsvertrag also ein Umverteilungsmechanismus stecken könnte, ist naheliegend.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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6 Kommentare

Geballte Ahnungslosigkeit

von Stefan Haydn am 30.11.2021 um 8:25 Uhr

Schon die Heranziehung des Umsatzes als Größe zeigt die totale Ahnungslosigkeit dieser Staatsjünger.

Wenn überhaupt könnte man über den Gewinn, oder Rohgewinn als Bezugsgröße sprechen.
Da würden aber viele kleinere Apotheken im Vergleich zu Großen gar nicht mehr so schlecht dastehen.

Der Umsatz wird massiv von Hochpreisern, z.B. in der Mucoviszidoseversorgung oder Krebstherapien getrieben.

Dann müßten Apotheken zu ihrem eigenen Nutzen eine solche Versorgung in Zukunft an umsatzschwächere Apotheken weiterleiten.
Ob dies im Patientensinne ist?

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"Quod licet Iovi...

von Thomas Eper am 27.11.2021 um 10:08 Uhr

... non licet bovi!"

Man stelle sich vor, die Politik würde bei den Ärzten eine Honorarumverteilung von großen zu kleinen Praxen umsetzen wollen. Das gäbe eine Ärzterevolution ungeahnten Ausmaßes mit Protesten und Streiks, etc.

Bei den Apotheken ist das scheinbar das normalste auf der Welt.
Und das nach 17 Jahren mit 3% Honorarerhöhung (= inflationsbereinigt ca.40%-ige Honorarkürzung) bei enem massiven Apothekensterben!
Nur zur Erinnerung: bei den Ärzten gab es ca. 45% plus!

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Warnung

von Salerno am 26.11.2021 um 9:55 Uhr

Die im Koalitionsvertrag angestrebte und in diesem Artikel beschriebene Umverteilung soll meines Erachtens dazu genutzt werden, um seitens der Politik eine versteckte Honorarkürzung auf Ebene der Vor-Ort-Apotheken durchzudrücken! Der Haushalt ist tiefrot, man will gerade im Gesundheitswesen weiter Geld sparen, also stellt eine solche "Umverteilung" doch eine willkommene Gelegenheit für die neue Bundesregierung dar, die Entlohnung von Dienstleistungen im Apothekenbereich möglichst unentdeckt zu kürzen.
Ein solches Ansinnen darf niemals umgesetzt werden, denn damit würde der Apothekerschaft in ihrer Gesamtheit die Vergütung zusammengestrichen, und das in einer Zeit, in der wir nach bald 18 Jahren des Stillstands beim Packungshonorar trotz Inflation eine spürbare Erhöhung der Vergütung dringend bräuchten!
Wir können nur hoffen, dass unsere Standesvertretung nicht darauf reinfällt und sich entschieden dagegen stemmt.

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AW: Warnung

von Anita Peter am 26.11.2021 um 10:21 Uhr

Die Grünen brüllen seit 2015 unisono "Wir sind ein reiches Land!"

dunkelrot

von J.M.L. am 26.11.2021 um 8:52 Uhr

Nach vier Jahren Spahn ist die Apothekerschaft sehr geschlossen, man wird sich das alles sehr genau ansehen müssen, wenn 60% profitieren suggeriert das mehrheitliche Zustimmung, aber eine Gewinn-Umverteilung innerhalb einer Branche kann in einer freien Marktwirtschaft keine ernsthafte Lösung sein. Auch wenn man primär vielleicht davon profitieren mag, so löst das doch in keinster Weise die zugrundeliegende Problematik, warum müssen Apotheken denn überhaupt bezuschusst werden? Warum tragen sie sich nicht von alleine? Warum wurde die Apothekenvergütung so lange nicht erhöht? Umverteilung ist hier die völlig falsche Herangehensweise. Merkel tritt ab und der Sozialismus zieht ein, meine persönliche Ampel zeigt dunkelrot.

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.

von Anita Peter am 26.11.2021 um 8:44 Uhr

Umsatz hat rein gar nichts mit Rohgewinn und noch viel weniger mit Reingewinn zu tun. Bei einer Trampolinspringerin aus dem Völkerrecht mag das natürlich alles das Gleiche sein.

Sicherstellungsfonds -> tolle Idee, dieser muss aber mit frischen 500 Mio p.a. gefüttert werden und nicht aus dem Honorar rausgeschnitten werden. Geld genug ist da! Verteilung der 500 Mio zu gleichen teilen auf alle deutschen Vor Ort Apotheken!

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