Corona-Impfungen einfach erklärt

„Die Säbelzahnkatze ist das unsichtbare Virus“

Stuttgart - 18.03.2021, 09:15 Uhr


„Vielen fällt es schwer, Inhalte auf den Punkt zu bringen.“

DAZ.online: Haben wir als Apothekerinnen und Apotheker eigentlich eine reelle Chance, dagegen anzukämpfen? 

Gitter: Ich glaube nicht, dass wir eine reelle Chance haben, wenn Menschen in diesem Gedankenkonstrukt bereits gefangen sind. Mit ausgesprochenen Corona-Leugnern diskutiere ich selbst schon eine ganze Weile nicht mehr. Man stößt da auf Argumente, auf die man oft gar nichts entgegnen kann, weil man einfach zu perplex ist. Zu Beginn der Pandemie habe ich in solchen Gesprächen oft noch, wie Mai Thi Nguyen-Kim das so treffend formuliert, nach der „kleinsten gemeinsamen Wirklichkeit“ in Form von Fakten gesucht und darauf gehofft, dass das vielleicht doch auf fruchtbaren Boden trifft. Das mache ich inzwischen nicht mehr. Die aktuelle Situation um den AstraZeneca-Impfstoff könnte man nun positiv sehen und als Anlass nehmen, den Impfgegnern zu sagen: „Schaut her, wir gehen jedem noch so kleinen Verdachtsfall nach, nimmt euch das nicht eure Bedenken?“ Ich befürchte jedoch, dass am Ende ein „Die Impfungen sind gefährlich und tödlich, wir haben es doch gleich gesagt.“ als Antwort kommen wird. Aber da sind ja auch noch die Menschen, die einfach verunsichert sind und nach echten Fakten suchen. Die können wir durchaus erreichen.

Woran scheitert die Kommunikation zwischen Fachpersonal und Laien denn häufig?

Vielen – ich nehme mich da nicht aus – fällt es schwer, Inhalte auf den Punkt zu bringen. Gerade, wenn man sich im Thema sehr gut auskennt. Für Fachpersonal ist es manchmal schwierig, sich in die Rolle dessen hineinzuversetzen, der nicht den gleichen Kenntnisstand hat. Das vereinfacht die Kommunikation nicht unbedingt.

Welche Verbesserungsmöglichkeiten sind denkbar, gerade in den öffentlichen Apotheken?

Mir hilft es enorm, ab und zu die Perspektive zu wechseln und zu überlegen, welche Information für den Menschen, der gerade vor mir steht, in diesem Moment wirklich wichtig ist und ihm auch einen Nutzen bietet. Außerdem versuche ich, ganz kurz, zum „Wie“ das „Warum“ zu liefern. Wenn ich zum Beispiel sage, dass das Schilddrüsenhormon nüchtern eingenommen werden muss („Wie?“), erkläre ich noch kurz, dass bestimmte Nahrungsbestandteile, etwa die Milch im Kaffee, mit dem Arzneistoff sehr enge Verbindungen eingehen, die dann schlicht zu groß sind, um durch die Darmschleimhaut ins Blut zu gelangen. Die Wirkung verschlechtert sich oder bleibt aus („Warum?“). Nicht immer funktioniert das in einem Satz, aber meistens reicht wirklich eine kurze Erklärung aus. Solche kurzen Formulierungen lassen sich übrigens wunderbar gemeinsam mit dem Apothekenteam erarbeiten!



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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