Doch nicht der 1. Oktober

E-Rezept-Start verschiebt sich schon wieder

Stuttgart - 30.09.2021, 10:45 Uhr

Ab dem morgigen Freitag sollte das E-Rezept bundesweit auf freiwilliger Basis nutzbar sein. Dieser Termin verschiebt sich nun: Vor Ende November wird es nichts mit den elektronischen Verordnungen außerhalb der Fokusregion Berlin-Brandenburg. (s / Foto: IMAGO / Jochen Tack)

Ab dem morgigen Freitag sollte das E-Rezept bundesweit auf freiwilliger Basis nutzbar sein. Dieser Termin verschiebt sich nun: Vor Ende November wird es nichts mit den elektronischen Verordnungen außerhalb der Fokusregion Berlin-Brandenburg. (s / Foto: IMAGO / Jochen Tack)


Ab morgen sollte es eigentlich freiwillig und bundesweit losgehen. Doch der Roll-out des E-Rezepts verzögert sich schon wieder. Der Grund dafür sei, dass viele Arztpraxen noch gar nicht die technische Möglichkeit hätten, E-Rezepte auszustellen, so die Gematik. Es mangele an zertifizierten Updates. Damit wird die freiwillige bundesweite Einführung ein weiteres Mal verschoben: Ursprünglich sollte es am 1. Juli 2021 losgehen, dann wurde der 1. Oktober in Aussicht gestellt. Weiterhin festgehalten wird allerdings an der Einführungspflicht am 1. Januar 2022.

Die E-Rezept-Testphase in der Fokusregion Berlin-Brandenburg wird verlängert. Die seit Juli 2021 laufenden, ursprünglich auf drei Monate angelegten Tests in einigen Arztpraxen und Apotheken in der Metropolregion laufe nun bis Ende November. Dieser Beschluss wurde auf der gestrigen Gesellschafterversammlung der Gematik gefasst. Damit wird die freiwillige bundesweite Einführung, die am 1. Oktober starten sollte, vorerst auf Eis gelegt: Bundesweit stehen die digitalen Verordnungen also noch nicht bereit.

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Nach wie vor wird aber an der verpflichtenden Einführung der E-Rezepte im Januar 2022 festgehalten – ab dann soll es für gesetzlich Versicherte keine rosa Muster-16-Rezepte mehr geben, sondern E-Rezept-Schlüssel in digitaler Form oder ausgedruckt auf Papier. Die Apotheken im Land hätten somit lediglich im Dezember Zeit, sich mit dem E-Rezept und den neuen Abläufen vertraut zu machen.

Als Grund für die Planänderung gibt die Gematik an, dass viele Arztpraxen gar nicht die technische Möglichkeit haben, E-Rezepte auszustellen: So mangele es an zertifizierten Updates für ihre Praxisverwaltungssysteme. Bisher haben viele Versicherte außerdem noch nicht die neueste Generation der elektronischen Gesundheitskarte mit NFC-Schnittstelle und dazugehöriger PIN. Karte und PIN der jeweiligen Krankenkasse sind jedoch Voraussetzungen, um die E-Rezept-App der Gematik in vollem Umfang nutzen zu können, also E-Rezepte in der App zu empfangen und zu verwalten. Außerdem verhielten sich viele Krankenkassen beim E-Rezept der Gematik noch sehr zurückhaltend. So sei eine flächendeckende Einführung wenig aussichtsreich. Bei den Verantwortlichen zeigt man sicher aber optimistisch: In den kommenden Monaten soll sich die Situation verbessern. Zum jetzigen Quartalsbeginn rechnet man mit einem deutlichen Anstieg der Zahl angepasster Praxisverwaltungssysteme. Außerdem liegen dem Bundesgesundheitsministerium seit wenigen Tagen Zusagen weiterer großer Krankenkassen vor, die sich nun ebenfalls aktiv an der Testphase beteiligen werden.

Keine Überraschung für die Branche

Die Entwicklungen überraschen nur wenig: Hinter vorgehaltener Hand hatten sich in den letzten Wochen immer mehr Vertreterinnen und Vertreter der Ärzte- und Apothekerschaft, der Softwareanbieter sowie der Rechenzentren skeptisch geäußert. Die Einführung des E-Rezepts – ursprünglich für Juli 2021 geplant – war vor allem politisch motiviert, während es bei den technischen Prozessen nach wie vor viele offene Fragen und Baustellen gibt. 

Beteiligte der Testdurchläufe in der Fokusregion sprechen davon, dass bisher vor allem „Dummy-Rezepte“ ausgestellt wurden. Außerdem würden zahlreiche Praxissysteme noch gar nicht richtig E-Rezept-tauglich sein, auch wenn sie von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eine entsprechende Zertifizierung aufweisen. Dieses Problem ist auch der Gematik bekannt. In ihrer heute veröffentlichten Mitteilung spricht sie davon, dass Anpassungsbedarfe identifiziert wurden und dass man mit kontinuierlichen Testsessions – sogenannten „Konnekthatons“ – Softwareanbietern, die weit in der Entwicklung vorangeschritten sind, zusätzlichen Service und Unterstützung anbietet.


Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

"zertifizierte Updates"

von Ralf Schabik am 01.10.2021 um 8:30 Uhr

Wenn ich schon lese "zertifizierte Updates", dann bin ich restlos bedient. Was ist ein "zertifiziertes Update" ? Eine inhaltsleere Worthülse dafür, dass Programmierer die falschen Aufträge bekommen haben und/oder zu blöd waren, die Aufträge umzusetzen. KEINE Zertifizierung der Welt schafft "Qualität". "Qualität" beginnt viel früher. Deutschland schafft sich ab. Deutschland kann keine Hardware - wegen Chipmangel crashen ganze Industriezweige. Deutschland kann aber auch nicht "Software". Was bitte kann Deutschland überhaupt noch ?

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