Prisma

Impfung durch Eincremen

Mit Antigen + Nanopartikel + Adjuvans

cae | Mithilfe der Nanotechnologie könnten Impfstoffe dermal appliziert werden, ohne die Haut durch einen Nadelstich zu verletzen. Wenn der Impfstoff in einer Creme auf die Haut aufgetragen wird, durchdringt er sie an den Haarfollikeln und löst eine Immunreaktion aus.

Der Biotechnologe Claus-Michael Lehr an der Universität des Saarlandes und der Impfspezialist Carlos Guzman am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig haben mit ihren Arbeitsgruppen gemeinsam die neue, transfollikuläre (TF) Impfmethode entwickelt und präklinisch geprüft. TF-Impfungen sind prinzipiell möglich, weil die Haare die Hornhaut auf natürliche Weise durchlöchern. Es fragte sich, ob der Zwischenraum zwischen Haar und umgebender Hornhaut ausreicht, damit Impfstoffe ihn passieren können. Getestet wurden verschiedene Zubereitungen – teils war das Antigen gelöst, teils war es an Nanopartikel gebunden – sowohl mit als auch ohne Adjuvans an intakter Haut und an Haut mit entfernter Hornschicht.

Das wichtigste Ergebnis der Tests: Das Antigen durchdringt die unverletzte Haut, wenn es an Nanopartikel gebunden ist und wenn die Zubereitung ein bestimmtes Adjuvans (zyklisches Adenosinmonophosphat-Dimer) enthält. Nah an den Haarfollikeln sind so viele Antigen-präsentierende Zellen vorhanden, dass das Antigen eine starke Immunantwort auslöst.

Theoretisch könnte die TF-Impfung mithilfe einer Creme appliziert werden. Diese Anwendung könnten auch Laien vornehmen, weshalb die TF-Impfung gerade in unterentwickelten Ländern den Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessern könnte.

Quelle:

Mittal A, et al. Efficient nanoparticle-mediated needle-free transcutaneous vaccination via hair follicles requires adjuvantation. Nanomedicine; Epub 08.09.2014

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