Arzneimittel und Therapie

Für die Lunge nicht gefährlich

Pulmonales Risiko von Methotrexat wird überbewertet

Wahrscheinlich ist die Gefahr einer Lungenschädigung unter einer Therapie mit Methotrexat weitaus geringer als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Metaanalyse.
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Entzündliche Reaktionen in den Gelenken können durch Methotrexat reduziert werden. Bisher stand es im Verdacht, eine akute Pneumonitis bis hin zur Lungenfibrose zu induzieren.

Nachdem Beobachtungsstudien und Fallberichte einen Zusammenhang zwischen der Therapie mit Methotrexat (MTX) und dem vermehrten Auftreten pulmonaler Erkrankungen vermutet hatten, befasste sich eine aktuelle Metaanalyse erneut mit der Frage, welche Auswirkungen Methotrexat auf die Lunge hat. Ausgewertet wurden sieben randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studien, in denen die Patienten aufgrund einer Psoriasis, Psoriasis-Arthritis oder einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung mit Methotrexat behandelt wurden und aus denen das Auftreten infektiöser und nicht-infektiöser respiratorischer Komplikationen hervorging. In den Studien hatten 818 Patienten Methotrexat und weitere 812 eine Vergleichs­substanz, meist ein Placebo, erhalten. Die Studiendauer lag zwischen 16 und 52 Wochen. Insgesamt waren 504 respiratorische Komplikationen aufgetreten. Ein Vergleich zeigte, dass unter einer Therapie mit Methotrexat weder das Risiko für respiratorische Ereignisse (RR 1,03) noch für infektiöse (RR 1,02) oder nicht-infektiöse respiratorische Komplikationen (RR 1,07) erhöht war.

Da eine weitere Studie, in der Patienten mit rheumatoider Arthritis mit Methotrexat behandelt worden waren, zu einem ähnlichen Ergebnis kam, schätzen die Autoren der Metaanalyse das Risiko einer MTX-assoziierten Lungenerkrankung als wahrscheinlich nicht existent oder allenfalls sehr gering ein. Sie weisen jedoch auch auf einige Einschränkungen der Studienaussagen hin: Der Allgemeinzustand von Studienteilnehmern ist oftmals besser als derjenige von Patienten aus dem Praxis­alltag, so dass toxische Begleiterscheinungen einer Therapie weniger häufig auftreten. Ferner war vielleicht die Behandlungszeit innerhalb der Studien zu kurz und die Teilnehmerzahl zu gering, um seltene Komplikationen zu erfassen. Ein geringes, klinisch relevantes Risiko könne demnach nicht völlig ausgeschlossen werden, so die Studienautoren. |

Quelle

Conway R et al. Methotrexate use and risk of lung disease in psoriasis, psoriatic arthritis, and inflammatory bowel disease. BMJ 2015;350:h1269

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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