Arzneimittel und Therapie

Fingerspitzengefühl in der Beratung gefragt

Ein Kommentar von Priv.-Doz. Dr. Kristina Jenett-Siems

Priv.-Doz. Dr. Kristina Jenett-Siems, Pharmazeutische Biologie, Freie Universität Berlin

Seit 2009 befindet sich das Präparat Lasea® mit der Indikation „Behandlung von Unruhezuständen bei ängstlicher Verstimmung“ auf dem deutschen Markt. Es schloss damit eine Lücke, die durch den 2002 durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erfolgten Widerruf der Zulassung der anxiolytisch wirkenden Kava-Kava-haltigen Fertigarzneimittel aufgrund von Hinweisen auf ein leberschädigendes Potenzial entstanden war. Denn es existiert durchaus ein Bedarf an leichten, möglichst nebenwirkungsarmen Anxiolytika jenseits der heute bei schwerwiegenden Angststörungen üblicherweise eingesetzten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Viele Patienten ­sehen sich kurzfristig beängstigenden Situationen (Prüfungen, Jobwechsel) ausgesetzt und suchen Rat in der Apotheke, auf der Suche nach einem Arzneimittel, das in dieser Situation unterstützend wirksam ist. Bei Lasea® handelt es sich um ein Phytopharmakon, das als Wirkstoff Silexan enthält, ein speziell destilliertes Lavendelöl aus Lavandula angustifolia, welches reich an Linalool und insbesondere Linalylacetat ist. In-vitro-Studien konnten einen Effekt auf präsynaptische Calciumkanäle zeigen, die mit einer anxiolytischen Aktivität in Verbindung gebracht werden. Bezüglich der klinischen Wirksamkeit existieren bisher lediglich vom Hersteller initiierte Studien – zwei kleinere Placebo-kontrollierte Studien, die eine Effektivität bei ängstlicher Verstimmung nahelegen sowie eine Studie, die eine ebenbürtige Wirkung im Vergleich zu einem niedrig dosierten Benzodiazepin (Lorazepam) zeigt. Die aktuelle Studie reiht sich in die bisherigen positiven Befunde ein und zeigt darüber hinaus auch eine Wirksamkeit des Präparates bei gemischten ängstlich-depressiven Verstimmungen. Offenbar geht in diesem Fall eine Reduzierung der Angstsymptomatik auch mit einer stimmungsaufhellenden Aktivität einher. Vor diesem Hintergrund bietet sich Lasea® als Therapieoption bei ängstlichen Verstimmungen an, die mit erhöhter Unruhe oder einer leichten ­depressiven Symptomatik einher­gehen. Im Vergleich zu SSRI oder Benzodiazepinen, den am häufigsten eingesetzten anxiolytischen Wirkstoffen, ist das Nebenwir­kungs­potenzial nach bisherigem Kenntnisstand gering. Es treten über­wiegend gastrointestinale Un­verträglichkeiten auf, eine Abhängigkeitsgefahr besteht dagegen nicht. Um die Wirksamkeit beurteilen zu können, sollte das Präparat mindestens zwei Wochen lang einmal täglich eingenommen werden. Bei der Beratung in der Apotheke ist allerdings gerade bei Präparaten, die wie Lasea® angstlösend und eventuell auch antidepressiv wirken sollen, viel Fingerspitzengefühl gefragt, um die Grenzen der Selbstmedikation auszuloten. Experten gehen z. B. davon aus, dass die Mehrzahl der jährlich etwa 10.000 Suizide in Deutschland Folge einer nicht ausreichend behandelten Depression sind. Insofern ist Patienten, die über längerfristige Probleme ohne erkennbare Ursache klagen, auf jeden Fall der Besuch eines Facharztes anzuraten.


Lesen Sie hierzu auch den Beitrag "In Lavendelöl steckt noch mehr" in dieser DAZ.


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