Telematikinfrastruktur

Herausforderung Rezeptabrechnung

Stuttgart - 25.01.2021, 10:45 Uhr

Wie gelangen die Rezeptdaten künftig in die Rechenzentren? (Foto: Schelbert)

Wie gelangen die Rezeptdaten künftig in die Rechenzentren? (Foto: Schelbert)


Abrechnung – kein Thema für die Gematik

„Da die Gematik in § 300 nicht genannt ist und die Regelungen nicht festlegt, können wir über die genauen Inhalte zur Abrechnung keine Auskunft erteilen“, so eine Sprecherin auf Anfrage von DAZ.online. Und weiter: „Die Festlegung der Dispensier-/Abrechnungsdaten sowie die prozessuale Darstellung der Abrechnung zwischen Warenwirtschaftssystem und Abrechnungszentrum erfolgt außerhalb der Telematikinfrastruktur.“ Man stehe aber zur Verfügung und würde Informationen zum E-Rezept bereitstellen, damit die Apotheker und Krankenkassen die Regelungen festlegen können.

VDARZ und NGDA bieten Unterstützung an

Die Rezeptabrechnung gehört also nicht zum Aufgabenbereich der Gematik und soll kein Bestandteil der TI sein, dennoch muss sie sicher und zuverlässig zwischen den Leistungserbringern und Kostenträgern funktionieren. Aus Kreisen des DAV erfährt man, dass Gespräche darüber mit Vertretern der Krankenkassen aktuell laufen. Neben der Gematik ist es auch der Interessenverband der Apothekenrechenzentren (VDARZ), der seine Unterstützung anbietet. Nach Informationen von DAZ.online stellt es offenbar eine größere Herausforderung dar, die modernen Daten der E-Rezepte in die eher betagte EDV der Krankenkassen einzuspeisen. „Hier trifft die neue auf die alte Welt“, bringt es ein Vertreter der Apothekenrechenzentren auf den Punkt.

Man müsse erst einmal einen Standard schaffen, damit die Verordnungsdaten zwischen den Apotheken und Krankenkassen übertragen werden könnten. Dieser solle am Ende den gleichen technischen Sicherheitsanforderungen entsprechen, wie jene innerhalb der TI. Ungeklärt seien jedoch Fragen hinsichtlich der Versicherung der Rezeptdaten. Die bisherigen Regelungen im Sozialrecht würden noch vom Papierrezept ausgehen und seien zum Teil 60 Jahre alt. „Es kann nicht sein, dass die Apotheken für die Übertragung der E-Rezept-Daten letztlich höhere Gebühren zahlen müssen als für die Übersendung der Papierrezepte“, so der Vertreter der Rechenzentren. Auch einer weiteren Bürokratisierung wolle man entgegenwirken. So steht auch die Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA) bereit, um technischen Support zu leisten. Denkbar wäre, für die Authentifizierung auf die bereits bestehenden N-Ident-Zertifikate zurückzugreifen.

Apotheken ökonomisch absichern und stärken

Branchenkenner empfehlen, den bevorstehenden Systemwechsel im Abrechnungswesen vor allem dafür zu nutzen, die Apotheken ökonomisch abzusichern und zu stärken. Dazu gehöre, dass die Krankenkassen unmittelbar dann zahlen sollten, wenn ihre Versicherten die Leistung, also im Fall der Apotheken die Arzneimittel, empfangen haben. So müssten die Apotheken nicht wochenlang auf Zahlungen warten, bestehende Kreditrahmen könnten verkleinert werden und die Insolvenz eines Rechenzentrums hätte keine so drastischen Auswirkungen wie jüngst im Fall AvP.



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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