Liefer-Start-up stellt seine Dienste ein

Kurando im vorläufigen Insolvenzverfahren

Berlin - 21.06.2022, 16:45 Uhr

„Aufgepasst! Kurando ist bis auf Weiteres geschlossen. Ihr könnt derzeit leider keine Produkte bestellen“, diese Botschaft ist derzeit auf der Kurando-Webseite zu lesen. (b/Screenshot: kurando.de)

„Aufgepasst! Kurando ist bis auf Weiteres geschlossen. Ihr könnt derzeit leider keine Produkte bestellen“, diese Botschaft ist derzeit auf der Kurando-Webseite zu lesen. (b/Screenshot: kurando.de)


Im vergangenen Jahr tauchten plötzlich diverse Start-ups auf, die um die Gunst der Apotheken und der Verbraucher:innen in größeren Städten buhlen – darunter Mayd, First A, Kurando, Cure. Ihr Versprechen: OTC und apothekenübliche Waren kommen binnen 30 Minuten an die Haustür. Für Kurando ist nun bereits Schluss – es fehlen die Geldgeber. Ein vorläufiges Insolvenzverfahren wurde angeordnet. 

„Aufgepasst! Kurando ist bis auf Weiteres geschlossen. Ihr könnt derzeit leider keine Produkte bestellen“ – diese Botschaft findet sich derzeit auf der Kurando-Webseite. Schon seit Anfang Juni munkelte man über eine mögliche Insolvenz des Berliner Lieferdienstes für OTC und apothekenübliche Waren. Diesbezügliche Anfragen der DAZ bei Kurando blieben allerdings unbeantwortet.

Nun ist aber klar: Das vorläufige Insolvenzverfahren wurde am 16. Juni vom Amtsgericht Charlottenburg angeordnet. Dies bestätigte der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Philipp Grauer gegenüber der DAZ. In den offiziellen Insolvenzbekanntmachungen war das Verfahren heute noch nicht vermerkt – Grauer rechnet jedoch jederzeit mit der Veröffentlichung.

Dass der Kampf „um die letzte Meile“ für Apothekenprodukte nicht leicht sein wird und vermutlich und am Ende nur ein oder möglicherweise zwei der Start-ups bestehen können, war absehbar. Das meiste Geld von Investoren konnte offenbar Mayd einsammeln. Mayd-Mitgründer Hanno Heintzenberg erklärte kürzlich im Spiegel: „In dem Markt ist nur Platz für ein Unternehmen. Wir wollen sehr, sehr schnell wachsen“. First A ließ sich im vergangenen April von der niederländischen Shop-Apotheke kaufen. Kurando hat nun offensichtlich das Nachsehen.

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Die Standesvertretungen der Apotheken mahnten von Anfang an, mit den Unternehmen zu kooperieren. Hauptkritikpunkt: Die Apotheke selbst verschwinde für die Verbraucher:innen hinter den Apps der Start-ups. Dennoch ließen sich einige Apotheken auf die Lieferdienste ein – sie wollen sicherheitshalber überall den Fuß in der Tür haben.

Doch es gibt (apotheken-)rechtliche Zweifel an dem Geschäftsmodell. So brachte etwa kürzlich die Berliner Apothekenaufsicht, das Landesamt für Gesundheit und Soziales, Verwaltungsverfahren ins Rollen. Und die Apothekerkammer Nordrhein klagt gegen Kurando. Sie wirft dem Unternehmen gleich mehrere wettbewerbswidrige Verstöße gegen apothekenrechtliche Normen vor. Unter anderem beanstandet sie das provisionsbasierte Preismodell. Dieses Verfahren ist jetzt übrigens nicht hinfällig, da es sich auch persönlich gegen die Geschäftsführer Niklas Spiegel und Lukas Pfaffernoschke richtet


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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1 Kommentar

Zocker

von Norbert Brand am 22.06.2022 um 14:03 Uhr

der Begriff "Start-up" galt früher mal als Synonym für unternehmerischen Wagemu.Den Kredit mußte sich der Wagemutige bei den Banken selbst erkämpfen, betrieb dafür aber sein junges Unternehmen mit Herzblut.
Heute mutiert "Start-up" zunehmend zu einem Synonym für "Zocker-Bude", betrieben von emotionslosen Söldnern, die von Investoren reichlich bereitgestelltes Venture-Kapital (für die Investoren steuersparend) verbrennen dürfen, und dann zum nächsten Abenteuer weiterziehen. Sollte das Start-up doch funktionieren, umso besser. Dann gibt es noch mehr Kohle.
Das Beispiel Kurando zeigt sehr schön: wer hier mitmacht ist selbst schuld.

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