Herzrhythmusstörungen

Brasilianische Studie stoppt Hochdosis-Gabe von Chloroquin

Remagen - 16.04.2020, 14:00 Uhr

In Brasilien wurde eine Studie an COVID-19-Patienten mit Chloroquin gestoppt, weil einige von ihnen gefährliche Herzrhythmusstörungen bekamen. (Foto: imago images / Panthermedia)

In Brasilien wurde eine Studie an COVID-19-Patienten mit Chloroquin gestoppt, weil einige von ihnen gefährliche Herzrhythmusstörungen bekamen. (Foto: imago images / Panthermedia)


BfArM weist ebenfalls auf das Risiko hin

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat auf seiner Webseite Hinweise zu individuellen Heilversuchen mit Hydroxychloroquin bei stationär behandelten Patienten mit COVID-19 veröffentlicht. Die Behörde betont, dass derzeit keine Belege zur Wirksamkeit und Sicherheit von Hydroxychloroquin für die Behandlung von COVID-19 aus prospektiven randomisierten kontrollierten klinischen Prüfungen vorliegen. Die gegenwärtig verfügbaren Daten basierten im Wesentlichen auf In-vitro-Untersuchungen und Fall-Kontroll-Studien. Der Wissensstand sei noch sehr limitiert und im stetigen Wandel.

Nach den aktuell verfügbaren Publikationen würden hierfür zumeist Tagesdosen von 400 bis 600 mg Hydroxychloroquin eingesetzt (tgl. Erhaltungsdosis). Zur schnelleren Sättigung sähen einige Behandlungsprotokolle die Gabe von zweimal 400 mg an Tag 1 vor. Die Behandlungsdauer bei COVID-19 werde unterschiedlich berichtet und betrage zwischen fünf und zehn Tagen.

Nicht zusammen mit Azithromycin

Das BfArM mahnt zur Vorsicht bei Anwendung von Hydroxychloroquin bei Patienten mit Verlängerung des QT-Intervalls und mit bekannten Risikofaktoren dafür, wie Herzerkrankungen, Bradykardie oder ventrikuläre Arrhythmien in der Vorgeschichte. Als weiterer Risikofaktor wird die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, angeführt (z.B. bestimmte Antiarrhythmika, trizyklische Antidepressiva, Antipsychotika, bestimmte antimikrobielle Wirkstoffe). Die gleichzeitige Gabe mit Azithromycin bei COVID-19 sei zwar in der Literatur beschrieben, die Wirksamkeit der Kombination aber bislang nicht belegt. Da beide Arzneimittel zur Verlängerung des QT-Intervalls führen können, rät das BfArM von der gemeinsamen Anwendung ab.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Dosis

von Wilhelm Herdering, Dr am 17.04.2020 um 12:33 Uhr

Eine Tablette Resochin enthält 250 mg des Chloroquin Diphosphats.
An reiner Chloroquin Base sind darin rd 150 mg enthalten.
Die Angabe 2x 600 mg deutet darauf hin, dass täglich 8 Tabletten a 250 mg Chloroquin Diphosphat gegeben wurden.
Wenn diese Menge in einer Situation einer schweren Lungenentzündung in Kombination mit einem Medikament wie dem Azithromycin gegeben wird, dann ist das wohl definitiv zu viel.
Nicht der gesamte Versuch wurde gestoppt sondern nur der Arm mit der höheren Dosierung.
In Hamburg bei Frau Prof. Addo am UKE wird nicht Chloroquin sondern Hydroxchloroquin (HC) verwendet. Wenn die dortige Dosierung wie bei einem in den USA laufenden Versuch mit HC erfolgt, dann verwendet man eine Gesamtdosis an fünf Tagen, die gegen eine akute Malaria Erkrankung an vier Tagen gegeben wird.
Man darf auf das Ergebnis gespannt sein.
Letzte Woche äußerte sich Frau Prof. Addo als zufrieden mit dem Versuchen, in denen auch Remdesivir getestet wird.
Ich warte noch auf einen Versuch, der sich zum Ziel setzt, die Covid Lungenentzündung zu verhindern, statt sie zu behandeln zu müssen.

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AW: Dosirung von Chloroquin Diphosphat bzw. reiner Chloroquin Base

von Dr. Wilhelm Herdering am 18.04.2020 um 9:19 Uhr

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7102614/

Im Betrag zu obigem Zitat wird etwas zur Empfehlung aus China bezüglich der Dosierung von Chloroquin Diphosphat bei der Covid-19 Lungenentzündung gesagt:
Zweimal 500 mg pro Tag, maximal 10 Tage.
(damit pro Tag 2 x2 Tabletten a 250 mg Chloroquin Diphosphat gleich 2 x 300 mg an reiner Base).
Mit der Empfehlung aus China von 2 x 500 mg kann nur Chloroquin Diphosphat gemeint sein.
Denn eine Tablette Resochin enthält davon genau 250 mg, enspricht je Tablette rd. 150 mg an reiner Base.

Wenn man in Manaus zweimal 600 mg pro Tag gegeben hat, hat man insgesamt 1.2 g reine Chloroquinbase pro Tag gegeben, also 8 Tabletten je 150 mg reiner Base im Behandlungsarm mit der höheren Dosierung, also 8 Tabletten je 250 mg Chloroquin Diphosphat.
Selbst im Arm mit der niedrigeren Dosierung mit 450 mg reiner Base, 3 Tabletten je 150 mg zweimal am Tag, hat man 50 % mehr an reinem Chloroquin verabreicht als in China empfohlen.


Genau

von Reinhard rodiger am 16.04.2020 um 18:44 Uhr

Für die Studie mit den Dosisproblemen wurde Chloroquin- diphoshat genommen , nicht Hydroxychloroquin.Auch die Formel zeigt nicht das Phosphat.Es geht schon genug Unklarheiten.Also bitte ändern.

Interessant wär, ob in den genannten Studien auch unter EKG-Überwachung gearbeitet wurde.Wie in der Untersuchung von Raoult et alt.

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