Übernahmefantasien

Spekulationen treiben Aktien von Zur Rose

München - 04.08.2022, 15:15 Uhr

Der Aktienkurs des Arzneimittelversenders Zur Rose Group ging kurzfristig nach oben – dies führte zu Spekulationen. (x / Foto: IMAGO / Silas Stein)

Der Aktienkurs des Arzneimittelversenders Zur Rose Group ging kurzfristig nach oben – dies führte zu Spekulationen. (x / Foto: IMAGO / Silas Stein)


Nach einem Bericht der Schweizer Wirtschaftszeitung „Finanz und Wirtschaft“ könnte die Zur Rose Group, zu der auch DocMorris gehört, Ziel einer Übernahme werden. Derartige Gerüchte sind nicht neu, haben aber dieser Tage den seit Monaten schwer unter die Räder gekommenen Aktienkurs kurzfristig angetrieben. Was für eine mögliche Übernahme spricht. 

Am Dienstag, 2. August 2022, machte die Aktien des Schweizer Arzneimittelversenders Zur Rose Group plötzlich einen kräftigen Satz nach oben: In einem leicht schwächeren Marktumfeld schlossen sie den Tageshandel mit einem Plus von 8,5 Prozent ab und notierten am Ende bei 73,70 Schweizer Franken. Das war eine ungewöhnliche, wenn auch kurze Entwicklung auf einem Weg, der seit Monaten vor allem nur eine Richtung kennt – nach unten. Noch Ende Juli waren die Zur Rose-Papiere auf ein Mehrjahrestief bei knapp unter 61 Franken gesackt. Im bisherigen Jahresverlauf haben die Anteilsscheine fast 70 Prozent eingebüßt, vom Rekordhoch im Februar 2021 sind sie sogar 85 Prozent entfernt.

Ursache für den markanten Kurshüpfer war wohl ein Bericht von „Finanz und Wirtschaft“, wonach Zur Rose ein Übernahmeziel sein könnte. Titel: „Vom Jäger zum Gejagten“. Als mögliche Käufer werden Branchenriesen wie die US-Konzerne Walgreens, CVS und Rite Aid angeführt. Außerdem könnte der weltgrößte Online-Händler Amazon als Käufer infrage kommen, der seit 2020 mit Amazon Pharmacy eine Arzneimittelversorgung per Versand anbietet. Wenig Chancen räumen Analysten hingegen einem möglichen Zusammengehen von Zur Rose mit dem niederländischen Wettbewerber Shop Apotheke Europe ein.

Stark gesunkene Marktkapitalisierung

Potenzielle Käufer könnten Zur Rose derzeit angesichts des stark gefallenen Aktienkurses vergleichsweise günstig erwerben. Die Marktkapitalisierung, also der Wert aller Aktien, liegt bei gerade einmal rund 770 Millionen Franken. Vor einem Jahr war das Unternehmen fast das Sechsfache wert. Auch die Entwicklung des Nettoergebnisses deutet auf eine nachhaltige Schwäche hin: Seit Jahren ist dieses in zunehmendem Maße negativ. Betrug der Verlust 2017 noch minus 36,3 Millionen Franken, waren es 2021 bereits minus 225,7 Millionen Franken. Zwar konnte das Unternehmen in dieser Zeit den Umsatz steigern, wichtige weitere Kennziffern wie der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit oder die Eigenkapitalrendite zeigen allerdings klar nach unten.

Auch die Aktionärsstruktur würde bei einem Übernahmeversuch kein unüberwindliches Hindernis darstellen. So befinden sich rund drei Viertel der Anteilsscheine im sogenannten Freefloat, sind also breit gestreut. Darüber hinaus gibt es keinen dominanten Einzelaktionär; wesentliche Anteile im einstelligen Prozentbereich halten die Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS, die Investmentgesellschaften Invesco, Fidelity und The Capital Group Companies, die Investoren Patrick Schmitz-Morkamer und Patrick Bierbaum sowie die Zur Rose Group selbst.

Analysten spielen in Moll

Zur finanziellen Lage von Zur Rose passt auch die Einschätzung von Analysten, die derzeit mit deutlichen Molltönen durchsetzt ist. So hat Deutsche Bank-Research-Analyst Jan Koch die Aktien von Zur Rose von „Buy“ auf „Hold“ abgestuft und das Kursziel von 180 auf 84 Franken gesenkt. Er sieht zwar langfristig weiter attraktives Potenzial für das Papier, rät aber wegen Bilanzunsicherheiten zu einem defensiven Vorgehen.

Derweil hat die Schweizer Großbank UBS das Kursziel für Zur Rose von 93 auf 56 Franken gesenkt und die Einstufung auf „Sell“ belassen. Die absolute und auch im Vergleich zum Wettbewerber Shop Apotheke Europe unterdurchschnittliche Kursentwicklung führe er auf gestiegene finanzierungsbedingte Unsicherheiten bei dem Online-Versender zurück, schrieb Analyst Sebastian Vogel jüngst in einer Studie.


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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