Bakterielle Erreger oder Pilzinfektion

Vaginaltherapeutika in der Selbstmedikation – im Zweifel ein Antiseptikum?

Stuttgart - 12.10.2021, 07:00 Uhr

Viele Apothekenmitarbeiter:innen haben Octenisept bei Symptomen einer Vaginalinfektion wahrscheinlich nicht sofort als erste Wahl im Kopf. (c / Foto: dragonstock / AdobeStock)

Viele Apothekenmitarbeiter:innen haben Octenisept bei Symptomen einer Vaginalinfektion wahrscheinlich nicht sofort als erste Wahl im Kopf. (c / Foto: dragonstock / AdobeStock)


Die Vulvovaginalcandidose – und gibt es weitere „Alleskönner“?

Was die Vulvovaginalcandidose (VVC) angeht, ist erst im September 2020 eine neue Leitlinie erschienen, die bis 2025 gültig bleiben soll. Dort gibt es extra einen kurzen Abschnitt zum Thema Selbstmedikation. Darin heißt es, dass die Selbsttherapie mit Clotrimazol (in einigen Ländern auch mit Fluconazol) in mehr als 80 Prozent der Fälle betrieben werde. Diese Entwicklung basiere auf Erwartungen der 90er Jahre, dass Patientinnen eine Vulvovaginalcandidose fast immer selbst korrekt diagnostizieren könnten. Doch diese Erwartung hat sich nicht bestätigt, heißt es: Laut einer Studie sollen nur ein Drittel der Frauen, die vaginale Antimykotika zur Selbsttherapie gekauft haben, mit ihrer Selbstdiagnose richtig gelegen haben. Und so empfiehlt die aktuelle Leitlinie bei Verdacht eine ärztlich gesicherte Diagnose, um Resistenzbildungen und ungerechtfertigte Nebenwirkungen zu vermeiden. Ist die Diagnose gesichert, ist die Therapie mit einer lokalen Therapie mit

  • Imidazolen (Clotriamzol, zahlreiche bekannte rezeptfreie Präparate),
  • Polyenen (Nystatin, z. B. rezeptfrei in Biofanal) oder
  • Ciclopiroxolamin (z. B. in Batrafen Vaginalcreme)

als Vaginaltabletten, Ovula oder Cremes möglich. Oral können Triazole (Fluconazol) verschrieben werden – in Kombination mit antimykotischen Cremes. Alle Antimykotika seien ähnlich gut verträglich und führten zu ähnlich guten Therapieergebnissen.

Bei den Antiseptika sieht das etwas anders aus: Diese sind zwar laut Leitlinie potenziell wirksam, wirkten aber auch gegen die physiologische Vaginalflora. Dennoch heißt es, dass Antiseptika wie Dequaliniumchlorid als alternative Therapieoptionen eingesetzt werden können. Auch Octenidin diene zur Desinfektion und sei als Alternative bei aktuer VVC erprobt. 

Laut Lauer-Taxe® enthält jedoch nur Fluomizin® Dequaliniumchlorid und ist nur bei der bakteriellen Vaginose indiziert. Damit hat das Octenisept® Vaginaltherapeutikum mit Octenidin aktuell tatsächlich ein gewisses Alleinstellungsmerkmal in der Selbstmedikation. 

Rasche Symptomlinderung mit Povidon-Iod 

Ebenfalls (wie Octenisept®) als „Alleskönner“ gegen Bakterien, Pilze und Hefen sowie einige Viren und Protozoen verkaufen sich gerne „Vagisan sept Vaginalzäpfchen mit Povidon-Iod“. Sie sind indiziert bei „bei spezifischen und unspezifischen Infektionen der Scheide und bei Scheideninfektionen durch Trichomonas vaginalis und Candida albicans“. In der Lauer-Taxe® werden sie erst seit Mai 2021 gelistet, das liegt aber daran, dass sie die nicht mehr im Handel verfügbaren „Traumasept Ovula“ ablösen.

In der Leitlinie zur VVC wird Povidon-Iod im Kapitel „alternative und komplementäre Medizin“ aufgeführt. Seine Verwendung soll eine rasche Linderung der Symptome bewirken. Der Wirkmechanismus beruhe auf der Oxidation von Aminosäuren.

Somit stehen tatsächlich zwei Präparate auf dem Markt zur Verfügung, die bei unspezifischen vaginalen Infektionen zugelassen und auch in entsprechenden Leitlinien zumindest erwähnt werden.

Ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hat das Octenisept® Vaginaltherapeutikum dann noch zusätzlich: die Applikationsform. Es handelt sich nämlich nicht um eine Creme oder ein „Zäpfchen“, sondern um einen Sprühapplikator. Unangenehme Wäscheflecken sollen laut Hersteller damit der Vergangenheit angehören. 

Auch für Schwangere soll es geeignet sein. Bei Embryotox findet es aber weder bei der bakteriellen Vaginose (Metronidazol oder Clindamycin) noch bei der vaginalen Pilzinfektion (Clotrimazol und Miconazol) Erwähnung.

Letztlich kann man sich – wenn man lieber gezielt behandeln möchte – zur Abgrenzung in der Apotheke zumindest als groben Merksatz aus der VVC-Leitlinie merken: „Im Gegensatz zur bakteriellen Vaginose riecht Fluor bei VVC nicht unangenehm und ist meist von weißlich klumpiger Konsistenz.“



Diana Moll, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (dm)
redaktion@daz.online


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