E-Rezept-Start in der Fokusregion Berlin-Brandenburg

Das E-Rezept kommt mit kleinen Schritten

Berlin - 30.06.2021, 13:45 Uhr

Das E-Rezept kommt nicht von heute auf morgen, sondern mit vorsichtigen ersten Übungen. (Foto: Photo-SD / AdobeStock)

Das E-Rezept kommt nicht von heute auf morgen, sondern mit vorsichtigen ersten Übungen. (Foto: Photo-SD / AdobeStock)


Das E-Rezept kommt! Allerdings in kleinen Schritten. Die Testphase in der Fokusregion Berlin-Brandenburg startet diese Woche – und es sind erst einmal nur eine einzige Apotheke in Berlin-Schöneberg und eine Arztpraxis, in denen zu Beginn verschiedene Testszenarien simuliert werden. Dann sollen sich nach und nach mehr Apotheken und Praxen anschließen. Die erste „echte“ E-Rezept-Abrechnung wird erst Anfang August erwartet.

„Auf Herz und Nieren“ werden die Verantwortlichen in Kürze alle Verordnungs- und Einlöseprozesse rund um das E-Rezept in der Praxis überprüfen. Der für den 1. Juli angekündigte Start in der Fokusregion Berlin-Brandenburg verschiebt sich auf den 2. Juli, wie der zunächst einzige beteiligte Apotheker, Konstantin Lamboy, Inhaber der Feurig Apotheke in Berlin-Schöneberg, gegenüber DAZ.online erklärte. Er und ein im selben Haus ansässiger Allgemeinarzt machen den Anfang. Lamboy war schon beim E-Rezept-Modellprojekt im Rahmen der Zukunftsregion Digitale Gesundheit (ZDG) dabei. Dass es in diesem ersten, vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Projekt, bei ihm gut lief, ist wohl auch der Grund, warum er nun der Erste im von der Gematik und ebenfalls der ZDG begleiteten Projekt ist. Lamboys Warenwirtschaftsanbieter Pharmatechnik ist tatsächlich „E-Rezept-­ready“. Anders sieht es bei den meisten Praxissoftwareanbietern aus. Viele große Vertreter haben laut Auskunft der Projektverantwortlichen signalisiert, erst ab Oktober bereit zu sein.

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Zunächst werden nun also im Schöneberger Kleinstmodell verschiedene Fallkonstellationen geprüft. Wenn diese Tests positiv verlaufen, werden im nächsten Schritt weitere Apotheken mit unterschiedlichen Warenwirtschaftssystemen einbezogen, informiert der Apothekerverband Brandenburg. Die Gematik geht davon aus, dass die ersten Testungen im Juli abgeschlossen sein werden und E-Rezepte dann im echten Versorgungsprozess Einzug halten.

Die Anzahl der teilnehmenden Arztpraxen und Apotheken wird dann langsam sukzessive erhöht. Das Ziel sei, mit möglichst vielen Softwaresystem-Kombinationen Erfahrungen zu sammeln und Erkenntnisse zu gewinnen, wie „robust“ die Lösung im Hinblick auf die Interoperabilität der vielen Systeme ist, die beim E-Rezept zusammenarbeiten müssen. Man will Feedback aus der abgesteckten Region erhalten, bevor auf Basis dieser Erkenntnisse die bundesweite Einführung im vierten Quartal avisiert wird. Begleitet und evaluiert wird das Projekt von Moysies & Parnter, die auch schon für das ZDG-Projekt tätig waren.

Erste Tests mit Friendly Usern

Seitens der Krankenkassen sind die AOK Nordost sowie die IKK Berlin Brandenburg mit von der Partie – jeweils stellvertretend für ihre Kassenarten. Die ersten teilnehmenden Versicherten werden Freiwillige sein, sogenannte Friendly User. Sobald die Systeme die notwendige Stabilität erreicht haben, wird es auch aus der normalen Regelversorgung heraus E-Rezepte geben. Wann das genau sein wird, lässt sich allerdings noch nicht sagen, so der Apothekerverband Brandenburg.

Die vertragliche Grundlage für die spätere Abrechnung der E-Rezepte besteht bereits. Derzeit arbeiten die Rezeptabrechnungsstellen und Krankenkassen beziehungsweise ihre Abrechnungsdienstleister aber noch daran, sie auch fristgerecht umzusetzen. Die erste „echte“ E-Rezept-Abrechnung wird laut Apothekerverband Brandenburg Anfang August erstellt werden und an die Kassen übertragen.

Apotheken in der Fokusregion Berlin/Brandenburg, die an der Testphase teilnehmen möchten, können sich unter www.mein-apothekenportal.de durch Aktivierung des Schalters „E-Rezept-Testphase“ im Bereich der Erfassung/Änderung von Betriebsstätte/n anmelden. Die Teilnahme während der Testphase wird jedoch nur möglich sein, wenn eine Arztpraxis in der Nähe ebenfalls teilnimmt. 


Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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1 Kommentar

Interessiert die Apotheker das Thema nicht?

von Franz-Josef Müller am 03.07.2021 um 16:14 Uhr

Für einen Außenstehenden (Volkswirt) steht "eRezept" für den Startschuss zu einem Marktumbruch. Stationäre Apotheken werden erhebliche Konkurrenz durch online-Apotheken bekommen. Zur Rose / DocMorris hat schon seit Wochen TV-Spots geschaltet, um die Patienten mit eRezept zu sich zu lotsen.

Bei einem 55Mrd-Markt würde es mich zudem sehr wundern, wenn Amazon nicht in den Markt eintreten würde. Dann wäre das Ergebnis vorhersagbar:
Viele Präsenzapotheken werden das nicht überleben. Allerdings ist das nur EIN Effekt von vielen.

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