BVKJ zur STIKO-Empfehlung

Kinderärzte: Wirklich alle Frühgeborenen unter zwei Jahren gegen COVID-19 impfen?

Stuttgart - 22.11.2022, 07:00 Uhr

Etwa 10 Prozent aller Kinder in Deutschland werden „zu früh“ – also vor Vollendung von 37 Schwangerschaftswochen – geboren. (b/Foto: IMAGO / UIG)

Etwa 10 Prozent aller Kinder in Deutschland werden „zu früh“ – also vor Vollendung von 37 Schwangerschaftswochen – geboren. (b/Foto: IMAGO / UIG)


Pädiater unterstützen die neuesten STIKO-Empfehlungen zur COVID-19-Impfung von Kleinkindern. Allerdings halten sie den neu eingeführten Risikofaktor der Frühgeburtlichkeit für zu weit gefasst. 

Seit Donnerstag vergangener Woche ist sie da, die Impfempfehlung gegen COVID-19 der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Kleinkinder von sechs Monaten bis unter* fünf Jahren. Damit können jetzt also auch die jüngsten der Gesellschaft aktiv mit einer Impfung vor dem Corona-Virus geschützt werden. Doch manch einem ist die Impfempfehlung der STIKO zu zurückhaltend. „Mehr Vorsicht geht kaum“, titelte etwa „Zeit Online“ vergangene Woche. Denn geimpft werden sollen die Kleinkinder nur, wenn sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben – also an einer Grunderkrankung leiden. Zu einer solchen Vorerkrankung zählt laut STIKO neu auch die „Frühgeburtlichkeit bei Kindern im Alter < 2 Jahren“.

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Jetzt hat sich auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer Pressemitteilung zu der neuen STIKO-Empfehlung geäußert – gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) sowie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI) unterstützt er „die aktualisierten Empfehlungen der STIKO mit allem Nachdruck“. 

Etwa 10 Prozent aller Kinder in Deutschland werden „zu früh“ geboren

Den Berufsverbänden ist die STIKO-Empfehlung also nicht zu vorsichtig. Vielmehr sehen sie in einem bestimmten Fall sogar Anlass für noch mehr Zurückhaltung beim Impfen. Man wolle darauf hinweisen, dass der Risikofaktor der Frühgeburtlichkeit bei Kindern unter zwei Jahren als zu weit gefasst erscheint, heißt es. Denn etwa 10 Prozent aller Kinder in Deutschland würden „zu früh“ – also vor Vollendung von 37 Schwangerschaftswochen – geboren. Doch:


Ein relevant erhöhtes Risiko ergibt sich in Ergänzung zu den weiteren, von der STIKO beschriebenen Risikofaktoren allerdings annehmbar nur für sehr unreife Frühgeborene (< 32. Schwangerschaftswoche) und Frühgeborene mit schweren Lungenerkrankungen.“

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer Pressemitteilung vom 18.11.2022 zu der neuen STIKO-Empfehlung


Ob nun also wirklich alle Frühgeborenen unter zwei Jahren von ihren Kinderärzt:innen eine Grundimmunisierung gegen COVID-19 erhalten werden, bleibt abzuwarten. 

Die STIKO macht übrigens auch bei den Empfehlungen für Standardimpfungen gesonderte Empfehlungen für Frühgeborene. So erhalten Frühgeborene laut Impfkalender beispielsweise bei Tetanus, Diphtherie, Pertussis, H. influenzae Typ b, Poliomyeltits, Hepatitis B und Pneumokokken eine zusätzliche Impfstoffdosis im Alter von drei Monaten, d. h. insgesamt vier Impfstoffdosen. Auch hier ist die „Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche“ gemeint. 

* An dieser Stelle wurde das Wort „unter“ am 23.11.2022 redaktionell ergänzt.


Deutsche Apotheker Zeitung / dm
redaktion@daz.online


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