Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

02.10.2022, 07:30 Uhr

Milliarden mit Masken und jetzt noch Dienstleistungshonorare – wenn's ums Geld geht, hört der Spaß auf. (Foto: Alex Schelbert)

Milliarden mit Masken und jetzt noch Dienstleistungshonorare – wenn's ums Geld geht, hört der Spaß auf. (Foto: Alex Schelbert)


28. September 2022
 

Der erhöhte Kassenabschlag „ist der Höhe und dem Grunde nach nicht angemessen und nicht sachgerecht“ – argumentiert ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz ultra-scharf, als er bei der Anhörung zum GKV-Finanzstabilisierungsgesetz die Gelegenheit bekam, sich dazu zu äußern. Und er brachte die Argumente vor, warum die Politik bitteschön doch von dieser Abschlagserhöhung Abstand nehmen sollte. So seien die Apotheken nicht die Kostentreiber im System, die Apothekenvergütung sei seit Jahren nicht angepasst worden und außerdem kämen weitere Kostensteigerungen auf die Apotheken zu wie Inflation, neue Tarifabschlüsse, Energiekosten. Würde der höhere Apothekenabschlag obendrauf gesetzt, müsse man davon ausgehen, dass im nächsten Jahr mehr Apotheken schließen müssten. Mein liebes Tagebuch, alles richtig, alles wichtig – bleibt die Frage, ob sich der Gesundheitsausschuss des Bundestags. Ob sich die Abgeordneten davon beeindrucken lassen. Schön wär’s. Wenn nicht, muss man wohl auch davon ausgehen, dass sie sehenden Auges in Kauf nehmen wollen, dass noch mehr Apotheken als eh schon in den kommenden Jahren schließen müssen. Ist das gewollt? 
 

Es ist ja nicht so, dass sich die Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitspolitiker der Ampel-Fraktion keine Gedanken zur Lage der Apotheken machen, nein, sie haben eigene Ideen entwickelt, die sie als Prüfbitten an das Bundesgesundheitsministerium herantragen. Zum Beispiel die FDP. Sie will vom Ministerium wissen, wie hoch die Einspareffekte wären, wenn man den Festzuschlag von 3 Prozent bei 45 Euro deckeln würde und welche Auswirkungen dies auf die Versorgung der Patienten mit hochpreisigen Arzneimitteln hätte. Da sollte die FDP mal uns Apothekers fragen, was wir davon halten, nämlich nichts, aber sowas von nichts. Und die Abgabe von Hochpreisern in Apotheken müssten wir uns dann wohl ganz abschminken, wenn wir nicht draufzahlen wollen. Außerdem bittet die FDP um Prüfung, „um welchen Betrag der Apothekenabschlag zusätzlich erhöht werden müsste, um die Streichung der Importförderklausel daraus vollständig zu refinanzieren“. Ja, die Importförderklausel sollte endlich gecancelt werden, aber nicht durch eine Refinanzierung. Mein liebes Tagebuch, wir sehen, die FDP wird nicht mehr unser Freund. Die Grünen klingen ein klein wenig freundlicher. Sie erhoffen sich vom Ministerium Vorschläge zum Bürokratieabbau, z. B. Abschaffung der Nullretaxationen. Und die SPD schließlich regt an, den Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel ab 2023 auf 7 Prozent abzusenken. Ob und was aus diesen Bitt-Katalogen wird, ist noch offen. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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9 Kommentare

pharmazeutische Dienstleistungen

von Stella Lenze am 04.10.2022 um 11:00 Uhr

Hat jemand irgendwo Personal gesehen, dass man für pharmaz. Dienstleistungen ( insbesondere Medikationsanalyse) einsetzten könnte? Dann bitte zu mir schicken, ich habe nämlich keine Kapazitäten für so was.
Und hat keiner bisher die Erfahrung gemacht, dass man blöde angeguckt wird, wenn man einem Kunden mit dem Wunsch Blutdruck zu messen erst einen DSGV- sicheren "Behandlungsvertrag" zur Unterschrift vorlegt, genauso bei Inhalatioren, für Dienstleistungen und Beratungen, die wir von Gesetz wegen sowieso erbringen müssen, nur um das jetzt vergütet zu bekommen ? Das stärkt doch eher unser Image der raffgierigen Apotheker, mir ist das zu peinlich, das gegenüber meinem Kunden anzusprechen.

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Naivität

von Dr. House am 04.10.2022 um 10:31 Uhr

"Vielleicht hätte man den Ärzten mal erklären müssen, was diese pharmazeutische Leistung eigentlich ist, wie umfangreich sie ist" Äh ja, hätte man. Das ist so ziemlich das Mindeste was man tun muss, bevor man so etwas wie PDL durchdrückt. Warum sind wir so blöd und denken nicht an solche Grundsätze der Kommunikation? Weil wir uns nicht reinversetzen können/wollen, was die Mediziner seit Jahren von uns wahrnehmen. "Der Apotheker? Das ist doch immer der, der wegen irgendwelchen Formalien anruft. Vornamen, Dosierung, Arztnummer, aut idem Kreuze. Dann hat er zudem nie das Mittel da was ich verordne. Und dieser Depp will jetzt meine Therapie für meinen Patienten optimieren?" Dass einige von uns PDL in top Qualität anbieten können ist klar. Aber es muss halt erstmal den Ärzten vermittelt werden und die haben definitiv genug um die Ohren, sodass wir nicht erwarten können, dass sie sich selbstständig mit unseren Studieninhalten und den Vorzügen von PDL beschäftigen. Das ist völlig naiv und vielleicht sollten wir Apotheker uns zunächst mal grundlegend Gedanken machen, mit was sich die Ärzte den ganzen Tag rumschlagen müssen, bevor wir Einsicht und Empathie von denen uns gegenüber voraussetzen.

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Welche Konsequenz bei Deckelung der Pauschale?

von Andreas Grünebaum am 02.10.2022 um 17:21 Uhr

1. Barzahlung direkt Cash für PKV-Versicherte
2. Haben wir nicht bekommen wir sobald nicht mehr herein und überhaupt keine Ahnung wann vielleicht wieder... bei GKV Versicherten
Man nehme nur den worst case an, dass der GKV Versicherte bei Annahme eines Rezeptes über Brutto z.B. 25.000 Euro noch vor der Abgabe verstirbt und der Hersteller die Rücknahme wie zu erwarten verweigert. Von Retax gar zu schweigen!

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Die Achse des Bösen

von Ludwig Gruber am 02.10.2022 um 10:52 Uhr

Süddeutsche, WDR, NDR, Markus Grill, Tagesschau, GKV, BMG, die an Apotheken kein gutes Haar lassen, verleumden, Betrug unterstellen, öffentlich diskreditieren. Das nennt sich dann auch noch „investigativ“.

Und keine Reaktion der ABDA?
Kommt da mal eine Anzeige? Hier ist eine ganz üble Seilschaft am Werk. Nur, wo ist der Sinn? Die Arbeit der Apotheken ist unersetzlich im Gesundheitswesen, die von Konzernversendern nicht übernommen werden kann. Infam, ungerecht. Lauterbach muss zurücktreten.
Gerade die GKV ist in der Vergangenheit bei einigen Betrügereien erwischt worden.

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.

von Anita Peter am 02.10.2022 um 9:40 Uhr

Wer hätte das ahnen können, das uns die pDl auf die Füße fallen werden. Im Elfenbeinturm der ABDA wird eine Fehlentscheidung nach der anderen getroffen. Und jetzt wird auch noch das Honorar gekürzt, bei gallopierenden Betriebskosten und schlechteren Einkaufskonditionen.


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Problemlöser

von Ulrich Ströh am 02.10.2022 um 8:58 Uhr

Die Öffentlichkeitsarbeit der ABDA ist seit Jahrzehnten ineffizient.

Die Kampagne - unverzichtbar ! - aus dem Programm zu nehmen, das sollte erklärt werden.

Der LAV Vorsitzende von Brandenburg sprach von einem
Kern - Problem,,,

Probleme sollten Standesvertreter lösen können.

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Mein Liebes Tagebuch

von Bernd Haase am 02.10.2022 um 8:21 Uhr

Liebe ADEXA,

Worte allein helfen hier nicht weiter, deshalb nochmals der
offene Aufruf an Sie. Bitte nehmen Sie den Kampf auf.

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AW: Mein Liebes Tagebuch

von Jens am 02.10.2022 um 9:27 Uhr

Welchen Kampf soll die Adexa denn aufnehmen. Rechtlich können die Gewerkschaften nur die Arbeitgeber*innen bestreiken. Alles andere würde die Adexa teuer zu stehen kommen. Ein politischer Streik muss von Arbeitgeberseite organisiert werden.

AW: Mein Liebes Tagebuch: Streik der Adexa?

von Andreas Grünebaum am 02.10.2022 um 19:08 Uhr

Wovon träumen Sie denn? Die Mitarbeiter werden wohl kaum auf Ihren Lohn verzichten, wenn ihr Betrieb „streiken“ sollte. Der Streik eines Gewerbebetriebes ist eine Illussion!

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