Interpharm online 2021

Schulung statt Desaster: Es gibt immer was zu tun

Wird auch bei Ihnen in der Nähe DMP Asthma angeboten?

rr | Das D in DMP steht natürlich nicht für Desaster, wie ein Apothekenkunde fälschlicherweise dachte. Im Gegenteil: Disease-Management-Programme sind strukturierte Behandlungsprogramme, die chronisch Erkrankten helfen sollen, ihre Erkrankung und Therapie besser zu verstehen und zu managen. Apothekerin Ina Richling, Pharm.D., Iserlohn, und Pneumologe Dr. Frank Richling, Gummersbach, erläuterten auf der Interpharm, was genau Patienten darin lernen und welche Rolle die Apotheke in diesem Szenario spielt.

Die wenigsten Asthmatiker haben Lust auf Dauertherapien, mehrere Arzneimittel am Tag oder gar auf Cortison. Nicht selten gibt es Fälle, in denen das inhalative Glucocorticoid weggelassen und stattdessen nur bei Atemnot mit Salbutamol-Spray reagiert wird. Diese Patienten gilt es davon zu überzeugen, dass die Asthmakontrolle und ein beschwerdearmes Leben langfristig nur mit Dauermedikamenten gelingen kann. Mit der richtigen Therapie und der nötigen Portion Adhärenz lässt sich die Erkrankung gut kontrollieren.

Foto: DAZ/Alex Schelbert

Apothekerin Ina Richling, Pharm.D.

Ein Device für alle Lebenslagen

Gegen die Cortison-Angst helfen Fakten: Gefürchtete Nebenwirkungen von oralen Glucocorticoiden wie Gewichtszunahme treten nach inhalativer Anwendung nicht auf. Möglich sind lediglich Mundsoor oder Heiserkeit, die aber mit der richtigen Technik vermieden werden können.

Dafür erfüllt die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Asthma den Wunsch nach einer übersichtlichen Medikation: Eine Fixkombination aus niedrig dosiertem Corticosteroid (z. B. Budesonid oder Beclometason) und langwirksamem Beta-2-Sympathomimetikum (z. B. Formoterol) wird mittlerweile sowohl für die Erhaltungs- als auch Bedarfstherapie empfohlen (Single Inhaler Maintenance And Reliever Therapy, SMART). Im Optimalfall benötigt der Patient also nur ein Device. Recht neu ist, dass diese Strategie bereits bei mildem Asthma ab Stufe 1 möglich ist.

„Das nehm’ ich ja schon ewig…“

Gerade bei langjährigen Patienten, die monatlich Rezepte über Inhalativa einlösen, besteht die Gefahr, in Routine und Automatismen bei der Abgabe zu verfallen. Sich ab und zu nach dem Befinden zu erkundigen, formuliert in offenen Fragen, kann mitunter eine nicht optimal eingestellte Therapie aufdecken. Schon mit vier Fragen lässt sich der Grad der Asthma-Kontrolle abschätzen (siehe Nationale Versorgungsleitlinie Asthma NVL Asthma). Stutzig werden sollte man bei Patienten, die plötzlich häufiger ihre Bedarfstherapie benötigen. Ist es wirklich eine Verschlechterung der Erkrankung oder kommt der Patient nicht mit seinem Medikament zurecht? Steckt womöglich ein neuer Rabattartikel dahinter?

Wurde in der ärztlichen Sprechstunde neu vereinbart, dass das Dauermedikament im Sinne von SMART nun auch im Bedarfsfall eingesetzt werden kann, gilt es zu prüfen, ob sich der Patient der Tragweite dieser Veränderung bewusst ist. Hat er sein Device auch wirklich bei sich oder liegt es aus Gewohnheit im Wohnzimmerschrank?

Probleme bei der Asthma-Therapie kommen bestenfalls zufällig im Beratungsgespräch auf den Tisch. Mehr Zeit bietet ein Gespräch im Rahmen einer Medikationsanalyse. Für noch effektiver hält Ina Richling die Vermittlung des Patienten in das Disease-Management-Programm (DMP) Asthma bronchiale.

Lernen, was ein Betarezeptor ist

Ansprechpartner für diese besondere Form der Schulung sind sowohl Pneumologen als auch Hausärzte. Dr. Frank Richling bietet das Disease-­Management-Programm Asthma seit über 15 Jahren an. An zwei Tagen lernen die Teilnehmer in jeweils drei Stunden alles, was sie zum Verstehen und Managen ihrer Asthma-Erkrankung wissen müssen, unter anderem einige pharmakologische Basics, Verhaltenshinweise in kritischen Situationen (z. B. bei Infekten) und Maßnahmen zur Vermeidung von Anfällen.

Letzterer Punkt umfasst bei allergischem Asthma vordergründig die Allergenkarenz. Auch wenn das nicht immer ohne Weiteres möglich ist, gibt es zumindest ein paar Tipps, mit denen die Exposition reduziert werden kann. Pollen-Allergiker sollten ihren Urlaub in kritischen Phasen des Jahres ans Meer verlagern. Eine Pause von Hausstaubmilben kann man sich dagegen im Hochgebirge gönnen. Für Zuhause gibt es neben milbendichter Bettwäsche und Staubsaugern mit Hepa-­Filter noch den Rat, Boden und Oberflächen feucht zu wischen. Selbst Personen mit Hundehaar-Allergie müssen nicht auf das Haustier verzichten, da es auch nicht-allergene Rassen gibt.

Dr. Frank Richling berichtete aus seiner Praxis, wie vorteilhaft für den Patienten die Teilnahme am Disease-Management-Programm Asthma sein kann.

Die Patienten lernen, dass bei allergischem Asthma Begleiterkrankungen wie Heuschnupfen, Neurodermitis und Kreuzallergien häufig sind. Gekochtes kann aber grundsätzlich bedenkenlos verzehrt werden (Ausnahme: Schalentiere!). Außerhalb der Allergiesaison kann sogar mal ein roher Apfel vertragen werden. Der Patient kann sich also vorbereiten, was sich positiv auf seine Einstellung zur Erkrankung auswirkt. Etwas schwieriger verhält sich die Prophylaxe beim nicht-aller­gischen Asthma, doch auch hier kann die Schulung beim Patienten hilfreiche Aha-Effekte hervorrufen.

Stichwort: AMTS

Dr. Frank Richling kann aus Erfahrung sagen, dass das Programm für alle Beteiligten gewinnbringend ist: für den Patienten, weil es eine Verschlechterung der Symptomatik und das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern versucht, für den Arzt, weil er auf dieser Ebene eine deutlich höhere Therapieadhärenz erreicht und weniger Komplikationen behandeln muss, und zu guter Letzt auch die Apotheke, die sich als kompetenter Partner in Sachen Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) etablieren kann. Die Beratung zur richtigen Anwendung der fehleranfälligen Inhalativa ist für den Therapieerfolg unverzichtbar. Keinesfalls darf sich darauf verlassen werden, dass der Patient in der Arztpraxis aufgeklärt wurde – deshalb auch in der Apotheke immer eine Beratung anbieten, damit kein Asthmatiker durch das Netz fällt. |

Schon angemeldet, aber Vortrag verpasst? Sie können ihn bis zum 15. Juni 2021 unter www.interpharm.de im Video-Archiv jederzeit abrufen.

Sie haben die Teilnahme an der Interpharm-online-Premiere verpasst? Kein Problem. Melden Sie sich unter www.interpharm.de an und holen Sie die Interpharm online einfach nach. Wenn Sie dann auch noch 7 von 10 Fragen zu den jeweiligen Vorträgen richtig beantworten, können Sie noch eine Fortbildungspunkt im Rahmen unserer BAK-Zertifizierung erwerben.

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