Volumen von bis zu 80 Millionen Euro

Noventi sammelt neues Geld ein – mit Genussscheinen

Stuttgart - 24.02.2022, 15:15 Uhr

Mit dem Angebot der Genussscheine will Hermann Sommer einen weiteren wichtigen „Baustein für Wachstum und den Ausbau unserer Marktführerschaft“ legen. (Foto: Noventi) 

Midem AngebodeGenussscheine will Hermann Sommer eineweiteren wichtigen „Bausteifür Wachstum unden Ausbaunserer Marktführerschaft“ legen. (Foto: Noventi) 


Noventi braucht Geld – laut eigener Aussage, um weiterzuwachsen. Und daran versucht das Unternehmen mithilfe von Genussscheinen zu kommen, eine Anlageform zwischen Aktie und Anleihe. In mehreren Serien sollen sie mit einem Volumen von bis zu 80 Millionen Euro ausgegeben werden, zunächst an die Mitglieder der FSA.

Wenn ein Unternehmen frisches Kapital braucht, existieren verschiedene Möglichkeiten, dieses zu bekommen. So kann es klassisch einen Kredit aufnehmen. Zudem kann es sich auf unterschiedlichen Wegen Geld von Anlegern holen. Der bekannteste führt wohl über Aktien, eine weitere Möglichkeit sind sogenannte Genussscheine. 

Von letzterer Möglichkeit macht Noventi nun Gebrauch. Laut einer Mitteilung vom heutigen Donnerstag werden Genussscheine mit einem Volumen von bis zu 80 Millionen Euro in mehreren Serien ausgegeben. Der FSA als Alleinaktionär der Noventi Health SE habe Vorstand und Aufsichtsrat ermächtigt, Genussscheine bis zu dieser Gesamthöhe zu emittieren, heißt es. Erworben werden können sie zunächst von Mitgliedern des FSA, zu späteren Zeitpunkten dann auch von Kund:innen, den Mitarbeitenden der Noventi-Group und branchennahen institutionellen Investoren. Vorstand und Aufsichtsrat haben beschlossen, die erste Serie der Genussscheine in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro den Mitgliedern des FSA anzubieten. Das Ganze soll Geld für die weitere Wachstums- und Transformationsstrategie bringen und man wolle „eine attraktive Partizipationsmöglichkeit am Erfolg von Noventi“ bieten, heißt es in der Mitteilung.

Allerdings sind Genussscheininhaber nicht nur am Erfolg beteiligt: Für den Fall eines Bilanzverlusts, werde dieser zunächst durch den Bilanzgewinn kompensiert, erklärt Noventi auf Nachfrage. Falls das nicht in voller Höhe möglich sein sollte, werde das Genussscheinkapital verwendet. Der Verlust sei dann anteilig von allen Inhabern der Genussscheine, je nach Volumen, zu tragen. Bei in Folgejahren erwirtschafteten Jahresüberschüssen werde das Genussscheinkapital vorrangig wieder aufgefüllt. 

Von der VSA e.V. zur Noventi Health SE 

Keimzelle der heutigen Noventi Health SE war der 1900 gegründete Verein der Apotheker Münchens e. V. 1967 startete dann der VBA Verrechnungsstelle der Bayerischen Apotheken e.V. als bundesweit erstes Rechenzentrum mit der elektronischen Rezeptabrechnung für die bayerischen Apotheken. Die baden-württembergischen Apotheken schlossen sich an. 1971 erfolgte deshalb die Umfirmierung in VSA Verrechnungsstelle der Süddeutschen Apotheken e.V.

Das Unternehmen expandierte weiter und erreichte schließlich eine Größe, die die Rechtsform eines e. V. nicht mehr zuließ. Seit 1983 arbeitete die VSA in der Rechtsform einer GmbH – mit FSA e. V. als einzigem Gesellschafter, der aus dem ehemaligen VSA e. V. hervorgegangen ist.

2016 wurde die VSA-Unternehmensgruppe dann zur Noventi GmbH, die gemeinsam mit der Noventi Health SE zunächst die Noventi Group bildete. 2020 wurden die beiden Schwesternkonzerne Noventi GmbH und Noventi Health SE zur Noventi Health SE verschmolzen. Alleiniger Inhaber der Noventi Health SE ist nach wie vor der FSA e.V..

Mitglied im FSA können nur Apothekerinnen und Apotheker sein, die eine Vor-Ort-Apotheke haben. Weswegen auch oft von der Noventi als apothekereigenes Unternehmen gesprochen wird. Die Mitglieder wählen eine Vertreterversammlung, die wiederum den Vorstand wählt. 

„Mit den Genussscheinen legt man einen weiteren wichtigen Baustein für das Wachstum und den Ausbau der Marktführerschaft“ erklärt Noventi Chef Hermann Sommer die Pläne mit dem frischen Geld. Weiter ins Detail geht Noventi aber nicht. Ob doch noch mehr dahintersteckt, darüber kann man also nur spekulieren. So könnten die großzügigen Maßnahmen für die ehemaligen AvP-Kunden die Finanzierungsmöglichkeiten beeinflusst haben. Vielleicht braucht man aber auch weitere Mittel fürs Prestigeprojekt gesund.de. Zudem droht mit dem E-Rezept ein Teil des Kerngeschäfts, die Abrechnung, mittelfristig an Bedeutung zu verlieren, weswegen Noventi bereits seit einer Weile die Aktivitäten Richtung Factoring verlagert. 

Alles zum Thema Genussscheine

Doch gibt es nicht aktuell billigere Wege an Geld zu kommen, zum Beispiel mit einem Kredit? Für die Genussscheine stellt Noventi dagegen bei entsprechendem Gewinn eine Verzinsung von bis zu 6 Prozent in Aussicht. Darum gehe es aber nicht, beteuert Noventi auf Nachfrage. Mit dieser Finanzierungsform schaffe man für Eigentümer, Mitarbeitende und Kunden eine neue Partizipationsmöglichkeit und unterstütze die weitere Wachstums- und Transformationsstrategie. „Wir schließen mit den Genussscheinen auch die Lücke, dass unsere Eigentümer bisher nicht konkret am Erfolg teilhaben können“, so Noventi. 

Partizipationsmöglichkeit – warum jetzt? 

Doch steht die „Partizipationsmöglichkeit am Unternehmenserfolg“, mit der Noventi die Genussscheine schmackhaft machen will, möglicherweise gar nicht im Vordergrund, sondern doch eher die Finanzierung? Vielmehr fragt man sich ja, warum es bei der Noventi und ihrer Organisationsstruktur bislang keine solche Möglichkeit gab und warum diese gerade jetzt eingeführt wird. Auf Nachfrage der DAZ erklärt Noventi, dass man schon seit längerer Zeit an eine Partizipationsmöglichkeit für die Eigentümer, Kunden und Mitarbeiter gedacht und daran gearbeitet habe. Das Genossenschaftsprinzip stehe hier im Vordergrund. So etwas brauchte Zeit. Und jetzt, nach der Strukturierung, sei der Zeitpunkt erreicht, den Zeichnungsberechtigten die Beteiligung  anbieten zu können. Da man auch in Zukunft weiter stark wachsen wolle, so wie der gesamte Markt, sei jetzt der richtige Zeitpunkt, die eigene Position durch die Ausgabe von Genussscheinen weiter zu stärken, so das Unternehmen.

Auf jeden Fall ist die Ausgabe der Genussscheine nach der Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft der nächste Schritt Richtung Kapitalmarkt. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ
jborsch@daz.online


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