Aus den Ländern

Vielschichtige Fortbildung an der Ostsee

Scheele-Tagung in Rostock-Warnemünde

ROSTOCK (tmb, cb) | Die Scheele-­Gesellschaft, die Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, veranstaltete vom 6. bis 8. November ihr traditionsreiches Fortbildungswochenende im Ostseebad ­Warnemünde. Unter dem Titel „Kommunikation ist alles – Hormone außer Rand und Band“ ging es um Hormonstoffwechsel­störungen. Der Apothekertag Mecklenburg-Vorpommern wurde wieder in das Programm integriert – dort stand die Arzneimitteltherapiesicherheit im Mittelpunkt (siehe Bericht „Signal für partnerschaftliche Zusammenarbeit“, S. 18).
Fotos: DAZ/tmb

Prof. Dr. Christoph Ritter

In seiner Begrüßung erläuterte der Vorsitzende der Scheele-Gesellschaft, Prof. Dr. Christoph Ritter, Greifswald, die Themenauswahl. Da Hormone für die Kommunikation im Körper zu­ständig sind, habe sich für das Vorsymposium am Freitagnachmittag die zwischenmenschliche Kommunikation als Thema angeboten.

Zunächst betrachtete Cornelia Tromm, Düsseldorf, die Kommunikation als geschlechtsspezifische Herausforderung. Männer und Frauen haben typischerweise verschiedene Kommunikationsstile. Männer streben eher eine Position in einer hierarchischen Struktur an, und Frauen denken eher in den ­Kategorien sozialer Netzwerke. Tromm empfahl Frauen, „Klartext“ zu reden und gegenüber Männern erst ihr Fazit und dann kurz nötige Erläuterungen zu äußern. Männer sollten dagegen eine bildhaftere Sprache verwenden und zunächst ihre Überlegungen und erst dann die Konsequenzen darstellen.

Erzsebet Matthes, Rostock, ging in ­einem Rollenspiel auf den Apothekenalltag ein und demonstrierte, dass erfolgreiche Kommunikation davon abhängt, den Gesprächspartner zu akzeptieren, Empathie zu zeigen und sich nicht zu verstellen, um „echt“ zu wirken. Matthes arbeitet am Rostocker Medizinertrainingszentrum, wo sie angehenden und jungen Ärzten kommunikative Fähigkeiten vermittelt.

Kommunikation war das zentrale Thema für Erzsebet Matthes (links) und Cornelia Tromm.

Viel zu tun für Diabetiker

Im ersten fachlichen Teil der Scheele-Tagung am Samstagnachmittag ging es um die Behandlung des Diabetes mellitus. Unter dem provozierenden ­Titel „Zucker: na und?“ stellte Prof. Dr. Martina Düfer vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten vor und orientierte sich dabei an der 2013 novellierten Nationalen Versorgungsleitlinie. In ihrem Ausblick wies sie auf Dreifach-Kombinationen von ­Arzneistoffen mit unterschiedlichen Wirkprinzipien hin. Diese würden in Deutschland noch kaum beachtet, aber im Ausland intensiv untersucht.

Prof. Dr. Martina Düfer

Die Probleme von Diabetes-Patienten und Lösungsmöglichkeiten in der ­Apotheke beschrieb Dr. Eric Martin, Marktheidenfeld. Auf den ersten Blick mögen viele Probleme wie fehlerhafte Folgeverordnungen, unpraktikables Tablettenteilen und kognitive Überforderung bei der Insulindosierung banal erscheinen, aber in der Summe sei das ein „bleierner Effekt“ für den Therapieerfolg.

Prof. Dr. Wolfgang Frieß, Pharmazeutischer Technologe an der Universität München, beschrieb unter dem Titel „Geschüttelt oder gerührt?“ die besonderen Herausforderungen im Umgang mit Proteinarzneistoffen. Bei der Entwicklung und Herstellung von Antikörpern, Impfstoffen oder Insulin können Manipulationen und Einflüsse wie Lichteinwirkung, Verdünnen, Schütteln, Einfrieren, Auftauen oder sogar der Wechsel von Verpackungsmaterialien zu unerwarteten Veränderungen führen, die sich relevant auf die Wirksamkeit oder Toxizität des Produktes auswirken können.

Hormone aus klinischer Sicht

Am Sonntag ging es um neue Entwicklungen in der Therapie weiterer Stoffwechselerkrankungen. Dabei wurde die Tradition fortgesetzt, den letzten Tag der Scheele-Tagung als „Forum der Pharmakotherapie“ mit niedergelassenen Fachärzten und Krankenhausärzten zu gestalten. Zunächst gab Prof. Dr. Holger S. Willenberg vom Zentrum für Innere Medizin der Universität Rostock einen Überblick über die Funktion der Neben­nierenrinde und die Möglichkeiten der Pharmakotherapie bei Störungen dieses wichtigen Hormonsystems. Vom Bochumer Endokrinologen Prof. Dr. Burkhardt L. Herrmann erhielten die Tagungsteilnehmer Hinweise für die Beratung von Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen.

Schließlich beschrieb Dr. Dr. Hans-Heinrich Warnecke, Gynäkologe am KMG Klinikum Güstrow, die Möglichkeiten zur Hormontherapie in den Wechseljahren. Dabei betonte er die veränderten Empfehlungen, die seit dem vorzeitigen Abbruch eines Arms der WHI-Studie im Jahr 2002 gelten.

Zum Rahmenprogramm der Scheele-Tagung gehörten wieder der Begrüßungsabend am Freitag und der traditionelle Gesellschaftsabend am Samstag mit Musik und Tanz. Außerdem wurden während der Tagung die ­neuen studentischen Mitglieder der Scheele-Gesellschaft vorgestellt und mit einem kleinen Präsent begrüßt. |

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