Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

08.05.2022, 07:30 Uhr

Von Woche zu Woche wird's heißer: Pharmazeutische Dienstleistungen kommen – fragt sich nur was und wie. (Foto: Alex Schelbert

Von Woche zu Woche wird's heißer: Pharmazeutische Dienstleistungen kommen – fragt sich nur was und wie. (Foto: Alex Schelbert


Die Ampel, die Bevölkerung und viele Apotheken wollen’s: Grippeschutzimpfungen in Apotheken. Und die Ärztefunktionäre poltern dagegen mit fadenscheinigen Gründen. Dabei geht’s ihnen ums entgangene Honorar. Sie werden sich beruhigen. Ärgerlich: der EU-Versender Shop-Apotheke ködert Kunden mit unerlaubten Boni für Rezepte. Die Kammer Nordrhein geht dagegen vor. Neues aus dem ABDA-Korb mit „ungelegten Eiern“: Als pharmazeutische Dienstleistung kommt wohl irgendwas mit Medikationsanalyse und Co.,verrät ein BAK-Symposium. Spannend, was? Und die  Schnelllieferdienste, sieht sogar der Spiegel skeptisch. Die einzige Freude in dieser Woche: Es kommt eine neue ABDA-Kampagne: „Einfach da für dich“ – wie schön! 

2. Mai 2022

Der innige Wunsch der Ampel-Koalition: Apotheken sollen künftig bundesweit als Regelleistung gegen Grippe impfen können. Auch die Bevölkerung ist begeistert davon. Und damit Apotheken diese Grippeschutzimpfungen durchführen können und nicht gegen ein Verbot der Ausübung der Heilkunde verstoßen, das bisher in den Berufsordnungen verankert war, haben alle Apothekerkammern ihre Berufsordnungen angepasst. Alle Kammern? Nein, mein liebes Tagebuch, die Delegierten der Landesapothekerkammer Thüringen haben sich bisher geweigert, ihre Berufsordnung zu ändern: Die Mehrheit der Thüringer Delegierten will nicht impfen. Man sehe die Zukunft der Apotheken nicht im Impfen, heißt es. Au weia, wer spricht denn davon, dass die Apothekenzukunft im Impfen liegt? Es geht doch wirklich nur um ein Angebot der Apotheken, die das wollen und die ihren Kundinnen und Kunden einen besonderen Service bieten wollen. Warum in aller Welt wollen das die Thüringer nicht verstehen? Und nun, mein liebes Tagebuch, was würde diese Haltung der konservativen Delegierten für alle fortschrittlichen und impfwilligen Apothekers in Thüringen bedeuten? Kommt drauf an, wie der Gesetzeswortlaut ausfällt: Wenn da drin steht, dass das Berufsrecht dem Impfen nicht entgegenstehen darf, dürften die impfwilligen Apothekers in der Tat nicht impfen. Sie müssten klagen. Vielleicht werden die Thüringer Apothekerkammer und ihre Delegierten ja doch noch von der Vernunft gepackt… Ihr lieben Thüringer Delegierten, so eine kleine Änderung der Berufsordnung tut wirklich nicht weh, es ist wie ein kleiner Pieks bei der Grippeimpfung.

 

Dass bereits mehrere Start-ups von Arzneimittel-Lieferdiensten den Apothekenmarkt aufwirbeln, ist auch dem „Spiegel“ nicht entgangen. Das Magazin nennt diese Dienste zwar eine „charmante Idee“, aber der Autor sieht auch, dass diese Geschäftsidee „allerdings kaum mehr als eine teure, hochriskante Wette“ ist. Dem Artikel zufolge ist eigentlich nur der Lieferdienst Mayd finanziell gut aufgestellt. Mayd-Mitgründer Heintzenberg sagt selbst, dass in diesem Markt eigentlich nur Platz für ein Unternehmen sei und man daher sehr schnell wachsen wolle. Wird schwierig, mein liebes Tagebuch, immerhin gibt es noch einige liebe Mitbewerber-Start-ups, die sich auch in diesem Markt tummeln wollen. Und dass das alles einen langen und teuren Atem braucht, zeigten Insider-Berichte, wonach z. B. Mayd derzeit monatlich drei Millionen Euro verbrenne. Und ja, auch Heintzenberg sieht das eigentlich Geschäft erst darin, wenn das elektronische Rezept da ist und man auch Rx-Arzneimittel ohne langes Hin und Her liefern könne. Das würde bedeuten, dass Lieferdienste an die Telematik-Infrastruktur (TI) im Gesundheitswesen angeschlossen werden müssten. Mein liebes Tagebuch, oh nein, das darf nie sein. Es reicht schon, wenn die EU-Versandhäuser Zugriff auf die TI haben. Lieferdienste sind weder Apotheken noch Versender!



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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13 Kommentare

Impfen in der Apotheke Ja, Impfen durch Apotheker NEIN!

von Andreas Grünebaum am 08.05.2022 um 15:06 Uhr

Massenimpfungen durch approbierte Apotheker durchzuführen, wäre wie Ärzte an den Anmeldungstresen zu setzen. Dafür gibt es bekanntlich gut geschulte Hilfskräfte. Sinn würde es nur machen, wenn der Approbierte die Massenimpfung organisieren würde und bei Abweichungen von der Norm (Fragebogen, auch elektronisch) beratend zur Seite zu stehen, um ggf. auch einen Impfling abzulehnen. Die eigentliche Prozedur des Impfen ist leicht zu erlernen, Es war z.B. auch Bestandteil meiner Sanitätsausbildung und ich habe solche Impfungen an Soldaten noch vor meinem Studium durchgeführt. Eine Approbation braucht man dazu nicht und in der Arztpraxis ist im Übrigen meist die Helferin zuständig.

» Auf diesen Kommentar antworten | 7 Antworten

AW: Impfen in der Apotheke Ja, Impfen durch

von Michael Reinhold am 08.05.2022 um 18:49 Uhr

Grundsätzlich bin ich bei Ihnen, dass auch PTAs Impfen dürfen sollten. Aber man muss das rational machen.

Der gerade anwesende verantwortliche Apotheker (nicht: der Inhaber) muss dann verpflichtend einige Jahre Berufspraxis mit Impfungen haben und selbst zahlreiche Impfungen schon durchgeführt haben, um die Aufgabe delegieren zu können.

Falls der gerade in der Apotheke anwesende Apotheker keinerlei Impferfahrung hat, dürfen zu dieser Zeit keine Impfungen durchgeführt werden. Man kann nichts verantworten bzw. delegieren, wovon man selbst keine Ahnung hat.

Momentan gibt es keine Apotheker, die eine irgendwie geartete Berufspraxis beim Impfen vorweisen können. Also kann derzeit diese Aufgabe auch nicht delegiert werden.

AW: Impfen in der Apotheke Ja, Impfen durch

von Sabine Schneider am 08.05.2022 um 19:09 Uhr

@Herrn Reinhold. Ich möchte Sie nicht als Angestellten haben.

AW: Impfen in der Apotheke Ja, Impfen durch

von Michael Reinhold am 08.05.2022 um 20:48 Uhr

Frau Schneider, wo bin ich Ihnen denn da auf den Schlips getreten? Ich würde mich wirklich freuen, wenn Sie mir das kurz sachlich schreiben würden.

Weil ich selbst bin absolut dafür, dass auch eine PTA impfen darf. Nur muss ich mich halt als verantwortlicher anwesender Apotheker dann ebenfalls mit der Materie auskennen.

Gerade wenn es um die Anamnese und um die Beurteilung der Impffähigkeit geht, muss mich eine PTA jederzeit im Zweifel um Rat fragen oder mich dazuholen können. Das gilt auch so im Fall einer Komplikation, beispielsweise im Fall einer vasovagalen Synkope (Patient kippt ob der Aufregung um) oder eines anaphylaktischen Schocks.

Wenn man dann als verantwortlicher Apotheker völlig planlos daneben steht, weil man keine Ahnung hat, weil man selbst noch nie geimpft hat, halte ich das für einen Fehler.

Mir geht es doch echt nur drum: In vielen kleinen Apotheken gibt es beispielsweise "Springer", die einspringen, wenn Not am Mann ist (beispielsweise eine Apothekerin im Ruhestand, die ein paar Stunden noch einspringt, weil ihr der Job Spaß macht). Vielleicht ist es dann eine ganz gute Idee, genau zu dieser Zeit die Dienstleistung dann halt nicht anzubieten.

AW: fundierte Aussage

von Stefan Haydn am 09.05.2022 um 8:34 Uhr

@Sabine Schneider

Ich verstehe ihr Problem nicht. Kollege Reinhold macht doch eine fundierte, gut begründete Aussage.
Ich kann diese zu 100% unterstützen.

AW: Impfen in der Apotheke Ja, Impfen durch

von Anita Peter am 09.05.2022 um 8:35 Uhr

Sabine Schneider = Conny = Frank Ebert

AW: Impfen in der Apotheke Ja, Impfen durch

von Sabine Schneider am 09.05.2022 um 12:57 Uhr

@Frau Peter : wie kommen Sie darauf ? Ps : Herr Jauch hat noch ein paar Jahre zeit um seinen Fehler einzugestehen. Kam bei Herrn Krug auch erst viel später.

AW: Impfen in der Apotheke Ja, Impfen durch

von Andreas Grünebaum am 09.05.2022 um 13:08 Uhr

@Michael Reinhold
wenn ich von Hilfskräften schrieb, meine ich damit weder Apotheker, PTA, noch PKA, sondern z.B. Krankenpfleger oder sonstige geeignete Paramedizinische Berufe, welche sich in ihrer Freischicht oder am Wochenende mit einem Minijob etwas dazu verdienen möchten. Das hat bei den Tests gut geklappt und würde auch beim Impfen klappen.
Für die Bewältigung der von Ihnen erwähnten seltenen Ereignisse benötigt man jedoch keine jahrelange Berufserfahrung als "Impfapotheker", sondern eine gute Ausbildung im Rahmen eines Erste Hilfe Lehrganges.
Probleme sehe ich eher bei der nicht vorhandenen Infrastruktur in der Apotheke: es fehlt an Sitzplätzen im Wartebereich und Kabinen für die Impfung. In der Konstellation "Apotheker impft" in Verbindung mit einem Beratungsrau, kann man bestenfalls defizitär impfen, aber keinen zusätzlichen positiven Deckungsbeitrag zum Betriebsergebnis erzielen.

Denkfehler

von Reinhard Rodiger am 08.05.2022 um 14:02 Uhr

Ohne Bestandsaufnahme gibt es keine Erkenntnis zu den entwicklungsbestimmenden Denkfehlern.

1) Niedrigfrequente Dienstleistungen sind mit Hochfrequenten
nicht gleichzusetzen.Wegen unterschiedlicher Kosten und
Personalerfordernissen.
2) Finanzierung von Dienstleistungen nur auf wenige Hoch-
frequenzbetriebe zu begrenzen, erfüllt nicht die Forderung
nach guter Versorgung für Alle.Der systemische Aus-
Schluss von 50% der Dienstleister gefährdet dieq Versorgung
3) Die Konzentration auf nicht wirklich auch politisch gewollte
Dienstleistungen bringt keinen Qualitätszuwachs und
erhöht die Lebensfähigkeit nicht. Zudem
gefährdet sie die Basisaufgaben.

Das Fazit ist einfach: Flächendeckung ist nur durch Berücksichtigung von Frequenzunterschieden und Vorhaltekosten zu erreichen.Anerkennung der Basisaufgaben und Definition von deren Reichweite ist Unabdingbare Voraussetzung zusätzlicher Dienstleistungen.Was nicht überzeugend darstellbar ist, ist kein Ersatz für Basisfunktionen.
Hierzu fehlt die Debatte.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Einfach mal in einfachen Sätzen ausdrücken!

von Andreas Grünebaum am 09.05.2022 um 19:31 Uhr

Selbst unser "Kriegskanzler Scholz" hat es gelernt: einfach mal in einfachen Worten und einfachen Sätze Ausdrücken, was man denkt!

Bestandsaufnahme vor Einführung der Dienstleistungen

von Ulrich Ströh am 08.05.2022 um 9:52 Uhr

Bevor man aufbricht, ist eine Bestandsaufnahme immer zweckmäßig.

Bei uns sind die pharmazeutischen Dienstleistungen stark emotional besetzt.

Hat man schon geprüft,ob genügend Mitarbeiter und genügend Zeitreserven in unseren Apotheken vorhanden sind?
Die aktuellen Stellenanzeigen sprechen ihre eigene Sprache.

Und wird die Wirwe Bolte laut Hurra rufen, wenn diese Dienstleistungen angeboten werden…?

Bei aller Begeisterung in den entsprechenden Gremien der Apothekerkammern für diese Zukunftsleistung:

50 Prozent der Offizinapotheken werden nicht
mitmachen …können !

Wird jeder für sich selbst entscheiden müssen.

Ich sehe hier viele Parallelen zum gescheiterten Hausapothekenmodell.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Vorfreude

von Sabine Schneider am 08.05.2022 um 8:33 Uhr

Nach einer Umfrage der BAH würde 56 Prozent ihr e-Rezept bei einer Vor-Ort-Apotheke einlösen und 42 Prozent bei einem Versender. Natürlich kommt da Vorfreude auf.

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.

von Anita Peter am 08.05.2022 um 8:07 Uhr

Es wird Zeit für die Abschaffung des Kassenabschlags für deutsche Vor Ort Apotheken.
Alle "Apotheken" in Fremdbesitz müssen 5 Euro Kassenabschlag bezahlen. Gerade für diese "Apotheken" in Fremdbesitz kein Problem, da sie sowieso gerne mit Boni um sich werfen, quasi zuviel verdienen. Ebenso hat der EUGH 2016 festgestellt, dass die Versender nicht bzw. schlecht beraten. Als ein höchstrichterliches Urteil, dass belegt, dass Versender gar keinen Anspruch auf das volle Honorar haben.
Der Kassenabschlag wiederum fliesst in einen Strukturfonds, der zu gleichen Teilen an alle Vor Ort Apotheken ausgeschüttet wird.
Die Kassen finanzieren das locker durch die Absenkung der MWSt auf Arzneimittel.
Bei der Biersteuer ist übrigens eine Unterscheidung zwischen groß ( Konzenn ) und klein ( Familienbetrieb ) auch möglich.




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