Arzneimittel und Therapie

Im Duo riskanter – PPI und Glucocorticoide

Gleichzeitige Gabe erhöht das Frakturrisiko bei rheumatoider Arthritis

Patienten, die unter einer rheumatoiden Arthritis leiden und sowohl orale Glucocorticoide als auch Protonenpumpen-Hemmer einnehmen, haben ein um den Faktor 1,6 erhöhtes Frakturrisiko. Dies sollte bei der Erstellung eines Medikationsplans sowie bei der Einschätzung des Osteoporose-Risikos beachtet werden.

Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis sind gleich einem mehrfachen Osteoporose-Risiko ausgesetzt: Dies ist zum einen der Erkrankung per se – Stichwort inflammatorische Prozesse –, aber auch den therapeutischen Maßnahmen – Stichwort orale Glucocorticoide - geschuldet. Des Weiteren werden bei diesen Patienten häufig nichtsteroidale Antirheumatika und begleitend Protonenpumpen-Inhibitoren als Magenschutz eingesetzt. Von Letzteren wird vermutet, dass sie das Osteoporose-Risiko durch eine verringerte intestinale Calcium-Absorption erhöhen, wahrscheinlich aufgrund einer Hypochlorhydrie (verminderte Bildung bzw. Ausschüttung von Salzsäure durch die Parietalzellen der Magenschleimhaut). Der Glucocorticoid-induzierten Osteoporose liegt ein anderer Wirkmechanismus zugrunde. Hier ist die Knochenneubildung vermindert und die Knochenresorption gesteigert. Dies führt zum Verlust von Knochenmasse und letztlich zur Erhöhung des Frakturrisikos. In welchem Ausmaß die gleichzeitige Einnahme oraler Glucocorticoide und Protonenpumpen-Inhibitoren das Osteoporose-Risiko dieser Patientengruppe erhöht, wurde in einer niederländischen Studie untersucht.

1,6-fach höheres Risiko

Die erforderlichen Daten wurden der Clinical Practice Research Datenbank entnommen. Dank deren Umfang mit Angaben von etwa 4,4 Millionen Ver­sicherten konnten Informationen von rund 12.350 Patienten mit rheumato­ider Arthritis und deren Krankheitsverlauf über zehn Jahre hinweg aus­gewertet werden. Die Kohorte im mittleren Alter von 68 Jahren, zu knapp 70% Frauen, wurde nach ihrer Einnahme von oralen Glucocorticoiden und Protonenpumpen-Inhibitoren bzw. einer Monotherapie mit oralen Glucocorticoiden oder Magensäureblockern stratifiziert und mit dem Auftreten Osteoporose-bedingter Frakturen in Beziehung gesetzt. Die Vergleichsgruppe war eine nach weiteren potenziellen Risikofaktoren adjustierte Kohorte (u. a. nach Alkoholkonsum, Rauchverhalten, Body-Mass-Index, ­Komorbiditäten, Komedikation), die keine Arzneimittel der beiden Wirkstoffgruppen eingenommen hatte. Insgesamt waren 1411 Frakturen aufgetreten. Die gleichzeitige Einnahme von oralen Glucocorticoiden und Protonenpumpen-Inhibitoren erhöhte das Risiko osteoporotischer Frakturen um das 1,6-Fache (Hazard ratio 1,6; 95%-Konfidenzintervall 1,35 bis 1,89). Die alleinige Einnahme oraler Glucocorticoide steigerte das Risiko um das 1,28-­Fache, die alleinige Ein­nahme des Magenschutzes um das 1,22-­Fache. Das durch die Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren erhöhte Osteoporose-Risiko war unabhängig von Dauer und Dosis der Protonenpumpen-Hemmer-Einnahme.

Im Hinblick auf eine steigende Lebenserwartung und den breiten Einsatz von Protonenpumpen-Inhibitoren bei älteren Menschen sollte bei Patienten, die an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt sind, der Medikationsplan überdacht und das Frakturrisiko vor dem gemeinsamen Einsatz von oralen Glucocorticoiden und Protonenpumpen-Hemmern eingeschätzt werden. |

Literatur

Abtahi S et al. Concomitant use of oral glucocorticoids and proton pump inhibitors and risk of osteoporotic fractures among patients with rheumatoid arthritis: a population-based cohort study. Annals of the Rheumatic Diseases 2020. doi: 10.1136/annrheumdis-2020-218758.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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