Neben Testzentren und Gesundheitsämtern

Lauterbach will in Apotheken gegen Corona impfen lassen

Berlin/Stuttgart - 11.10.2021, 10:45 Uhr

In Karl Lauterbachs Augen sollte es möglich sein, in Apotheken gegen COVID-19 zu impfen. (Foto: IMAGO / Political-Moments)

In Karl Lauterbachs Augen sollte es möglich sein, in Apotheken gegen COVID-19 zu impfen. (Foto: IMAGO / Political-Moments)


Auch wenn die Impfquoten offenbar höher sind als gedacht und möglicherweise 80 Prozent der Erwachsenen vollständig gegen Corona geimpft sind, eine Entwarnung bedeutet das nicht. Laut RKI müssen nämlich mindestens 85 Prozent der über 12-Jährigen einen vollständigen Impfschutz aufweisen, um das Infektionsgeschehen in Schach zu halten. Um die Impfquoten anzukurbeln, fordert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nun, unter anderem Apotheken in die Impfkampagne miteinzubeziehen.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass nach einer neuen Auswertung des Robert Koch-Instituts unter den Erwachsenen offenbar bereits bis zu 84 Prozent mindestens einmal und bis zu 80 Prozent vollständig gegen COVID-19 geimpft sind und damit etwa 5 Prozent mehr als in der Meldestatistik erfasst. Die Impfkampagne sei „noch erfolgreicher als bisher gedacht“, sagte Gesundheitsminister Spahn (CDU) in Bezug auf die RKI-Auswertungen gegenüber der dpa. „Das gibt uns zusätzliche Sicherheit für Herbst und Winter. Wir wollen mit Umsicht und Vorsicht Schritt für Schritt zurück in Freiheit und Normalität.“ Die demnach nun erreichten Impfquoten machten es möglich, draußen auf Vorgaben etwa zum Tragen medizinischer Masken zu verzichten. In Innenräumen blieben Zugangsregeln für Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) mit der Option für 2G nur für Geimpfte und Genesene wichtig – ebenso Hygieneregeln mit Abstand und Masken besonders in Bus und Bahn.

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Um sich entspannt zurückzulehnen, reicht die erreichte Impfquote aber anscheinend auch noch nicht. Um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen, braucht es laut RKI eine Impfquote von mindestens 85 Prozent – allerdings nicht nur bei den Erwachsenen, sondern bei allen über 12-Jährigen. Bei über 60-Jährigen müssen sogar über 90 Prozent vollständig geimpft sein. Weil die Impfquoten aber aktuell kaum noch steigen, möchte SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach die Orte, an denen man sich impfen lassen kann, ausweiten. Dabei hat er Medienberichten zufolge auch Apotheken im Visier.

Lauterbach: Impfung in der Apotheke, Nachsorge beim Hausarzt

Gegenüber der „Welt am Sonntag“ sagte der Bundestagsabgeordnete, der gerade wieder sein Direktmandat verteidigen konnte: „Die Impfbereitschaft ist zum Erliegen gekommen. Um sie wieder anzukurbeln, brauchen wir dringend unkonventionelle Wege. Wir werden im Herbst und Winter steigende Fallzahlen haben und können es uns nicht leisten, weiterzumachen wie bisher. Die Zeit rennt uns davon.“ Lauterbach wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass mehrere Tausend Apotheken diese Saison Grippeimpfungen anbieten, es sollte daher in seinen Augen möglich sein, dort auch gegen COVID-19 zu impfen. Die Apotheker könnten dies bedenkenlos übernehmen, da es beim Impfvorgang selbst „so gut wie nie“ Komplikationen gebe, so der Mediziner. Sinnvoll ist laut Lauterbach dabei auch eine Kombinationsimpfung: „Linker Arm Grippeimpfung, rechter Arm COVID-Impfung“. Eine eventuelle Nachsorge sieht Lauterbach dem Welt-Bericht zufolge dann beim Hausarzt.

Thema wurde bereits beim  DAT diskutiert

Beim Deutschen Apothekertag wurde das Thema COVID-19-Impfungen in der Apotheke diskutiert. ABDA-Präsidentin Overwiening ging unter anderem darauf ein, dass die Apotheken bei diesem Thema in Opposition zur Ärzteschaft gerieten, sei ein ärztliches Politikum, das sich nicht mit den Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen Apotheker bereits impfen, rechtfertigen lasse. Dort werde vielmehr sichtbar, dass die Apotheken dem Gesundheitssystem durch Impfangebote eine ganz andere Zielgruppe erschlössen, die gerade nicht von den Arztpraxen erreicht werde. Damit werde gemeinsam das übergeordnete Ziel einer besseren Impfquote erzielt, die gerade jetzt bei der Corona-Impfung so unfassbar wichtig sei.

Mit einer deutlichen Mehrheit von rund zwei Dritteln stimmten die Delegierten schließlich dem Antrag des Berliner Apotheker-Vereins zu, den Gesetzgeber aufzufordern, „Apotheken unter geeigneten Voraussetzungen in die Durchführung von COVID-19-Auffrischimpfungen einzubinden und damit einen zusätzlichen sicheren und niedrigschwelligen Zugang zu diesen Impfungen für die Menschen in Deutschland zu schaffen“. Allerdings wurde in der Diskussion auch zu bedenken gegeben, dass das Vorhaben für diesen Winter zeitlich eigentlich nicht mehr umsetzbar sei – vor allem vor der Hintergrund derzeit laufenden Koalitionsvorhandlungen, die eine gesetzlichen Umsetzung des Vorhabens erschweren.

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Vom aktuellen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn scheint – zumindest Stand DAT – hier auch keine Unterstützung zu erwarten zu sein, obwohl er seinerseits ausdrücklich die Modellprojekte zur Grippeimpfung in Apotheken gefordert hatte. Zu den COVID-19-Impfungen in der Apotheke äußerte er nun aber beim Deutschen Apothekertag, dass angesichts des hohen Beratungsbedarfs bei einem neuen Impfstoff und der Widerstände in der Ärzteschaft jetzt nicht die richtige Zeit dafür sei.



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