Verbändeportal

DAV: Heute keine Impfzertifikate, morgen weitere Infos

Stuttgart - 27.07.2021, 16:45 Uhr

Seit vergangener Woche Mittwoch können Apotheken keine Impfzertifikate mehr ausstellen. (Foto: jb / DAZ)

Seit vergangener Woche Mittwoch können Apotheken keine Impfzertifikate mehr ausstellen. (Foto: jb / DAZ)


Wann gibt es wieder digitale Impfzertifikate? Diese Frage brennt den Apotheken unter den Nägeln. Insbesondere auch deswegen, weil zahlreiche Medien berichteten, dass es seit dem gestrigen Montag wieder möglich sein soll. Vom DAV ist zu erfahren, dass er mit dem BMG sowie der Gematik, IBM und dem RKI derzeit mit Hochdruck an einer technischen Lösung arbeite, um es den Apotheken schnellstmöglich wieder zu ermöglichen, auf sicherem Wege digitale Impfzertifikate auszustellen. Einen Termin gibt es aber nicht. 

In zahlreichen Medien war zu lesen, dass es am Montag, also gestern, in den Apotheken wieder Impfzertifikate geben soll. Die Realität sieht aber anders aus. Die Apotheken können immer noch nicht wieder auf das Portal zugreifen, seit Mitte vergangener Woche ist das Ausstellen von Zertifikaten gestoppt. Hintergrund war, dass sich IT-Experten mit einer Fake-Apotheke sehr einfach Zugang zum Portal verschafft hatten. Zudem sollen gefälschte Zertifikate im Umlauf sein, die angeblich in Apotheken erstellt wurden.

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Eine genaue Auskunft, wann wieder Impfzertifikate ausgestellt werden, können Apotheken ihren Kunden und Kundinnen derzeit also nicht geben. Zur Urlaubszeit fallen die Reaktionen entsprechend ungehalten aus. Auch gegenüber der DAZ hält sich der Deutsche Apothekerverband (DAV) bedeckt. Auf Nachfrage heißt es: „Die Apotheken werden aktuell auf dem Verbändeportal des DAV informiert. Der DAV und das BMG arbeiten mit der Gematik, IBM und RKI derzeit mit Hochdruck an einer technischen Lösung, um es den Apotheken schnellstmöglich wieder zu ermöglichen, auf sicherem Wege digitale Impfzertifikate auszustellen. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird dies heute Dienstag 27.7.2021 nicht zu realisieren sein. Der DAV wird morgen Mittwoch 28.7.2021 erneut über den aktuellen Stand auf dem Dashboard des DAV-Portals informieren.“

Angeblich nur Nicht-Verbandsmitglieder betroffen

Laut DAV sind von der Sicherheitslücke nur die wenigen hundert Apotheken potenziell betroffen, die nicht Mitglied des DAV sind. Alle erteilten Zugänge würden bereits überprüft und verifiziert, hieß es bereits vergangene Woche. Nach aktuellem Kenntnisstand sei es zu keinem Betrug bei der Erstellung von Impfzertifikaten gekommen. Weiter hieß es, dass alle Apotheken, die dies wünschen, in dieser Woche schrittweise wieder Zugriff auf das DAV-Portal erhalten, sodass sie auch wieder Impfzertifikate ausstellen können. Das ist aber bekanntermaßen noch nicht geschehen.

Künftig soll die Ausstellung dann über die TI laufen. DAV, IBM, Gematik und BMG arbeiten laut DAV gemeinsam daran, „die Sicherheit bei der Ausstellung von Impfzertifikaten durch eine Einbindung dieses Prozesses in die sichere Telematikinfrastruktur insgesamt noch weiter zu erhöhen“. Wann das dann aber der Fall sein soll, ist auch unklar.

Außerdem droht weiteres Ungemach. Es schaltet sich nämlich auch die Berliner Datenschützerin, Maja Smoltczyk, in den Vorfall ein: Sie prüft, inwiefern durch die Sicherheitslücke Unberechtigte Zugriff auf personenbezogene Daten erhalten haben. Der DAV wird dazu eine Stellungnahme abgeben müssen.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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3 Kommentare

Ausfall auf ganzer Linie

von J.M.L. am 27.07.2021 um 19:22 Uhr

Dass sich jemand mit gefälschten Dokumenten Zugang verschafft ist keine Lücke und auch nicht peinlich... Kriminelle wird es immer geben.
Peinlich ist hingegen, dass das System nach so langer Zeit noch immer nicht online ist !!!! Vor allem wenn nur der Gastzugang mit wenigen darüber registrierten Apotheken überhaupt betroffen war. Das ist wirklich ein Totalausfall...

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AW: Ausfall auf ganzer Linie

von A. Bäuml am 28.07.2021 um 7:25 Uhr

Wenn aber die gefälschten Dokumente anscheinend so gar nicht überprüft werden, wirft das ein nicht allzu gutes Licht auf unseren Berufsstand und vor allem unsere Vertreter. Das ist geradezu eine Steilvorlage für alle, die jetzt schon keine gute Meinung von uns haben..
Noch desaströser ist da nur das Krisenmanagement - zwei IT-Profis haben uns gezeigt, wie leicht unser System auszuhebeln ist - das ist für uns sehr wohl mega-peinlich, das sind aber nicht zwei „Kriminelle“, sondern Leute, die wir in der digitalen Zukunft dringend brauchen, um Fehler im System rechtzeitig zu finden und nicht krachend Schiffbruch zu erleiden..

Zertifikate

von Andreas Kronsbein am 27.07.2021 um 18:21 Uhr

Es scheint beinahe, als ob ein Überleben ohne dieses Zertifikat nicht möglich ist....

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