EMA-Empfehlungen zum heterologen Impfen

Ob Booster oder Grundimmunisierung – COVID-19-Impfstoffe sind frei kombinierbar

Stuttgart - 10.12.2021, 12:15 Uhr

Besser schnell heterolog boostern oder auf den Wunsch-Impfstoff warten? (c / Foto: IMAGO / Seeliger)

Besser schnell heterolog boostern oder auf den Wunsch-Impfstoff warten? (c / Foto: IMAGO / Seeliger)


Erst Vektor- dann mRNA-Impfstoff – die beste Reihenfolge laut EMA

Doch was bedeuten solche Erkenntnisgewinne aus einzelnen Studien nun für die Impfkampagnen in der Praxis? Vergangenen Dienstag haben sich die europäische Arzneimittelbehörde EMA und die ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) gemeinsam mit Empfehlungen hinsichtlich heterologer Impfschemata gegen COVID-19 an die Öffentlichkeit gewandt. Im Großen und Ganzen können auch danach Impfstoffe sowohl bei der Grundimmunisierung als auch bei der Auffrischimpfung frei kombiniert werden.

Aus der bisherigen Datenlage geht laut EMA hervor, dass die Kombination der zugelassenen Vektorimpfstoffe mit mRNA-Impfstoffen gute Antikörperspiegel und eine stärkere T-Zell-Antwort als homologe Impfungen erzeuge und im Allgemeinen gut vertragen werde. Was die Reihenfolge angeht, gilt die Verwendung eines Vektorimpfstoffs als zweite Dosis zur Grundimmunisierung oder die Verwendung von zwei verschiedenen mRNA-Impfstoffen jedoch als weniger gut untersucht. Die Sicherheitsdaten nach solchen heterologen mRNA-Impfungen werden derzeit untersucht, um festzustellen, ob ein erhöhtes Risiko für Myokarditis besteht, heißt es. Ein Vektorimpfstoff nach mRNA-Impfung soll nur in Betracht gezogen werden, wenn es ein Problem mit der Verfügbarkeit von mRNA-Impfstoffen gibt. Die bisherigen begrenzten Daten deuten an, dass eine solche Reihenfolge aus immunologischer Sicht weniger vorteilhaft ist, erklärt die EMA.

Fachinformationen sollen Hinweise zur heterologen Impfung aufnehmen

Offensichtlich ist der Erkenntnisgewinn noch nicht abgeschlossen. Die EMA rät währenddessen aber vor allem deshalb zu heterologen Impfschemata, um in der Durchimpfung der Bevölkerung die größtmögliche Flexibilität zu bieten, sollte ein Impfstoff nicht verfügbar sein. Es sollen in den nationalen Impfkampagnen so viele Menschen so schnell wie möglich geschützt werden. Die EMA fordert die Zulassungsinhaber in diesem Zusammenhang auf, ihre Produktinformationen um Hinweise hinsichtlich heterologer Impfungen zu ergänzen. Auch wenn die EMA sich bislang nur mit den in der EU zugelassenen Impfstoffen in diesem Zusammenhang auseinandergesetzt hat, sollen auch zukünftig zugelassene Impfstoffe hinsichtlich heterologer Kombinationen beurteilt werden. 

Die Literatur, auf die sich die Empfehlung der EMA und ECDC stützt, soll in naher Zukunft veröffentlicht werden.

Dritte Dosis: Mindestens 3 Monate Abstand zur zweiten Impfung

Wie die EMA außerdem erklärt, sollte eine Auffrischimpfung vorzugsweise sechs Monate nach der Grundimmunisierung erfolgen, es sei aber auch ein Abstand von drei Monaten möglich. Dieser Hinweis könnte angesichts der neuen Omikron-Variante von Interesse sein. Denn wie Biontech am vergangenen Mittwoch mitteilte, ist eine dritte Biontech-Dosis nach ersten vorläufigen Daten für den Schutz vor der Omikron-Variante notwendig. Warum eine dritte Dosis die Antikörperspiegel gegen Omikron ausreichend zu erhöhen scheint, eine zweite Dosis jedoch nicht, wisse man noch nicht, wie Biontech-Chef Ugur Sahin auf Nachfrage der DAZ bei einer Online-Pressekonferenz erklärte. Ein möglicher Grund wäre die sogenannte Affinitätsreifung der Antikörper. 

Es scheint so, als müsse man bei Biontech in Zukunft nicht von einer dritten Dosis als Auffrischimpfung, sondern eher als Abschluss der Grundimmunisierung sprechen. 

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Auch zwei israelische Studien, die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurden, und über welche die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag berichtete, zeigen, dass mit einer Auffrischimpfung das Risiko, an Corona zu sterben, deutlich niedriger ist als ohne Booster. Sollte dennoch ein neuer Impfstoff gegen die Omikron-Variante notwendig werden, wäre Biontech nach eigenen Angaben in der Lage, diesen ab März 2022 kommerziell herzustellen.

Der Impfrat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt währenddessen weiterhin keine allgemeine Corona-Auffrischimpfung, berichtet die dpa. Es gehe um faire Impfstoffverteilung, sagte der Vorsitzende des unabhängigen Beirats für Immunisierungsfragen (SAGE), Alejandro Cravioto, am Donnerstag in Genf. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sei die Lage anders, für sie hat der Rat schon zuvor eine dritte Impfdosis empfohlen.

Grundsätzlich mahnt die EMA, weiterhin alle anderen Maßnahmen wie Abstand halten, Lüften, Hygiene und Masken tragen anzuwenden – und: Impflücken in der erwachsenen Bevölkerung müssten dringend geschlossen werden. 



Diana Moll, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (dm)
redaktion@daz.online


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