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Baustellen auf dem Weg in die Zukunft
Unter der Moderation von PZ-Chefredakteur Daniel Rücker und DAZ-Herausgeber Peter Ditzel hatten Vertreter der Apothekerschaft Gelegenheit zum Schlagabtausch mit dem Präsidenten der Bayerischen Ärztekammer, Dr. Max Kaplan, sowie dem Vorstandsvorsitzenden der AOK Bayern, Dr. Helmut Platzer. Doch auch wenn alle Beteiligten guten Willen zeigten, war klar: Auf dem Weg in die Zukunft liegen noch mehr oder weniger große Baustellen.
Medikationsmanagement
Was das von den Apothekern anvisierte Medikationsmanagement betrifft, scheint es noch reichlich Aufklärungsbedarf zu geben. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands, berichtete über die ablehnende Haltung der bayerischen Ärzte gegenüber dem ABDA-KBV-Modell. Kaplan sprach von der tiefen Sorge seiner Kollegen, man wolle ihnen in die Therapie "hineinregieren" oder gar die Therapiefreiheit nehmen.
Hier konnte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt klarstellen: Medikationsmanagement durch den Apotheker sei nicht Kontrolle, sondern Verbesserung und Effizienzsteigerung der medikamentösen Therapie. Der Arzt verordne und behandle weiterhin in völliger Freiheit. Für den Patienten von Nutzen sei aber der differente Blick von Arzt und Apotheker aufs Arzneimittel – auf Augenhöhe und in gegenseitiger Wertschätzung der jeweiligen Profession. Ein Hindernis auf diesem Weg sei derzeit allerdings, dass Arzt und Apotheker noch zu selten dieselbe Sprache sprechen, sagte Schmidt. Lösungsansatz sei eine gemeinsame Sozialisierung des Berufsnachwuchses.
Kaplan erhofft sich einen Vertrauensaufbau zwischen Ärzten und Apothekern durch den gemeinsamen Besuch regionaler Qualitätszirkel. Der Bayerische Kammerpräsident Thomas Benkert richtete den Blick auf die Arbeit im Krankenhaus: Wenn junge Ärzte und Apotheker lernen, auf der Station und am Krankenbett gleichberechtigt zu kommunizieren, nehmen sie diese Gewohnheit in ihren späteren Berufsalltag mit.
Dass die AOK Bayern am Medikationsmanagement Interesse habe, ließ Platzer wissen, der es auch als Aufgabe der Krankenkasse ansieht, qualitativ abgesicherte Kriterien zu definieren, welche Patienten in ein Medikationsmanagement einbezogen werden. Wenn für die Krankenkasse eine "klare mittelfristige Perspektive" für das Projekt erkennbar sei, habe er auch kein Problem mit der Bezahlung der Leistungserbringer.
Versorgung auf dem Lande
Über die zukünftige Gesundheitsversorgung ländlicher Regionen müsse man ernsthaft nachdenken, betonte Schmidt, der sich klar gegen eine "Apotheke light" aussprach. Allerdings dürfe man aber nicht mehr "in jedem Dorf eine Apotheke erwarten". Es wird auch nicht mehr in jedem Dorf einen Hausarzt geben, ergänzte Kaplan. Platzer hält es für möglich, die Gesundheitsversorgung auf dem Land über finanzielle Anreize zu steuern.
Die Diskussion zeigte, dass der Trend bei den Ärzten klar zu medizinischen Versorgungszentren und Gemeinschaftspraxen geht. Das sei zum einen der Feminisierung der Gesundheitsberufe geschuldet, aber auch den geänderten Ansprüchen der jüngeren Generation an ihre berufliche Tätigkeit, die auf mehr Freizeit und Work-Life-Balance abziele. Wie sich die pharmazeutische Tätigkeit in Versorgungszentren integrieren lasse – darauf haben die Apotheker bislang keine befriedigende Antwort gefunden.
rb
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