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Psychische Gefährdungsbeurteilung – Teil 2

Gefährdungsfaktor Stress

Dauerhafter Stress – zum Beispiel durch Arbeitsverdichtung, Personalknappheit oder organisatorische Mängel – kann Mitarbeiter belasten und ist ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen. Deshalb müssen in der nach § 5 Arbeitsschutz­gesetz vorgeschrie­benen Gefährdungsbeurteilung auch solche Stressoren ermittelt werden.
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So weit muss es nicht kommen. Bauen Sie den Stress am Arbeitsplatz ab!

Die Arbeit nimmt einen großen Raum im Leben eines Menschen ein: Sie dient heutzutage nicht ausschließlich der Existenzsicherung, sondern gleichermaßen der Identitätsbildung. Viele Berufstätige verbringen mehr Zeit mit ihren Kollegen und Kolleginnen am Arbeitsplatz als mit den Freunden oder der Familie.

Erlebter Stress wird häufig mit Belastung gleichgesetzt. Die beiden Begriffe sollten jedoch nicht synonym verwendet werden. Belastungen sind objek­tive Faktoren wie Zeitdruck, hohes ­Arbeitspensum, Lärm oder Störungen bei der Arbeit. Stress ist dagegen die Reaktion auf die gegebenen Belastungen. Der Grad der individuellen Re­aktion ist von den Merkmalen einer Person, der Situation oder auch von den verfügbaren Ressourcen abhängig. Das Stresserleben ist demnach weit­gehend individuell.

Im beruflichen Kontext geht es bei der Beurteilung der psychischen Belastungen u. a. um die Erfassung aller Stressoren im Arbeitsumfeld, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Stressreaktionen führen können.

Belastungsquellen

Belastungen können mit der Aufgabe selbst oder mit der zu erfüllenden ­Arbeitsrolle zusammenhängen. Da­rüber hinaus können sie ihren Ursprung im sozialen oder materiellen Umfeld haben.

In Zusammenhang mit der Arbeits­aufgabe ist beispielsweise zu klären, ob das Personal seinen Qualifikationen entsprechend eingesetzt ist oder ob es dauerhaft mit den zu erfüllenden Aufgaben überfordert ist. Störungen und Unterbrechungen, Zeitdruck und unklare oder widersprüchliche Vor­gaben gehören ebenfalls zu den typischen Belastungen.

Hilfestellung bei der Durchführung der psychischen Gefährdungsanalyse im Betrieb bieten Informationen und Checklisten, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur Verfügung (BAuA) gestellt werden.

Weitere Belastungsfaktoren können sich aus sozialen Spannungen und Konflikten, Mangel an Anerkennung, starren Arbeitszeiten, fehlender Unterstützung im Team oder Sorge um den Arbeitsplatz ergeben.

Gefahr droht bei Dauerstress

Kurzfristige Konfrontationen mit solchen Belastungen stellen in der Regel kein wesentliches Problem dar. Erst permanente Belastungen durch mehrere Faktoren gleichzeitig können sowohl dem Mitarbeiter als auch mittelfristig dem Unternehmen schaden.

Chronischer Stress und Überforderung kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken und zu längeren Fehlzeiten am Arbeitsplatz führen. Mitarbeiter, die unter Zeitdruck arbeiten, können relevante Informationen übersehen und folgenreiche Fehler machen oder Unfälle verursachen.

Maßnahmen bei hoher psychischer Belastung

Um den beruflichen Stress zu minimieren, kann man das Verhalten der Mitarbeiter (Verhaltensprävention) und die Verhältnisse am Arbeitsplatz (Verhältnisprävention) verbessern.

Im Mittelpunkt der Maßnahmen zur Verhaltensprävention stehen die Mitarbeiter selbst. In Stressmanagementseminaren können sie lernen, mit Belastungssituationen umzugehen und die Stressoren zu reduzieren oder zu relativieren.

Die Verhältnisprävention zielt darauf ab, die psychischen oder psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren. Hierbei sind ganzheitliche Maßnahmen zu empfehlen, die sowohl zur Optimierung der Arbeitsumgebung als auch der Arbeitsaufgabe führen. Ein Beispiel: rotierender Einsatz der Mitarbeiter im Laufe des Arbeitstages, um einseitige Belastungen durch langes Stehen, Sitzen, komplexe Tätigkeiten und somit den körperlichen und mentalen Leistungsabfall im Tagesverlauf zu minimieren.

Stressmanagement­seminare für ADEXA-Mitglieder

Essen: Samstag, 24. 9. 2016, 14.00 - 17.30 Uhr

Bochum: Samstag, 29. 10. 2016, 14.00 - 17.30 Uhr

Münster: Samstag, 19. 11. 2016, 14.00 - 17.30 Uhr

Die Seminare sind für ADEXA-Mitglieder kostenfrei. Die Teilnehmerzahl ist jeweils auf zehn Personen begrenzt. Anmeldung ab sofort unter Tel. 0176 5347232 oder rg-west@adexa-online.de.

Stressmanagementseminare

Apothekenangestellte sind diversen Stressoren ausgesetzt, dazu gehören u. a. Emotionsarbeit, geringer Entscheidungsspielraum, Unvorhersehbarkeit der Ereignisse oder Zeitdruck. Für Mitglieder bietet ADEXA Stressmanagementseminare an, die speziell auf die Bedürfnisse der Apotheken­mitarbeiter zugeschnitten sind. Diese Stressmanagementseminare dienen sowohl zur Selbsthilfe als auch zur Erweiterung der eigenen Beratungskompetenzen im Apothekenbetrieb. |

Tatiana Dikta, B. Sc. und PTA, Stressmanagementtrainerin

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Diagnose: Stress

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