Mögliche Cannabis-Legalisierung

ABDA zeigt sich gesprächsbereit

Stuttgart - 22.10.2021, 15:15 Uhr

Es spricht einiges dafür, dass Cannabis zu Genusszwecken in Deutschland künftig in „lizenzierten Fachgeschäften“ abgegeben werden darf. Offen ist, ob auch Apotheken die Droge verkaufen sollen. (c / Foto: Rob / AdobeStock)

Es spricht einiges dafür, dass Cannabis zu Genusszwecken in Deutschland künftig in „lizenzierten Fachgeschäften“ abgegeben werden darf. Offen ist, ob auch Apotheken die Droge verkaufen sollen. (c / Foto: Rob / AdobeStock)


Nächste Woche geht es bei den Koalitionsverhandlungen in die Tiefe. Ein Thema, bei dem sich SPD, Grüne und FDP bereits sehr nahe sind, ist Cannabis: Sie alle halten das generelle Verbot von Besitz und Konsum für hinfällig und plädieren für eine kontrollierte Freigabe. Offen ist bislang, wer Cannabis zum „Freizeitgebrauch“ abgeben soll. Sollten dabei Apotheken eine Rolle spielen, hat die ABDA sich bereits intern mit einer reaktiven Sprachregelung gewappnet. Sie fürchtet einen „heilberuflichen Zielkonflikt“.

Das Ringen um Gemeinsamkeiten wird den möglichen Ampel-Koalitionären in mindestens einem Punkt wohl leicht fallen: SPD, Grüne und FDP sprechen sich in ihren Wahlprogrammen für eine Liberalisierung des Umgangs mit Cannabis aus. Während Grüne und FDP dabei einen sehr ähnlichen Kurs verfolgen, fassen die Sozialdemokraten zunächst eine kontrollierte Freigabe im Rahmen von Modellprojekten ins Auge. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte Mitte Oktober gegenüber der „Rheinischen Post“ erklärt, dass er eine Festschreibung der Cannabis-Legalisierung im Koalitionsvertrag befürworte. So könnten zum Beispiel Gesundheitsgefahren, die aus dem Schwarzmarkthandel resultieren, minimiert werden.

Mehr zum Thema

Offen ist bislang, über welche Stellen und mit welchem Personal Cannabis an die Bevölkerung abgegeben werden könnte. Die Grünen würden die Droge gerne über „lizenzierte Fachgeschäfte“ verkaufen lassen. Diese Ansicht teilt auch die FDP, wobei sich die Liberalen auch Apotheken als Abgabestelle vorstellen könnten. FDP-Chef Christian Lindner hatte diese Idee bereits im März 2020 gegenüber der DAZ geäußert und den Vorschlag vor rund einer Woche noch einmal wiederholt. Sollten dabei zunächst Modellprojekte nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten eine Rolle spielen, wäre es denkbar, dass die Apotheken hierbei tatsächlich eine bedeutende Rolle spielen könnten.

In den nun anstehenden Koalitionsverhandlungen wird man sicher einen Passus zum Thema für den Koalitionsvertrag formulieren. Ob dieser dann bereits die Abgabefrage klärt, sei dahingestellt. Der ABDA-Gesamtvorstand hat die mögliche Beteiligung der Apotheken bei der Distribution auch schon besprochen. Und die ABDA-Stabsstelle Kommunikation hat die Kollegen und Kolleginnen in den Mitgliedsorganisationen über eine Sprachregelung informiert, die im Falle von Anfragen bei Bedarf reaktiv eingesetzt werden könne.

Ein heilberuflicher Zielkonflikt

In dem Schreiben heißt es im ersten Punkt: „Ob Cannabis zu Genusszwecken legalisiert werden soll, ist eine Entscheidung, die Gesellschaft und Gesetzgeber treffen müssen.“ Bei der Frage des Vertriebsweges seien auch die Apotheken in der Diskussion. Für Apothekerinnen und Apotheker stelle sich hier ein heilberuflicher Zielkonflikt. Einerseits gehörten Drogen zu Genusszwecken nicht in die Apotheke. Andererseits müsse bei einer Legalisierung auch ein sicherer Vertriebsweg zur Verfügung stehen, der die Konsumentinnen und Konsumenten schützt. „Unter klaren Vorgaben“ sei die Abgabe in Apotheken „grundsätzlich denkbar“, heißt es in dem Schreiben an die Kommunikationsverantwortlichen. Es bräuchte jedoch Abgaberegeln, die ein hohes Schutzniveau insbesondere für junge Menschen sicherstellen und im Apothekenalltag praktisch umsetzbar sind. Die Sprachregelung schließt ab mit der Perspektive, dass bei einer Legalisierung von Cannabis die Apothekerschaft gesprächsbereit sei und an einer Lösung mitarbeiten würde, „die den Besonderheiten von Cannabisprodukten unter Qualitäts- und Sicherheitsaspekten Rechnung trägt“. 


Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Ampel-Koalition könnte Kurswechsel im Umgang mit Rauschmitteln einläuten

Cannabis-Liberalisierung mit oder ohne Apotheken?

Die Offizin als mögliche Cannabis-Verkaufsstelle – ein Pro und Kontra

Vor dem „Kiffen“ in die Apotheke?

Verband der Cannabis versorgenden Apotheken

„Prävention kann am besten in der Apotheke stattfinden“

FDP-Bundestagsfraktion beantragt Freigabe von Cannabis zu Genusszwecken

Kommt der Joint aus der Apotheke?

12 Kommentare

Komment

von Drluzack am 06.11.2021 um 16:54 Uhr

Bei einer falschen weltansicht kann man ihnen leider auch nichtmehr helfen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Legalisierung

von Dominnic am 03.11.2021 um 12:41 Uhr

Das die Polizeigewerkschaft will das Gras illegal bleibt ist logisch und jedesmal wird wegen der Jugend argumentiert,
Das es um Erwachsenenentkriminalisierung geht übergeht jeder,
Wäre ich polizeigewerkschafter wäre ich auch eher dafür ruihge kiffer hopps zu nehmen als verstärkt den Aggressionsbehafteten kokaindealer.

Ich selbst habe 2013 illegal gras aus eigenanbau und sonst nichts verkauft das natürlich an Erwachsene und ich habe völlig zurecht 3 Jahre Bewährung erhalten ,die an harte Auflagen wie Screenings, sozialstunden und extrem hohe Geldstrafe gebunden waren. Ich betone ich bereue die Tat bis heute !
Ich hatte fast 40 beamte auf meinem Gelände und war kooperativ vom feinsten,ich konnte mich mittlerweile mit sehr vielen Beamten im Dienst unterhalten davon will die klare Mehrheit keine Kriminalisierung mehr von thc.

Man muss Erwachsene Konsumenten die ihren Eigenbedarf decken schützen,
Täter die allerdings an minderjährige weitergeben sollten meiner Meinung nach dann auch nach kindesmissbrauchsrecht verurteilt werden mit lebenslänglichem Eintrag und man sollte minimum 5 Jahre verhängen bei erstvergehen und bei wiederholungstätern über Sicherheitsverwahrung nachdenken.

Alkohol ab 16 is legal is klar !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentare

von Mbsen am 03.11.2021 um 11:42 Uhr

Die Frage sollte sein, wollen die Konsumenten überhaupt eine Abgabe in Apotheken!
Und das wollen die meisten gar nicht!
Konsumenten wollen Fachgeschäft und Sozial Clubs. Man sollte die Regulierung in die Hände des Staates gehen, aber sich an den Konsumenten orientieren, denn der will es kaufen!
Zumal eine Apotheke nicht der richtige Ort, ist!
Man will sich in Ruhe beraten lassen, ohne das jeder meiner Nachbarn weiß, daß ich konsumiere!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

cannabisabgabe über Apotheken

von pille62 am 25.10.2021 um 8:58 Uhr

.....wie mancher bereits darüber denkt, lässt sich gut in der HEUTE-SHOW, mit Oliver Welke ansehen.
Da werden die Apotheker mal wieder gut durch den Kakao
gezogen.
Botschaft, die kriegen den Hals nicht voll!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Cannabis in Apotheken

von Birgitta Scheuerer am 23.10.2021 um 10:32 Uhr

Ich hoffe nur, dass die Mehrheit der Apotheker( innen) sich dagegen wehrt, Drogen abgeben zu müssen. Abgesehen von den gesundheitlichen Folgeschäden vor allem für junge Leute ( der volljährige besorgt den Stoff dann für seine minderjährigen Klassenkameraden), fürchte ich mich vor dem Szenario im Nachtdienst. Schon heute wird man wegen jeder Kleinigkeit rausgeklingelt, da ist dann Nachts die Hölle los. Und wenn der Abhängige kein Geld hat, wird es für uns auch richtig gefährlich. Ich und viele Kolleginnen sind dann nicht mehr bereit, Nachtdienst zu verrichten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Cannabis in Apotheken

von Roland Follner am 27.10.2021 um 13:46 Uhr

Das Gras frei zu geben finde ich super. Ich selbst habe sehr lange konsumiert, und kann es wirklich nur empfehlen es zu legalisieren. Auch der Ausstieg den ich vor 11 Jahren hatte, war kein Problem Und ohne Probleme.

AW: Cannabis in Apotheken

von Anker am 27.10.2021 um 16:05 Uhr

Und der Dealer verkauft dem Minderjährigem wahrscheinlich nichts oder? Der Unterschied ist: Der Dealer hat auch noch Meth und Kokain im Angebot, die Apotheke nicht.
Und niemand überfällt wegen Cannabisentzug eine Apotheke. Dann müsstet ihr ja ständig Heroinsüchtige haben die euch wegen den Opiaten überfallen. Passiert wahrscheinlich nicht so oft oder?

Doppelmoral

von Thorsten am 22.10.2021 um 17:10 Uhr

Welch Doppelmoral in den Apotheken wimmelts doch nur so von Drogen aller Art. Komisch Dr Diefenbacher warum diese nicht auch verdreckt abgegebn werden. Man könnte meinen man hätte aus den Folgen der Alkoholprohibition aus den Staaten gelernt aber nein das hat man bei weitem nicht. Das Ergebnis lässt sich auf dem wohl blutigsten Kontinent Südamerika bestaunen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Mal eine ganz profan-praktische Überlegung

von gabriela aures am 22.10.2021 um 16:02 Uhr



Das ist doch DIE Einladung zum Einbruch/Überfall -
endlich weiß der geneigte Konsument (m,w,d), wo das Zeug liegt.
Darüber schon mal mjemand nachgedacht ?
oder sehe ich das zu kritisch ?
Und dann Risikozuschlag bei der Vetsicherung ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Mal eine ganz...

von Alois am 22.10.2021 um 17:33 Uhr

Sie verwechseln gerade den Konsum von weichen Drogen mit Opiaten.
Diese Art von Beschaffungskriminalität konnte man bisher bei Cannabis nicht beobachten.

ABDA und Cannabis

von Dr.Diefenbach am 22.10.2021 um 15:59 Uhr

So ein Irrsinn!!! Wie kann man nur so gutgläubig sein anzunehmen dass eine wie auch immer geartete Legalisierung von Cannabis "entkriminalisiert".Der Einstieg in die nächste Drogensystematik ist damit vorprogrammiert, denn der Dealer an sich wird Mittel und Wege finden:Durch "geeignete" Massnahmen interessierte Raucher und Konsumenten umzuerziehen.UND:Hat man die warnenden Stimmen der Medizin gerade in der letzten Zeit zu dem Thema eigentlich nicht gehört?Liest auch bei "uns" keiner mehr die Fachliteratur, ich verweise auf zB auf Veröffentlichungen in "Pharmakon" (2017,aber aktuell!!!), oder Auf " AM-Wirkungen" von Prof .Mutschler,11.Auflage
ab S.282 ff.,ODER die Statements der Polizeigewerkschaft zu dem Thema.ODER man lese nach wie das mit der Toleranzfindung in Holland aus dem Ruder gelaufen IST.
Man kommt ja nicht daran vorbei, dass die Drogenszene mittlerweile dort eine Parallelgesellschaft errichtet hat und-nachweisbar-sogar den Ministerpräsidenten bedroht.WEGEN der "Vormachtstellung" auf dem Drogensektor.Ich empfehle hierzu einen ganzseitigen Beitrag in der FAZ!!
Dazu kommt die Frage:.ÜBERALL hat zB die Zigarettenwerbung zu verschwinden, man möchte sogar das Rauchen im Auto verbieten...GLEICHZEITIG erhebt man dann die Cannabis-Strukturen ins "Legale".Was hat unser System davon wenn das Eine aus gesundheitlichen Gründen am Besten abgeschafft wird(Rauchen),aber das Andere hoffähig wird?? Ich kenne ja die einfältigen Aussagen aus meiner kommunalpolitischen Szene:"ES muss entkriminalisiert werden",Wenn DAS das Hauptargument ist:OH WEI.Und wie ich die ABDA Spitze einschätze:Man ist so gesprächsbereit dass am Schluss die "Verständnisstruktur" siegen wird, irgendein wüster Kompromiss auch hier. Passt ja in die Strukturvorstellungen der neuen Politikline,die dann ab 2022 auch hier
die Wege bestimmt.Sicher gibt es auch genug aus dem KollegInnenkreis die gerne mit agieren.Man darf sich ja nichts entgehen lassen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: ABDA und Cannabis

von Alois Wies am 22.10.2021 um 17:29 Uhr

Die Niederlande haben ein ganz anderes System.
Die Shops werden dort illegal von der Hintertür beliefert da die Niederlande es verschlafen hat einen staatlichen Markt zu schaffen.
Somit ist Ihre gesamte Argumentation hinfällig.
Kanada hat auch deutlich bewiesen wie gut ein solches System funktioniert.
Und wenn Sie der Meinung sind der Schwarzmarkt ermöglicht einen besseren Jugendschutz als eine Apotheke stehen Sie wohl alleine da.

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.