Wirtschaft

Attraktive ökonomische Basis schaffen

Ein Kommentar von Daniel Zehnich, Leiter Bereich Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

Foto: apoBank

Das mittlerweile veröffentlichte Honorar-Gutachten ist in seiner Gesamtheit sehr umfangreich. Die Ergebnisse und Vorschläge der Gutachter hieraus bewegen derzeit viele Apotheker. Sollten diese eins zu eins übernommen werden, würde das einen herben finanziellen Einschnitt für die niedergelassenen Apotheker bedeuten.

Fraglich ist zum Beispiel, ob der kalkulatorische Unternehmerlohn, der sich in dem Gutachten an der Vergütung eines angestellten Apothekenleiters im Krankenhaus orientiert, so für die Apothekeninhaber herangezogen werden kann. Die Inhaber einer öffentlichen Apotheke übernehmen schließlich die volle wirtschaftliche Verantwortung und tätigen oftmals sehr hohe Investitionen. So lagen beispiels­weise die Gesamt­investitionen für eine Apothekenübernahme laut ­unserer Analyse zum Existenzgründungsgeschehen 2016 im Schnitt bei rund 550.000 Euro und für die Übernahme eines Apotheken­verbundes sogar bei rund 1,4 Mio. Euro. Zudem sind sie verantwortlich für eine Vielzahl von Mitarbeitern, teilweise über mehrere Filialstandorte verteilt.

Die nächste Bundesregierung muss und wird sich mit dem Gutachten auseinandersetzen. Hierbei sollte neben der rein finanziellen Betrachtung auch ein grundlegender Aspekt im Fokus stehen:

Wie soll die pharmazeutische Versorgung in Zukunft aussehen? Wie kann das gute und bewährte Modell der inhabergeführten Apotheke weiter ­bestehen bleiben? Die Politik sollte für Rahmenbedingungen sorgen, die helfen, das Berufsbild des Apothekers in seiner eigenen Apotheke – auch finanziell – attraktiv zu halten. Hier benötigt der pharmazeu­tische Nachwuchs positive Signale, um sich weiterhin in der eigenen Apotheke niederzulassen.

Generell kommt es darauf an, welche Vorschläge aus dem Gutachten durch eine neue Bundesregierung aufgegriffen und auch tatsächlich umgesetzt werden. Wie sich das ökonomische und politische Umfeld im Einzelnen entwickeln wird, ist somit noch völlig offen.

Zudem muss eine attraktive ökonomische Basis geschaffen werden, indem die Apothekenvergütung so ausgestaltet wird, dass die Existenzgrundlage der Apotheker sicher­gestellt ist.

Hierbei sollten die Apotheker die Veränderungen selber mitgestalten und die Chance ergreifen, die zukünftigen Herausforderungen aktiv anzugehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Honorargutachten wirft facettenreiche Fragen auf

Welcher Unternehmerlohn ist „angemessen“?

Die flächendeckende Versorgung als Argument ernst nehmen! Ein Meinungsbeitrag von Andreas Kaapke

(Zu) Kurz gesprungen

Über die Bedeutung von Wettbewerb, Versandhandel und Gleichpreisigkeit für die Arzneimittelversorgung

Gute Argumente für die Apotheke vor Ort

Sterilrezepturen: Ergebnisse des Refa-Gutachtens im Auftrag des VZA

Argumente für die 130-Euro-Forderung

Varianten der Kostenrechnung ergeben Honorarerhöhung von mindestens 1 Mrd. Euro

Die Gegenrechnung

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.