Keine Sympathie für Ampel-Pläne

Ärzteverbände wehren sich gegen regelhafte Grippeimpf-Angebote in Apotheken

Berlin - 26.04.2022, 15:00 Uhr

Dass auch Apotheken möglicherweise bald regelhaft Menschen gegen Grippe impfen dürfen, stößt bei den Ärzteverbänden auf wenig Gegenliebe. (Foto: dusanpetkovic1 / AdobeStock)

Dass auch Apotheken möglicherweise bald regelhaft Menschen gegen Grippe impfen dürfen, stößt bei den Ärzteverbänden auf wenig Gegenliebe. (Foto: dusanpetkovic1 / AdobeStock)


Sowohl die Kassenärztliche Bundesvereinigung als auch die Bundesärztekammer stellen sich gegen die Pläne der Ampel, die Grippeimpfung dauerhaft in Apotheken anbieten zu lassen. Erneut sprechen sie den Apothekerinnen und Apothekern die Fähigkeit ab, Impfungen kompetent und sicher durchzuführen.

Ärzteverbände stehen dem Plan der Ampel, die Grippeimpfung in den Apotheken in die Regelversorgung zu überführen, erwartungsgemäß kritisch gegenüber. Unter anderem die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) reagiert auf einen am Freitag bekannt gewordenen, noch nicht abgestimmten Änderungsantrag der Regierungsfraktionen zum Pflegebonusgesetz entrüstet.

Die Durchführung von Impfungen sei eine ganz zentrale ärztliche Leistung, erklärt KBV-Chef Andreas Gassen in einer Pressemitteilung der Standesvertretung vom heutigen Montag. Seit Beginn der Corona-Impfkampagne seien fast 88 Millionen Impfungen gegen COVID-19 in Arztpraxen verabreicht worden. „Das zeigt deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger vor allem der ärztlichen Kompetenz vertrauen. Das Impfen in Apotheken ist die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat“, kritisiert er. „Alle bisherigen Versuche, das Impfen in Apotheken zu etablieren, haben nicht funktioniert. Trotz aller Bewerbung durch ABDA und regelrechter Lobbyarbeit durch die Politik nehmen die Menschen Impfangebote in Apotheken kaum wahr“, betont Gassen.

Sein Vize Stephan Hofmeister unterstreicht zudem, das Impfen beinhalte nicht nur die Injektion an sich. „Sie umfasst ebenso die Impfanamnese, die Aufklärung zur Impfung, den Ausschluss von akuten Erkrankungen und Kontraindikationen sowie bei bestehenden Erkrankungen die Bewertung, ob eine Impfung durchgeführt werden kann.“ All dies setze eine entsprechende ärztliche Aus- und Weiterbildung voraus, über die Apothekerinnen und Apotheker nicht verfügten. „Es geht hier auch um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten“, sagt Hofmeister. „Deshalb macht es keinen Sinn, Grippeschutzimpfungen jenseits der gegenwärtigen Modellprojekte, von denen bislang noch nicht einmal Evaluierungsergebnisse vorliegen, regelhaft auch durch Apothekerinnen und Apotheker anzubieten.“

Bundesärztekammer sieht keinen Bedarf für impfende Apotheker

Auch die Bundesärztekammer bemüht die bekannten Argumente erneut. „Aus gutem Grund ist Impfen eine urärztliche Aufgabe“, kommentiert Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt die aktuellen Pläne der Ampelkoalition. Mögliche Komplikationen wie akute allergische Reaktionen, Kreislaufprobleme sowie Angstreaktionen müssten beherrscht werden. Auch die Kenntnisse über Impfungen zum Beispiel bei den unterschiedlichen Formen von Autoimmunerkrankungen, beim Einsatz immunsupprimierender Therapien, bei Schwangeren und bei chronisch Erkrankten setzten eine entsprechende ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung voraus.

Die Niedrigschwelligkeit der Impfung in der Apotheke zweifelt Reinhart ebenfalls an. Immerhin gebe es in Deutschland nur knapp 20.000 Apotheken, von denen nur ein Teil in der Lage sei, die Impfungen anzubieten, etwa aufgrund der räumlichen Anforderungen. Im Vergleich dazu seien mehr als 160.000 Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Versorgungsbereich tätig, rund ein Drittel davon sind demnach Hausärzte. „Es stehen also ausreichend Ärztinnen und Ärzte für Grippeschutzimpfungen zur Verfügung. Zur Erhöhung der Durchimpfungsrate in Deutschland sind keine zusätzlichen Impfangebote notwendig, sondern gut verständliche und auf die verschiedenen Zielgruppen angepasste Informationen über das Impfen, die im Internet, auf sozialen Netzwerken, in Arztpraxen und gerne auch in Apotheken zur Verfügung gestellt werden sollten. Die Impfung selbst muss aber aus Gründen des Patientenschutzes eine ärztliche Aufgabe bleiben“, fordert der BÄK-Präsident.


Christina Müller, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (cm)
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Impfung in Apotheken

von Dr. Peter Grau am 26.04.2022 um 21:21 Uhr

Ärzte haben sich bequem und satt eingerichtet. Lange Wartezeiten, auch bei Impfungen.
In die Apotheke kann ich mich aber Mittwoch Nachmittag und auch Samstags impfen lassen.
Geht es den Ärzten etwa ums Geld?

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Impfen

von Conny am 26.04.2022 um 17:45 Uhr

Ärzte sollten Impfen und keine Medikamente abgeben. Apotheken sollten Medikamente abgeben und nicht Impfen. Ist mir zwar alles egal, aber es sind doch nur Nebelkerzen. Es wird die Apotheken nicht retten. An die wichtigen Themen geht meine Ex-Standesvertretung einfach nicht ran. Ps : meine letzten Impfungen sind alle durch eine Arzthelferin morgens um 7 gemacht worden. Ein Arzt oder Ärztin war weit und breit nicht da.

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