Arzneimittel und Therapie

Antibiotika statt Blinddarm-OP

Option für unkomplizierte Fälle?

jb | Möglicherweise werden bei einer unkomplizierten akuten Appendizitis mit einer Antibiotika-Therapie keine schlechteren Ergebnisse erzielt als mit einer Operation, der Standardbehandlung. In einer multizentrischen, randomisierten Open-Label-Studie versuchte eine finnische Gruppe, dies zu zeigen.

530 Patienten im Alter von 18 bis 60 Jahren mit unkomplizierter akuter Appendizitis wurden in die Untersuchung eingeschlossen. Sie erhielten entweder eine antibiotische Therapie mit intravenösem Ertapenem (i. v.) für drei Tage gefolgt von oralem Levofloxacin mit Metronidazol für sieben Tage oder der Blinddarm wurde ihnen sofort entfernt. Primärer Endpunkt war für die OP-Gruppe die erfolgreiche Appendektomie, für die Antibiotika-Gruppe die Krankenhaus-Entlassung ohne erforderliche Operation und kein Rezidiv innerhalb eines Jahres. Die Erfolgsrate in der OP-Gruppe betrug 99,6%. In der Antibiotika-Gruppe mussten 70 der 257 Patienten innerhalb des nächsten Jahres operiert werden, Abszesse oder große Komplikationen gab es dabei aber nicht. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich des Erreichens des primären Endpunktes betrug 27%. Damit wurde das Ziel, die Nicht-Unterlegenheit der Antibiotika-Therapie zu zeigen, knapp verfehlt. Dafür hätte die Differenz maximal 24% betragen dürfen. Da aber dennoch der Großteil der Patienten (73%) erfolgreich antibiotisch behandelt wurde und beim Rest keine größeren Komplikationen auftraten, sollten in den Augen der Forscher Patienten künftig eine informierte Entscheidung bezüglich ihrer Behandlung treffen können. Zudem sollte weiter in diese Richtung geforscht werden, um die Ausschlusskriterien sowie die Antibiotikawahl zu optimieren. |

Quelle: Salminen P, et al. JAMA 2015;313(23):2340-2348. doi:10.1001/jama.2015.6154.

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