Sprays bei Halsschmerzen

Locabiosol ist weg – was nun?

Stuttgart - 14.10.2016, 09:40 Uhr

Ein feuerroter Hals: Halsschmerzpatienten erfreuen sich selten eitel daran wie der Flamingo. (Foto. xfargas / Fotolia)

Ein feuerroter Hals: Halsschmerzpatienten erfreuen sich selten eitel daran wie der Flamingo. (Foto. xfargas / Fotolia)


Locabiosol hatte überzeugte Fans bei halsschmerzgeplagten Patienten. Seit Mai 2016 gibt es das Fusafungin-haltige Spray allerdings nicht mehr in der Apotheke. Welche alternativen Halssprays kann der Apotheker bei Halsschmerzen empfehlen?

Die Locabiosol®-Schublade ist leer, Patienten suchen vergeblich die Sichtwahl der Apotheke nach der vertrauten orange-weißen Verpackung ab. Sie sind nicht selten erbost, wenn sie nicht fündig werden – und auch künftig keine Chance besteht, Fusafungin-Beute in der Apotheke zu machen. Die Zulassung des Nasen- und Rachensprays ist seit Mai 2016 widerrufen.

Zum Hintergrund: Bereits im Anfang 2016 kam die EMA zu einer negativen Nutzen-Risiko-Bewertung für das Stada-Arzneimittel Locabiosol® mit dem lokal antibiotischen Wirkstoff Fusafungin. Begründet hat die europäische Arzneimittelbehörde ihre Einschätzung mit dem Auftreten allergischer Reaktionen bei Anwendung des Sprays. Als Konsequenz dieser Entscheidung widerrief das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zum 28. Mai 2016 die Zulassung von Locabiosol®.

Fakt ist: Locabiosol® ist weg. Apotheker stehen nun vor dem nächsten Winter, vor leidenden Halsschmerzpatienten und vor dem Problem, überzeugten Locabiosol®-Patienten gute Alternativen – vorzugsweise auch zum Sprühen – zu empfehlen. Gerade bei Halsschmerzen suchen Patienten primär Rat in der Apotheke, die wenigsten Patienten mit Halsschmerzen gehen zum Arzt. Laut Untersuchungen aus Kanada suchen nur etwa zehn Prozent wegen ihrer Halsschmerzen ärztliche Hilfe.

Enttäuschte Patienten und das lokaltherapeutische Portfolio

Ob zum Lutschen, Gurgeln oder Sprühen: Arzneimittel bei Halsschmerzen erfreuen sich gerade in der Selbstmedikation großer Beliebtheit. Wie auch Locabiosol® enthalten viele Präparate lokalantiseptische Wirkstoffe oder versuchen durch Lokalanästhetika, den Halsschmerz der Patienten zu betäuben. Auch Kombinationen beider Wirkprinzipien sind in der Apotheke prominent vertreten. Die Evidenz für diese Präparate ist dünn, und die DEGAM-Leitlinie (derzeit in der Aktualisierung) bezieht klar Stellung zum lokaltherapeutischen Portfolio:


Die Anwendung von Lutschtabletten, Gurgellösungen und Rachenspray mit Lokalantiseptika und / oder Lokalanästhetika oder Antibiotika wird nicht empfohlen. 

Halsschmerz-Leitlinie der DEGAM


Als Mittel der Wahl empfiehlt die Leitlinie systemische Analgetika und NSAR. Ibuprofen und Paracetamol seien vergleichbar verträglich, wobei Ibuprofen eine stärkere schmerzhemmende Wirkung zeige als Paracetamol. Die entzündungshemmende Komponente von Ibuprofen unterstützt sicherlich den überlegenen Effekt des Ibuprofens bei Pharyngitis.

„Mit Kanonen auf Spatzen schießen“

Der Apothekenalltag sieht anders aus: Erfahrungsgemäß tun sich Patienten in der Apotheke schwer, wenn sie „nur“ unter Halsschmerzen leiden, systemisch wirkende Arzneimittel in Form von Tabletten einzunehmen. Magen, Nieren, Leber – sie fürchten Nebenwirkungen bei diesen Organen. Zwar wünschen sie sich Linderung, aber mit Tabletten fühlen sie sich „übertherapiert“ und erachten diese als übertriebene Therapiemaßnahme. Die meisten Patienten sehen bei Halsschmerzen lokal wirkende Arzneimittel klassisch als optimale Therapie. Der Hals schmerzt, da ist es nur sinnvoll, den auch dort zu behandeln, ist die Überlegung vieler Halsschmerzpatienten. Ein resolutes und generelles Abraten von Lokaltherapeutika, die der Patiente womöglich seit Jahren bei Halsschmerzen einsetzt, enttäuscht und verunsichert den Patienten. 

Apotheker: Zwischen Evidenz und Patientenbedürfnis

Die Kunst des Apothekers besteht nun wohl nicht zuletzt darin, diesem nachvollziehbaren Patientenwunsch verständnisvoll zu begegnen. Ein zusätzlicher Hinweis auf Ibuprofen bei ausbleibendem Therapieerfolg mit Lokaltherapeutika, ist aber sicherlich nicht verkehrt. Zumal viele Patienten auch schlicht nicht wissen, dass Ibuprofen oder Paracetamol nicht ausschließlich bei Kopf- oder Zahnschmerzen und Fieber wirken.

Alternative Halssprays zu Locabiosol®

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und greift gern auf bekanntes und altbewährtes zurück. Wenn auch Locabiosol® außer Vertrieb ist – die Apotheke verfügt über alternative Sprays zur Behandlung von Rachenentzündungen. So ist dem Anwender zumindest die Applikation vertraut. 

Dobendan Direkt® Flurbiprofen Spray

Dobendan Direkt® Flurbiprofen Spray enthält den Wirkstoff Flurbiprofen. Als NSAR wirkt Flurbiprofen antiphlogistischanalgetisch und antipyretisch. Dobendan Direkt® wird als Spray zur symptomatischen Behandlung akuter Halsschmerzen bei Erwachsenen eingesetzt. Bei Kindern ist das apothekenpflichtige Arzneimittel kontraindiziert. Außerdem dürfen Patienten, die überempfindlich auf NSAR wie beispielsweise Ibuprofen, ASS oder Diclofenac reagieren, das Arzneimittel nicht anwenden. Auch Patienten mit Ulkus-Anamnese im Zusammenhang mit der Einnahme von NSAR müssen das Halsschmerz-Spray meiden.

Eine Einzeldosis Dobendan Direkt® Flurbiprofen Spray sind drei Sprühstöße. Diese darf maximal fünfmal pro Tag in den Rachenraum gesprüht werden. Der Patient sollte während des Sprühvorgangs nicht einatmen.

Wick Sulagil® Halsspray

Wick Sulagil® Halsspray vereint zwei Wirkprinzipien: Das Lokalanästhetikum Lidocain führt zu einer oberflächlichen Betäubung. Die quartären Ammoniumverbindungen Cetylpyridiniumchlorid und Dequaliniumchlorid haben mikrobizide Eigenschaften und reduzieren kurzfristig die Keimzahl im Anwendungsgebiet. Wick Sulagil® Halsspray wird bei erkältungsbedingten Halsschmerzen angewendet. Kinder ab sechs Jahren sprühen viermal täglichErwachsene sechsmal pro Tag je zwei bis drei Hübe.

Neo Angin® Halsspray

Bei Entzündungen der Rachenschleimhaut, die klassischerweise mit Halsschmerzen und Rötung einhergehen, kann der Apotheker Patienten Neo Angin® Halsspray empfehlen. In Form roter Lutschtabletten ist der Handelsname bei Apothekenkunden wohlbekannt. Neo Angin® Halsspray enthält neben den alkoholischen Antiseptika Amylmetacresol und 2,4-Dichlorbenzylalkohol zusätzlich Menthol. Den kühlenden Effekt des ätherischen Öls empfinden manche Patienten als angenehm und zusätzlich lindernd bei Entzündungen. Der Hersteller warnt in Zusammenhang mit Menthol allerdings auch vor der Anwendung bei Patienten, die unter einem hyperreagiblen Bronchialsystem leiden, da das ätherische Öl zu Bronchokonstriktionen führen oder Asthmaanfälle auslösen kann. Bereits Kinder ab zwei Jahren dürfen laut Angaben des Herstellers das Halsschmerzspray anwenden. Fraglich ist hier jedoch, inwiefern Kleinkinder diesen Applikationsweg tolerieren.

Das Spray soll ebenfalls bei angehaltenem Atem appliziert werden. Die maximale Dosis liegt bei zwei Sprühstößen bis zu sechsmal täglich

Tantum verde® Spray

Tantum verde® Spray zur Anwendung in der Mundhöhle hat als zugelassenes Anwendungsgebiet „Symptomatische Schmerzen im Mund und Rachenraum“. Benzydamin, die aktive Substanz in dem apothekenpflichtigen Arzneimittel, wird zu den nicht-steroidalen Antiphlogistika gezählt und soll neben analgetischen Effekten auch antiseptisch, lokalanästhetisch und antiexsudativ wirken. Äquivalent zu Dobendan Direkt® Flurbiprofen Spray sollen Patienten, die überempfindlich auf NSAR reagieren, Tantum verde® Spray mit Vorsicht anwenden.

Eine Einzeldosis umfasst fünf Sprühstöße. Der Patient kann bei Bedarf bis zu sechsmal pro Tag zu Tantum verde® greifen.

Laryngomedin® Spray

Zur Behandlung bakterieller Schleimhautentzündungen im Mund und Rachen können Apotheker halsschmerzgeplagten Patienten auch Laryngomedin® Spray mitgeben. Das apothekenpflichtige Arzneimittel von Klosterfrau wirkt durch den Inhaltsstoff Hexamidin antimikrobiell gegen vorwiegend grampositive Keime, auch gramnegative zählen teilweise zum Wirkspektrum und Candida-Spezies. Die Wirkung ist dosisabhängig bakteriostatisch bis bakterizid. Laryngomedin® Spray enthält Pfefferminzöl als Aromastoff.

Patienten unter drei Jahren dürfen Laryngomedin® nicht anwenden. Die Dosierempfehlung für alle anderen Altersgruppen ist ansonsten einheitlich: Mehrmals täglich ein bis zwei Hübe. Während des Sprühvorgangs den Atem anhalten und anschließend mehrmals schlucken. Das benetzt auch untere Rachenabschnitte mit dem Wirkstoff.

Hexoral® Spray

Hexoral® Spray ist ein apothekenpflichtiges Arzneimittel und setzt auf den antibakteriellen und antimykotischen Wirkstoff Hexetidin. Hexetidin hat zusätzlich eine lokalanästhetische Wirkung. Das Mund- und Rachenspray aus dem Hause Johnson & Johnson hat keine explizite Zulassung bei Halsschmerzen, allerdings zur „Keimzahlverminderung im Mund- und Rachenraum“. Hexetidin wirkt hauptsächlich gegen grampositive Bakterien und Candida-Spezies.

Gesprüht wird bei Erwachsenen zweimal täglich mit einer Sprühdauer von ein bis zwei Sekunden. Wie Neo Angin® Halsspray dürfen bereits Kinder ab zwei Jahren Hexoral® Spray benutzen. Der pharmazeutische Unternehmer weist allerdings darauf hin, dass bis zu einem Alter von sechs Jahren dies ausschießlich unter ärztlicher Beobachtung erfolgen darf. 

Hexoral® Spray sollte nach den Mahlzeiten angewendet werden, da ansonsten die Langzeitwirkung verloren geht. Für Patienten ist der Hinweis wichtig, dass Hexetidin durch Seifen oder anionische Substanzen, wie sie teilweise in Zahncremes enthalten sind, inaktiviert wird. Ein zeitlicher Abstand zum Zähneputzen ist für die Wirkung somit Voraussetzung. Zahnverfärbungen, die durch den Wirkstoff verursacht werden können, sind reversibel.

Viren Hauptverursacher für Halsinfektionen

Die Spontanheilung bei Halsschmerzen ist hoch. Bereits nach drei Tagen sind 30 bis 40 Prozent der Patienten bereits wieder ohne Beschwerden. Nach sieben Tagen sind nahezu alle Geplagten von den lästigen Symptomen befreit, nämlich rund 90 Prozent. Im Schnitt leiden Patienten drei bis fünf Tage unter ihren Halsbeschwerden.

Hauptsächliche Verursacher von Halsinfektionen sind Viren. Sie zeichnen für 50 bis 80 Prozent der Halsschmerzen verantwortlich. Rhinoviren, Coronaviren, Adenoviren aber auch Influenzaviren beziehungsweise Herpes-simplex-Viren können Halsschmerz-Symptome hervorrufen.

Bei den bakteriellen Pharyngitiden lassen sich in 15 bis 30 Prozent der Fälle Beta-hämolysierende Streptokokken nachweisen (Gruppe A Streptokokken / GAS, streptococcus pyogenes). Diese sind auch Ursache für Scharlach. 

In den meisten Fällen lassen sich virale von bakteriellen Pharyngitiden hausärztlich nicht sicher abgrenzen. Die in Überarbeitung befindliche Leitlinie spricht sich vehement gegen den Einsatz von Antibiotika bei Phayringitiden aus, was vor dem Hintergrund der Dominanz viraler Genese Sinn macht. Nur in Einzelfällen sei eine systemische Antibiose angebracht.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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8 Kommentare

Was nun ohne Locabiosol

von Trisch am 29.04.2018 um 10:18 Uhr

Ich war auch ein uneingeshränkter Fan dises Arzneimittels. Nebenwikungen?? Ich kann lesenn, war also vorgewarnt bevor ich das Spray verwendet hatte.Kann mich nur meinen Vorschreibern anschließen. Als Alternative hat mir mein Arzt nun Tantum Verde verordnet.Schmeckt jedenfalls besser als Locabiosol...

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Locabiosol

von Tim am 17.02.2018 um 12:04 Uhr

Als ob da nach jahrzehnten "unbekannte Nebenwirkungen" aufgetreten wären! Was hat sich bei den Italienern denn geändert? Genetisch dürften sie doch weitgehend unverändert sein!? Vielleicht hat der der eine oder andere Atemnot (durch verschlucken des Inhalators LOL) bekommen - aber wenn man die mit den zweistelligen IQ's beiseite lässt dürfte wohl eher ein gewinnträchtigeres Präparat der Grund sein!

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Locabiosol

von Susanne am 22.09.2017 um 10:38 Uhr

Das Einzigartige bei Locabiosol war, dass man das Aerosol einatmen konnte. Auf diese Weise hatte man eine Hilfe bei Stimmproblemen. In diesem Bereich gibt es jetzt gar nichts mehr.

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Nicht glückklich

von Yauhun am 16.09.2017 um 21:52 Uhr

Das Mittel hilft mir schon so lange ich mich zurückerinnern kann, ich neige sehr schnell zu Halsweh bei leichten Erkältungen.

Keine Alternative auf dem Markt, absolut inakzeptabel. Da wollte nur jemand die Gebühren sparen, sagt mein HNO, da pro Medikament auf dem Markt hohe Kosten fällig werden. Es geht also wie immer nur ums Geld. Zum Teufel mit Stada!

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AW: Nicht glückklich

von Dr. Dolf Stockhausen am 09.03.2018 um 14:50 Uhr

Typisch für die staatliche Regulierungswut! Wenn es nichts Regelungsbedürftiges gibt, dann sucht man sich etwas, das gar nicht geregelt zu werden braucht. Nicht-Regeln geht nicht, dann gibt Abstriche im Dienststellenbudget. Bürgerwohl, Respekt - Pustekuchen. Staatsverdrossenheit und Wahlergebnisse wie jetzt in Italien sind die unausbleibliche Folge.

AW: Locabiosol

von Ramona S. am 18.04.2017 um 9:38 Uhr

Ich habe es ca. 20 Jahre genommen, und es hat immer geholfen. Andere Medi`s gingen bei mir auf den Magen und ich bekam auch Durchfall. Das Locabiosol hat sofort geholfen und NICHT eine Nebenwirkung gezeigt. Warum kümmern sich die sogenannten Experten nicht um Krankheiten, wie Krebskrankheiten oder Alzheimer. Stattdessen ziehen sie ein Medikament aus dem Verkehr, was wirklich SEHR GUT geholfen hat und rein GAR NICHTS an Nebenwirkungen gezeigt hat! Es ist nicht zu verstehen!

Da fehlt noch was...

von Brigitte Hillner am 14.10.2016 um 15:54 Uhr

Kamillosan Hals- und Rachenspray und Salviathymol gibt es auch als Spray, heißt nur etwas anders, Salviagalen glaube ich. Beide pflanzlich und gut wirksam. Dito Tonsipret.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Da fehlt noch was

von thotri am 05.12.2018 um 20:17 Uhr

Vllt sind hier die Drahtzieher, die Wirtschaftslage zu beeinflussen zu suchen?

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