Keine Zulassung von CVnCoV

Curevac forscht nun auch an modifizierter mRNA

Stuttgart - 13.10.2021, 09:15 Uhr

Curevac will seinen COVID-19-Impfstoff CVnCoV nun doch nicht zulassen und sich stattdessen auf CV2CoV konzentrieren. Erstmals teilt Curevac nun auch mit, an modifizierter mRNA zu forschen, wie sie bereits bei Pfizer/Biontech und Moderna eingesetzt wird. (Foto: IMAGO / Sven Simon)

Curevac will seinen COVID-19-Impfstoff CVnCoV nun doch nicht zulassen und sich stattdessen auf CV2CoV konzentrieren. Erstmals teilt Curevac nun auch mit, an modifizierter mRNA zu forschen, wie sie bereits bei Pfizer/Biontech und Moderna eingesetzt wird. (Foto: IMAGO / Sven Simon)


Curevac wird seinen ersten Corona-Impfstoffkandidaten nicht zur Zulassung bringen. Die mRNA-Vakzine CVnCoV hatte in Studien nur eine 48-prozentige Wirksamkeit gezeigt. Stattdessen konzentriert sich Curevac auf die klinischen Studien mit Impfstoffkandidaten der zweiten Generation – dabei setzt Curevac nun auf zwei Pferde: auf CV2CoV und nicht-chemisch modifizierte mRNA sowie modifizierte mRNA – wie Pfizer/Biontech und Moderna sie nutzen.

Der mRNA-Impfstoff von Curevac enttäuschte: Wie Curevac im Juni dieses Jahres einräumen musste, hatte CVnCoV in klinischen Studien weniger gut performed als erwartet und erhofft – 48 Prozent Wirksamkeit gegen COVID-19-Erkrankungen jeglicher Schwere. Besser sah es aus, wenn man lediglich die Altersgruppe der 18- bis 60-Jährigen betrachtet: Hier lag die Impfwirksamkeit bei 53 Prozent gegen COVID-19 jeglicher Schwere und 77 Prozent beim Schutz vor moderatem bis schwerem COVID-19. Trotz allem blieb die Wirksamkeit von CVnCoV weit unter den Impfwirksamkeiten der beiden bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna zurück. Und dennoch war Curevac zunächst bestrebt – und das noch Anfang September –, CVnCoV zur europäischen Zulassung zu bringen. Das Rolling-Review-Verfahren lief bereits seit Februar 2021 bei der EMA.

Nun hat sich Curevac doch anders entschieden. Wie das Unternehmen am 12. Oktober mitteilte, hat Curevac den Impfstoffkandidaten der ersten Generation CVnCoV „aus dem laufenden Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zurückgezogen“. Mit dieser „strategischen Entscheidung“ will Curevac sich stattdessen auf die Weiterentwicklung von COVID-19-Impfstoffkandidaten der zweiten Generation, wie CV2CoV, in Zusammenarbeit mit GSK (GlaxoSmithKline) fokussieren.

Keine Zulassung mehr für CVnCoV, Fokus auf nächste Generation

Denn: „Vor dem Hintergrund einer aktuellen Information der EMA geht Curevac davon aus, dass für CVnCoV mit einer Zulassung frühestens im zweiten Quartal 2022 gerechnet werden kann“, erklärt Curevac. Bis dahin erwarten Curevac und GSK jedoch bereits, dass die Kandidaten des Impfstoffprogramms der zweiten Generation eine fortgeschrittene Phase der klinischen Entwicklung erreicht haben. Curevac strebt eine Zulassung eines mRNA-COVID-19-Impfstoffs im Jahr 2022 an.

Präklinische Daten zu einem Zweitgenerationen-Impfstoffkandidaten – CV2CoV – hat Curevac bereits veröffentlicht. Verglichen mit CVnCoV wurden mit CV2CoV hohe Titer an neutralisierenden Antikörpern bereits zwei Wochen nach Verabreichung der ersten Dosis erzielt, die Spitzenwerte der Antikörper sechs Wochen nach Impfung lagen bei CV2CoV ebenfalls zehnfach höher als bei CVnCoV. Klinische Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor.

CV2CoV: Nicht-chemisch modifizierte mRNA

Bei CV2CoV setzt Curevac wie auch bei CVnCoV auf nicht-chemisch modifizierte mRNA als „Backbone“, die für das präfusionsstabilisierte Full Spike-Protein von SARS-CoV-2 codiert und in Lipid-Nanopartikeln (LNPs) formuliert ist. Allerdings hat Curevac für CV2CoV den mRNA-Backbone des Erstimpfstoffkandidaten verbessert. CV2CoV ist mit spezifisch optimierten nicht-codierenden Regionen entwickelt, unter anderem der Poly-A-Schwanz, um eine verbesserte mRNA-Translation für eine verstärkte und verlängerte Proteinexpression zu ermöglichen und eine ausbalanciertere Immunantwort zu fördern.

Unmodifizierte mRNA ist grundsätzlich immunogener als modifizierte, aber auch unverträglicher – weswegen in klinischen Studien CVnCoV auch nicht höher als mit zweimal 12 µg dosiert werden konnte (Impfabstand 28 Tage). „Wir konnten nicht höher als 12 µg dosieren – da waren wir, was die Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffes angeht, am Anschlag“, erklärte CVnCoV-Studienleiter, Professor Peter Kremsner von der Universitätsklinik Tübingen, im Sommer im Gespräch mit der DAZ. Sehr wahrscheinlich sei diese mRNA-Menge dann letztlich zu wenig immunogen gewesen, meinte der Studienleiter. Man hatte gehofft, dass das Konzept der natürlichen mRNA-Sequenz, wie Curevac sie nutzt, funktioniert oder eventuell sogar besser wirkt als modifizierte mRNA.

Nicht-chemisch modifiziert doch nicht so effektiv?

Wie gut sich CV2CoV in klinischen Studien schlägt, muss sich zeigen. Ob Curevac der nicht-chemisch modifizierten mRNA-Technologie bei COVID-19-Impfstoffen noch vollumfänglich traut, ist ungewiss. Neu ist jetzt auf jeden Fall, dass Curevac nun doch auch modifizierte mRNA-Impfstoffe entwickeln und testen will – Pfizer/Biontech und Moderna nutzen beide modifizierte mRNA in ihren sehr wirkungsvollen Corona-Impfstoffen. Curevac erklärt: „Parallel zu der gemeinsamen Forschung an der mRNA-Technologie der zweiten Generation werden GSK und Curevac die Entwicklung von modifizierten mRNA-Impfstoff-Konstrukten beschleunigen“.

Curevac will auch Boosterimpfungen prüfen

In einer am Dienstag stattgefundenen Pressekonferenz machte Curevac-CEO Franz-Werner Haas deutlich, dass Curevac seinen potenziellen COVID-19-Impfstoff nicht mehr für die Akutphase der Pandemie einplant, sondern, wenn SARS-CoV-2 endemisch geworden ist – weswegen in Studien nun nicht allein die Wirksamkeit des mRNA-Impfstoffs bei Ungeimpften untersucht werden soll, sondern auch die Wirksamkeit als Booster. Erst jüngst hatte die STIKO ihre ersten Empfehlungen zu Auffrischimpfungen mit mRNA-Impfstoffen veröffentlicht – unter anderem für Immundefiziente, ab 70-Jährige, Pflegeheimbewohner und das dortige Personal sowie Bewohner/Personal in ambulanten, teil- oder vollstätionären Einrichtungen. Zudem sollen schwer Immunsupprimierte eine dritte Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung erhalten, ebenso rät sie zu einer Zweitimpfung mit einem mRNA-Impstoff beim COVID-19-Impfstoff Janssen. Ein Markt für einen neuen mRNA-Impfstoff? Allerdings rät die STIKO auch bei mit mRNA-Impfstoffen Geimpften, den bei den Erstimpfungen verwendeten Impfstoff zu verabreichen. Die Curevac-Studie könnte aber zeigen, dass auch andere mRNA-Impfstoffe bei Mix-Match-Impfungen sicher und wirksam sind.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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