Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

26.12.2021, 07:30 Uhr

Ich wünsche Ihnen eine ruhige Zeit "zwischen den Jahren" und ein wirklich gutes neues Jahr! (Foto: Alex Schelbert)

Ich wünsche Ihnen eine ruhige Zeit "zwischen den Jahren" und ein wirklich gutes neues Jahr! (Foto: Alex Schelbert)


23. Dezember 2021

Am 12. Dezember 2021 trat das Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19 in Kraft: Es erlaubt auch Apothekerinnen und Apothekern, gegen Covid-19 zu impfen. Was noch fehlt ist eine Anpassung der Coronavirus-Impfverordnung, mit der die Details geregelt werden, so zum Beispiel auch die Vergütung für die Apotheken. Aber dennoch, Apotheken, die impfen möchten, können in Prinzip schon bereits beginnen, alle Vorbereitungen zu treffen. Von der ABDA kommt dagegen reflexartig der erhobene Zeigefinger: Moment, liebe Apothekers, so einfach ist das nicht. Da müssen erst noch einige Voraussetzungen erfüllt sein! Habt ihr euch denn schon schulen lassen? Habt ihr Räume fürs Impfen? Außerdem ist da eine Software nötig, um die Impfungen an das Robert Koch-Institut zu melden und außerdem muss dies und das noch vorbereitet werden. Und ja, bitte alles ganz vorsichtig und nicht so laut, wir wollen unseren lieben Ärzten ja nicht den Impfstoff wegnehmen und ihnen  nicht auf die Füße treten. Nein, mein liebes Tagebuch, hilfreich ist das alles nicht, so eine Berufsvertretung wünscht man sich nicht wirklich. Selbst das Bundesgesundheitsministerium ist da wesentlich offener und erklärt, unter welchen Voraussetzungen Apothekerinnen und Apotheker schon gegen Corona impfen dürfen. In erster Linie müssen sie geschult sein und es müssen geeignete Räumlichkeiten vorhanden sein. Auch die Apothekerkammer Berlin geht mit gutem Beispiel voran. Sie informierte umgehend ihre Mitglieder, was genau zu tun ist und wie ein Impfmanagement aussehen könnte. Im Gegensatz zum ABDA-Gedöns ist das ein gutes und konstruktives Angebot einer Kammer. Das macht Mut, schaut mit Elan und Zuversicht nach vorne und stärkt das Engagement der Apotheken, die bereit sind zu impfen – so etwas ist in diesen Zeiten weit wichtiger als die Bremsfunktion der ABDA. Vielleicht möchte die ABDA aber auch von den eigenen Versäumnissen ablenken. Wenn man sich erinnert, dass die ABDA-Präsidentin schon vor mehreren Monaten unserem damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn signalisierte, dass unsere Apotheken bereitstünden zu impfen, ist wohl seitdem nicht wirklich viel geschehen. Eine Berufsorganisation, die im Friedensfall laut tönt, man sei bereit zu kämpfen, im Kriegsfall aber jede Vorbereitung vermissen lässt, macht nur traurig. Warum hat man nicht schon längst bundesweit mit den Impf-Schulungen begonnen? Warum hat man nicht schon längst Pläne und Leitlinien ausgearbeitet, was zu tun ist, wenn man in die Impfungen einsteigen möchte? Und warum hat man nicht schon längst das Apothekerportal des Deutschen Apothekerverbands mit entsprechender Software ausgestattet, die die Meldungen der Impfungen an das Robert-Koch-Institut ermöglicht? Das ist doch wirklich kein Hexenwerk, Impfzentren und Ärzte können doch auch ans Robert Koch-Institut melden. Mein liebes Tagebuch, wir können im Angesicht von Omikron wirklich jede, aber auch wirklich jede Apotheke, die impfen möchte, dringend gebrauchen, um zu boostern oder Erst-Impfungen vorzunehmen. Gut, dass es Apothekerinnen und Apotheker gibt, die nicht auf den Segen von oben warten, sondern handeln. Ein Beispiel dafür ist der sächsische Apotheker Robert Herold aus Falkenstein, der bereits seit 17. Dezember gegen Covid-19 impft. Er tut dies, obwohl noch nicht feststeht, wie die Dokumentation genau zu erfolgen hat und wie viel Honorar es gibt. Er macht es quasi „auf eigene Rechnung“. Selbst das Problem der Impfstoffbeschaffung hat er gelöst.

 

Da steht es schon eher den Juristen und Juristinnen zu, mal auf einige rechtliche Aspekte der neuen Impf- Dienstleistung in der Apotheke hinzuweisen. Dennis Effertz, Apotheker und Medizinrechtler, gibt im DAZ.online-Interview einige Hinweise und Tipps, die man wissen sollte. Alles gut und alles richtig, mein liebes Tagebuch, mit dem Impfen ist es vermutlich ein bisschen so wie mit dem Autofahren: Wenn man alle möglichen Gefahren, Ordnungswidrigkeiten und Verstöße gegen das Verkehrsrecht, und all das, was passieren könnte, immer vor Augen hat, lässt man es am besten. Die Wirklichkeit scheint allerdings anders auszusehen, wie der tägliche Straßenverkehr zeigt. Also, ein bisschen Courage, Zutrauen, Mut und Selbstbewusstsein gehören wohl dazu, in die Impfungen einzusteigen.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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5 Kommentare

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von Anita Peter am 27.12.2021 um 11:39 Uhr

Es ist peinlich für die Bundesrepublik Deutschland, dass man das RXVV, was in anderen Ländern längst der Normalfall ist, nicht hinbekommt.

Verschiebung E-Rezept

von Sabine Schneider am 26.12.2021 um 11:01 Uhr

Danke Frau Oberdingsbums, Danke Abda lol:)

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Mut hilft immer .. .auch beim Impfen!

von Ulrich Ströh am 26.12.2021 um 8:55 Uhr

Stimmt , Herr Ditzel, wenn der Apotheker an der grünen Ampel nur auf die Scheibenbremse tritt, kommt das eigene Auto nicht über die Kreuzung..

Auch nicht mit eingeschaltetem Martinshorn!

Wäre schön und notwendig, wenn die ABDA das zeitnahe Impfen in und mit der Apotheke als gelungenen Einstieg in die pharmazeutischen Dienstleistungen für das kommende Jahr ansieht.

Mehr Mut bitte!

Und frohe Weihnachten!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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