Cannabis-Legalisierung

Cannabis-Verkauf in Apotheken, oder eher nicht?

Pro

„Die Herausforderungen selbstbewusst annehmen und das Feld nicht anderen überlassen.“

Dr. Dominik Bauer, Apotheker, Zertifikat Palliativpharmazie, Bauer Apotheken OHG, Marien Apotheken Marktredwitz

Dass eine Legalisierung von Cannabis als Genussmittel eine gesamtgesellschaftspolitische Herausforderungen mit sich bringt, ist unstrittig und erfordert ein berufsübergreifendes Denken und Handeln. Dennoch wird in den kommenden Monaten die Liberalisierung in Deutschland unaufhaltsam vorangetrieben werden – eben weil es politisch gewollt ist! Mir geht es bei diesen – oftmals hitzig geführten – Diskussionen nicht darum, mögliche Vorteile einer Legalisierung aufzuzeigen, sondern eindringlich vor den Folgen zu warnen, die sich bei einer Cannabis-Abgabe außerhalb der Apotheken ergeben würden.

Apothekerinnen und Apotheker beraten bereits routinemäßig bei der Abgabe von medizinischem Cannabis zu möglichen Risiken. Dies geschieht im besten Interesse der Patientensicherheit. Auch zukünftig werden Cannabis-Konsumenten in der Rolle des Patienten von uns eine unabhängige Be­ratungsleistung einfordern. Natürlich gibt es Unterschiede in der Abgabe von medizinischem Cannabis und Cannabis zum Freizeitkonsum. Sollten wir uns also bei nicht medizinischem Cannabis auf eine reine Beratungsleistung fokussieren, ohne direkt Einfluss auf die Abgabe nehmen zu können? Das wäre ein stumpfes Schwert und würde unserer pharmazeutischen Expertise nicht gerecht. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wer anstelle der Apotheken einer verantwortungsvollen Abgabe gerecht werden kann? Patienten werden mit den Möglichkeiten und Folgen einer Legalisierung konfrontiert werden. Es liegt an uns, die mögliche Rolle, die wir in diesem Prozess einnehmen, zu definieren und aktiv mitzugestalten – statt auszuharren und die kommenden politischen Entscheidungen abzuwarten. Als Apothekerinnen und Apotheker besitzen wir die Expertise und fachliche Kompetenz, um Risiken, die mit einem Cannabis-Konsum einhergehen, zu minimieren, schädliche Interaktionen zu vermeiden, Kontraindikationen zu erkennen und potenziellem Suchtverhalten entgegenzuwirken. Unsere Aufgaben gehen bereits heute weit über die reine Abgabe von Arzneimitteln hinaus. Wir sind Lotsen im Gesundheitssystem und hierzu gehören auch die Aufklärung und die Vermeidung von Risiken sowie die patientenindi­viduelle Betreuung in allen Versorgungsbereichen. Als Arzneimittel­experten sind wir am besten gerüstet, um Patienten evidenzbasiert zu beraten und die sichere Handhabung und Abgabe von Cannabis angemessen zu beaufsichtigen. Zudem verfügen wir über eine bereits bestehende Infrastruktur für den Umgang mit kontrollierten Substanzen und über qualitätsgesicherte Lieferketten. Ich sehe es ­daher als geboten an, dass wir die kommenden Herausforderungen selbstbewusst annehmen und das Feld nicht anderen überlassen. Wenn wir uns der Verantwortung einer pharmazeutisch begleiteten Cannabis-Abgabe entziehen, werden reine Abgabestellen diese Aufgaben dankend aufgreifen – ohne einen qualifizierten Blick auf Komedikation und Kontraindikationen. Dies kann nicht im Sinne der Patientensicherheit sein. Ich appelliere eindringlich für eine qualifizierte und pharmazeutisch begleitete Abgabe. Wir dürfen uns nicht vor der Verantwortung gegenüber der Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung hinwegducken. Eine Abgabe von Cannabis, bei der Apothekerinnen und Apotheker nur eine untergeordnete, beratende Rolle spielen, widerspricht einer optimalen Vorgehensweise und verfehlt den Anspruch, die Patienten­sicherheit nachhaltig zu stärken.

 

Kontra

 

„Ich hoffe nur, dass sich die Mehrheit der Apothekerinnen und Apotheker dagegen wehrt, Drogen abgeben zu müssen. Abgesehen von den gesundheitlichen Folgeschäden vor allem für junge Leute (der Volljährige besorgt den Stoff dann für seine minderjährigen Klassenkameraden), fürchte ich mich vor dem Szenario im Nachtdienst. Schon heute wird man wegen jeder Kleinigkeit rausgeklingelt, da ist nachts die Hölle los. Und wenn der Ab­hängige kein Geld hat, wird es für uns auch richtig gefährlich. Ich und viele Kolleginnen sind dann nicht mehr bereit, Nachtdienst zu verrichten.“

Birgitta Scheuerer am 23. Oktober auf DAZ.online

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„Wie mancher bereits darüber denkt, lässt sich gut in der ‚Heute Show‘ mit Oliver Welke sehen. Da werden die Apotheker mal wieder gut durch den Kakao gezogen. Botschaft: ‚Die kriegen den Hals nicht voll!‘“

pille62 am 25. Oktober auf DAZ.online

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„Mir fallen zwei Punkte ein: Erstens: Ab welchem Alter soll der Konsum legal sein? Nach meinem Kenntnisstand wird das sich ent­wickelnde Gehirn (d. h. bis zum ca. 25. Lebensjahr) durch Cannabis-Konsum geschädigt. Zweitens: Um den illegalen Handel mit Cannabis (hier: Einstiegsdroge mit Beimischungen) durch den legalen Verkauf zurückzudrängen, darf kein großer Preisunterschied bestehen. Dies zeigen Berichte aus Nordamerika. Doch mit Dokumen­tationspflichten und der Mehrwertsteuer wird das nicht leicht. P. S. Falls der Verkauf zu Genusszwecken auch über die Apotheke erfolgen soll, möchte ich auch Wein verschiedener Provenienzen verkaufen dürfen. Darüber weiß ich etwas mehr. Bei Cannabis verzichte ich auf die persönliche Erfahrung. Diese ist aber für die kompetente Beratung zu einem Genussmittel sehr empfehlenswert.“

Franz Sedlmayr

am 2. November auf DAZ.online

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„Wer Cannabis zu Genusszwecken abgibt, macht sich mitverantwortlich, wenn durch diesen ‚Genuss‘ Unfälle oder Straftaten erfolgen, wie bereits in Vergangenheit berichtet worden war. Eine ärztliche Verschreibung von Cannabis zur Therapie chronischer Schmerzen z. B. sichert den Abgebenden im Handverkauf der Apotheke ab.“

Dieter Kaiser am 3. November auf DAZ.online

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„Die Frage sollte sein: Wollen die Konsumenten eine Abgabe in Apotheken? Konsumenten bevorzugen Cannabis-Fachgeschäfte und Cannabis Social Clubs. Man sollte die Regulierung zwar in die Hände des Staates geben, sich aber auch an den Verbrauchern orientieren. Zumal eine Apotheke nicht der richtige Ort ist. Man will sich in Ruhe beraten lassen, ohne, dass jeder meiner Nachbarn weiß, dass ich konsumiere.“

Mbsen am 3. November auf DAZ.online

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