Arzneimittel und Therapie

Pembrolizumab lässt bei dreifach negativem Brustkrebs hoffen

Subgruppe profitiert von Zusatz des Immuntherapeutikums

Frauen mit einem triple-negativen Mammakarzinom und hoher PD-L1-Expression profitieren von einer Kombination aus Chemotherapie und Pembrolizumab-basierter Immuntherapie. Im Vergleich mit einer alleinigen Chemotherapie schlägt sich dies in einem deutlich verlängerten Gesamtüberleben nieder.

Das triple-negative Mammakarzinom ist ein aggressiver Subtyp, der weder auf antihormonelle noch auf anti-HER2-Therapien anspricht. Im Vergleich mit anderen Subtypen ist es aufgrund seiner ungünstigen Tumorbiologie mit einer schlechten Prognose assoziiert. Zur Therapie werden klassische Zytostatika eingesetzt, bei Vor­liegen von Keimbahnmutationen der BRCA-Gene bevorzugt Platinderivate. In den vergangenen Jahren gab es kaum Fortschritte in der Therapie des triple-negativen Mammakarzinoms. Als neue Arzneimittel wurden nur die PARP-Inhibitoren Olaparib und Talazoparib bei Patientinnen zugelassen, bei denen eine BRCA1/2-Mutation nachgewiesen wurde. Mit dem Aufkommen von Immuncheckpoint-Inhibitoren hat sich das Behandlungsspektrum nochmals erweitert. So zeigte Pembrolizumab als Monotherapie eine Antitumoraktivität bei Vorliegen eines triple-negativen Mammakarzinoms mit PD-L1-Expression. In der Keynote-355-Studie wurde nun untersucht, ob der Zusatz von Pembrolizumab zu einer Chemotherapie die Antitumor­aktivität verstärken kann. Die Daten einer Interimsanalyse wiesen in diese Richtung. Nun liegen die Ergebnisse der finalen Analyse vor, in der das Gesamtüberleben ermittelt wurde.

Bestimmung des PD-L1-Status

Die PD-L1-Immunhistochemie ist ein obligatorischer prädiktiver Biomarker für bestimmte immunonkologische Behandlungskonzepte. Abhängig vom Wirkstoff, der Tumorentität und der Therapielinie ist ein positiver PD-L1-Status für den Einsatz vieler Immunonkologika erforderlich. Der Grad der PD-L1(programmed cell death-ligand 1)-Expression wird mithilfe des combined positive Score (CPS) ermittelt. CPS bezieht sich auf die Anzahl der Tumorzellen, Lymphozyten und Makrophagen, die PD-L1 exprimieren, geteilt durch die Gesamtzahl der lebensfähigen Tumorzellen, multipliziert mit 100.

PD-L1-Expression entscheidend

An der internationalen, multizentrischen, placebokontrollierten Phase-III-Studie nahmen 847 Frauen mit dreifach-negativem Mammakarzinom in einem fortgeschrittenen Stadium teil. 566 von ihnen erhielten Pembrolizumab plus eine Chemotherapie nach Wahl des behandelnden Arztes, 281 eine Chemotherapie plus Placebo. Der primäre Studienendpunkt war das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben. Die Patientinnen wurden in eine Sub-Gruppe mit einer hohen PD-L1-Expression CPS > 10 (CPS-10-Sub-Gruppe) und in eine Subgruppe bei einer geringeren PD-L1-Expression CPS > 1 (CPS-1-Sub-Gruppe) unterteilt. Das mediane Follow-up lag bei 44,1 Monaten.

Betrachtet man die Gesamtpopulation (Intention-to-treat-Population), so zeigte der Vergleich zwischen der Pembrolizumab-Chemotherapie-Gruppe versus Chemotherapie-Placebo-Gruppe beim Gesamtüberleben keinen großen Unterschied (17,2 Monate vs. 15,5 Monate; Hazard ratio [HR] 0,89; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,76 bis 1,05; Signifikanz nicht ermittelt). Ein signifikanter Unterschied zeigte sich bei der Berücksichtigung der PD-L1-Expression. War diese hoch (CPS > 10), so lag das Gesamtüberleben in der Chemo­therapie-Pembrolizumab-Gruppe bei 23 Monaten im Vergleich zu 16,1 Monaten in der Chemotherapie-Placebo-Gruppe; das entsprach einer Verlängerung um 27% (HR 0,73; 95%-KI 0,55 bis 0,95; beidseitiger p-Wert 0,0185). Bei einer weniger stark ausgeprägten PD-L1-Expression (CPS > 1) lag die Gesamtüberlebenszeit bei 17,6 Monaten versus 16,0 Monaten (HR 0,89; 95%-KI 0,76 bis 1,05).

Betrachtet man die unerwünschten Ereignisse, so traten diese bei 68,1% in der Pembrolizumab-Chemotherapie-Gruppe und bei 66,9% in der Placebo-Chemotherapie-Gruppe auf. In der Pembrolizumab-Chemotherapie-Gruppe verstarben 0,4% der Frauen, in der Chemotherapie-Placebo-Gruppe traten keine Todesfälle auf.

Parallelen zu Trastuzumab?

In einem Editorial wird das Ergebnis dieser Studie, vornehmlich die Verlängerung des Gesamtüberlebens bei Vorliegen einer PD-L1-Expression, besonders hervorgehoben. Den Autor erinnert dieses Ergebnis an die Situation vor rund 20 Jahren, als mithilfe von Trastuzumab ein großer Therapiefortschritt bei HER2-positiven Mammakarzinomen erzielt wurde. Da rund 40% aller triple-negativen Karzinome PD-L1 exprimieren, steht für diese Gruppe mit der Kombination aus Chemo- und Immuntherapie eine neue, effektive Behandlungsoption zur Verfügung. |
 

Literatur

Cortes J, et al. KEYNOTE-355 Investigators. Pembrolizumab plus Chemotherapy in Advanced Triple-Negative Breast Cancer. N Engl J Med 2022;387(3):217-226, doi: 10.1056/NEJMoa2202809

Pivot X. Pembrolizumab in the Treatment of Breast Cancer. N Engl J Med 2022;387(3):273-274

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

Das könnte Sie auch interessieren

Indikation in den USA eingeschränkt

Diskussion um Atezolizumab bei Blasenkrebs

Vielfältige Auswirkungen der onkologischen Therapie beachten

Jung und Brustkrebs

Pembrolizumab stimuliert Immunantwort beim fortgeschrittenen malignen Melanom

Tumorspezifische T-Zellen reaktivieren

Erfolge durch Verstärkung der körpereigenen Antitumor-Immunantwort

Checkpoint-Inhibitoren in der Tumortherapie

Rückschlag für Pfizer und Merck

Hoffnungsträger Avelumab erreicht Endpunkt nicht

PARP-Inhibitor verlängert progressionsfreies Überleben bei BRCA-Mutation

Erfolge mit Olaparib auch bei Brustkrebs

Durvalumab, Osimertinib und Tremelimumab sollen Therapie des NSCLC verbessern

Zielgerichtet gegen Lungenkarzinom

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.