Corona

An die Spritze, fertig, los

Corona-Impfsaison startet mit angepasstem COVID-19-Impfstoff

Seit Montag wird der neue, an die Subvariante Omikron XBB.1.5 angepasste Corona-Impfstoff von Biontech zur Abgabe an Arztpraxen und für die Verabreichung in den Apotheken ausgeliefert. Doch für wen wird die jährliche Auffrischimpfung empfohlen? Dürfen auch Impfwillige, die keiner Risikogruppe angehören, geimpft werden? Und welche anderen Corona-Impfstoffe stehen zur Verfügung? Ein Update.

Laut dem aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zu akuten Atemwegserkrankungen (ARE-Wochenbericht) nimmt die Zahl der laborbestätigten COVID-19-Erkrankungen seit Anfang Juli (KW 27) stetig zu. Da sich viele Menschen nicht mehr testen und demnach vorrangig schwere Verläufe erfasst werden, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Bestimmte Risikogruppen sollten sich jetzt auf die kommende Herbst-/Wintersaison vorbereiten.

Foto: Benedikt/AdobeStock

In öffentlichen Apotheken dürfen Apothekerinnen und Apotheker mit entsprechender Qualifikation gemäß § 20c Abs. 1 IfSG, die zum Personal der Apotheke gehören, Personen, die das 12. Lebensjahr vollendet haben, gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 impfen.

Wem wird eine jährliche Auffrischimpfung empfohlen?

Einen jährlichen Booster sollten laut Empfehlung der STIKO Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erhalten. Dazu gehören

  • Personen ab dem Alter von 60 Jahren
  • Personen ab dem Alter von 6 Monaten mit relevanten Grundkrankheiten, z. B. chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane (COPD), chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus und anderen Stoffwechselkrankheiten, Adipositas oder Erkrankungen des ZNS, Personen mit Trisomie 21 (Down-Syndrom), angeborenen oder erworbenen Immunstörungen (z. B. HIV-Infektion, nach Organtransplantation) und aktiven Krebserkrankungen
  • Bewohner in Einrichtungen der Pflege sowie Personen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, wenn sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben
  • Personen mit einem erhöhten arbeitsbedingten Infektionsrisiko (medizinisches oder pflegerisches Personal)
  • Familienangehörige oder andere enge Kontaktpersonen von Personen, bei denen durch eine COVID-19-Impfung vermutlich keine schützende Immunantwort erzielt werden kann

Die Auffrischimpfung sollte jährlich, vorzugsweise im Herbst, wiederholt werden, wobei der letzte Antigenkontakt (Impfung oder Infektion) mindestens zwölf Monate zurückliegen sollte.

Basisimmunität für alle?

Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen ohne Grundkrankheiten empfiehlt das RKI aufgrund der inzwischen überwiegend milden Verläufe und ihrer sehr geringen Hospitalisierungsinzidenz derzeit keine COVID-19-Grundimmunisierung. Erst ab einem Alter von 18 Jahren sollten gesunde Personen (inklusive Schwangere) eine Basisimmunität aufbauen. Dabei soll das Immunsystem dreimal Kontakt mit Bestandteilen des Erregers (Impfung) oder dem Erreger selbst (Infektion) haben. Mindestens zwei dieser Kontakte sollen durch die Impfung erfolgen.

Welche Corona-Impfstoffe sind für wen zugelassen?

In diesem Herbst werden voraussichtlich in erster Linie die an den Subtyp XBB.1.5 angepassten Impfstoffe ein­gesetzt werden. Die Auslieferung des vom Bund beschafften angepassten Impfstoffs von Biontech/Pfizer startete diese Woche. Rund 14 Millionen Dosen sollen zur Verfügung stehen. Auch das Moderna-Vakzin Spikevax XBB.1.5 hat vergangene Woche die Zulassung der Europäischen Kommission erhalten.

Ein großer Vorteil: Der monovalente Impfstoff wird in Einzeldosis-Vials verfügbar sein. Ob Apotheken davon profitieren können, ist allerdings noch unklar, da sie laut dem bestehenden Vertrag zur Durchführung und Abrechnung von Schutzimpfungen durch Apotheken nach § 132e Absatz 1a SGB V zwischen DAV und GKV-Spitzenverband nur vom Bund beschaffte COVID-19-Impfstoffe verimpfen dürfen – das neue Moderna-Vakzin wird jedoch nicht zentral vom Bund bereit­gestellt und bezahlt. Laut Bundesgesundheitsministerium werden die Krankenkassen die Kosten für den Impfstoff übernehmen, wenn dieser ärztlich verordnet wird. Als dritter Kandidat wartet das US-Unternehmen Novavax auf die Zulassung seines auf die Omikron-Variante XBB.1.5 abgestimmten Impfstoffs. Sie ist für die nächsten Wochen angekündigt. Aktuell können alternativ noch immer mRNA-Impfstoffe eingesetzt werden, die an die Varianten BA.1, BA.4 und BA.5 angepasst sind (Empfehlungen siehe Tabelle).

Tab.: COVID-19-Impfstoffe für Impfungen in der Apotheke und Alternativen für Arztpraxen (Stand: 19. September 2023)
Impfstoff (Hersteller)
Impfstofftyp
Zulassung
Besonderheit
Comirnaty 30 µg/Dosis Omicron XBB.1.5
(Biontech/Pfizer)
monovalent mRNA
  • für Personen ab zwölf Jahren
  • zur Grundimmunisierung (GI) und für Auffrischimpfungen (AI)
  • erste Auslieferung an Apotheken am 18. September 2023
Comirnaty Original/Omicron BA.1 15/15 μg
(Biontech/Pfizer)
bivalent mRNA
  • für Personen ab zwölf Jahren
  • zur Grundimmunisierung und Auffrischimpfung
Comirnaty Original/Omicron BA.4-515/15 μg
(Biontech/Pfizer)
bivalent mRNA
  • für Personen ab zwölf Jahren
  • zur Grundimmunisierung und Auffrischimpfung
Spikevax XBB.1.5(Moderna)
monovalent
mRNA
  • für Erwachsene und Kinder ab sechs Monaten
  • EU-Zulassung am 15.09.2023
  • Kostenübernahme noch nicht geklärt
Spikevax bivalent Original/Omicron BA.1
(Moderna)
bivalent mRNA
  • als Auffrischimpfung ab einem Lebensalter von sechs Jahren
  • STIKO: aufgrund des erhöhten Risikos für Peri- und Myokarditis erst für Personen ab 30 Jahren empfohlen
Spikevax bivalent Original/Omicron BA.4-5
(Moderna)
bivalent mRNA
Nuvaxovid (Novavax)
proteinbasiert
  • zur Grundimmunisierung bei Personen ab zwölf Jahren
  • für Auffrischimpfungen bei Personen ab 18 Jahren
  • seit 1. Juli 2023 kurzfristig nicht verfügbar
  • Zulassung des XBB.1.5-adaptierten Impfstoffs ist für die nächsten Wochen angekündigt
  • STIKO: Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit aufgrund fehlender Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Adjuvans Matrix M derzeit nicht empfohlen
VidPrevtyn Beta
(Sanofi)
proteinbasiert
  • als Auffrischimpfung für Personen ab 18 Jahren
  • Impfstoff wird in der Schutzimpfungs-Richtlinie nicht aufgeführt
  • aktuell keine STIKO-Empfehlung
  • kann nur zulasten der GKV verwendet werden, wenn die Verabreichung einer Impfung mit diesem Impfstoff ärztlich indiziert ist
Jcovden
(Janssen Cilag International)
vektorbasiert
  • für Personen ab 18 Jahren
  • zur Grundimmunisierung und Auffrischimpfung
  • zur Auffrischimpfung nur für Personen zugelassen, die die primäre Impfserie mit einem mRNA- oder adenoviralen Vektor-basierten COVID-19-Impfstoff abgeschlossen haben
  • nicht angepasster COVID-19-­Impfstoff
  • STIKO: aufgrund seltener thromboembolischer Ereignisse Alters­beschränkung auf ≥ 60 Jahre

Der vektorbasierte Impfstoffe Jcovden (Janssen Cilag) wird aufgrund seltener thromboembolischer Ereignisse von der STIKO nur für Personen ab 60 Jahren empfohlen. Die Impfung jüngerer Personen ist aber außerhalb der Apotheke nach sorgfältiger ärztlicher Aufklärung und individueller Entscheidung der impfwilligen Person möglich. Da die Wirksamkeit des Jcovden-Impfstoffs im Vergleich zu den anderen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen geringer ausfällt, empfiehlt die STIKO die Optimierung der Grundimmunisierung mit einer COVID-19-mRNA- oder Nuvaxovid-Impfstoffdosis. Eine Auffrischimpfung mit Jcovden ist nur für Personen zugelassen, die die primäre Impfserie mit einem mRNA- oder vektorbasierten COVID-19-Impfstoff abgeschlossen haben.

Der proteinbasierte COVID-19-Impfstoff VidPrevtyn Beta von Sanofi Pasteur wird derzeit vom RKI nicht für Auffrischimpfungen empfohlen. Er kann deshalb nur zulasten der GKV verwendet werden, wenn die Verab­reichung einer Impfung mit diesem Impfstoff ärztlich indiziert ist, beispielsweise wenn produktspezifische, medizinische Kontraindikationen gegenüber den anderen verfügbaren COVID-19-Impfstoffen bestehen.

Eine Übersicht über die zur Impfung in der Apotheke relevanten COVID-19-Impfstoffe sowie für Arztpraxen verfügbare Alternativen und ihre Zulassung finden Sie in der Tabelle.

Wer darf nicht geimpft werden?

Es gibt nur wenige richtige Kontra­indikationen, die eine Impfung gegen COVID-19 verbieten. Dazu gehören Allergien gegen Bestandteile der COVID-19-Impfstoffe sowie allergische Sofortreaktionen nach der ersten Impfung mit einem COVID-19-Vakzin. In der Regel kann bei Personen, die mit einem der Impfstofftypen (mRNA, vektorbasiert oder proteinbasiert) nicht geimpft werden können, auf einen anderen Impfstofftyp ausgewichen werden. Es empfiehlt sich die Vorstellung in einem allergologischen Zentrum.

Weitere Ausschlusskriterien sind schwere, akute Erkrankungen und Infektionen mit Temperaturen über 38,5°C. Bei fieberhaften Infekten sollte mit der Corona-Impfung gewartet werden, bis das Fieber abgeklungen ist. Eine Erkältung oder eine gering erhöhte Temperatur unter 38,5°C sind kein Grund zur Verschiebung des Impftermins.

Eine vorläufige Kontraindikation besteht, wenn eine andere Impfung mit Lebendimpfstoff innerhalb von zwei Wochen vor und nach der COVID-19-Impfung erfolgt oder geplant ist (Notfallimpfungen ausgenommen).

In der SOP „Durchführung der COVID-19-Schutzimpfung in der öffentlichen Apotheke“ der Bundesapothekerkammer (BAK) wird zudem angeraten, in folgenden Fällen von einer Impfung in der Apotheke abzusehen und den Patienten an einen Arzt zu verweisen:

  • allergische Reaktionen, hohes Fieber oder andere ungewöhnliche Reaktionen nach einer früheren Impfung
  • positive Allergieanamnese
  • geplanter operativer Eingriff innerhalb der nächsten drei Tage
  • Patienten unter Therapie mit Arzneimitteln, die die Blutgerinnung beeinflussen, z. B. Marcumar
  • Thromboseentwicklung nach der ersten Impfung
  • immungeschwächte Patienten
  • angeborene oder erworbene Immundefekte
  • schwere chronische Erkrankung
  • Schwangerschaft
  • unter Zwölfjährige
  • sonstige Umstände, die eine weitergehende Beratung durch den Arzt erfordern könnten

Patienten gleichzeitig gegen Grippe und COVID-19 impfen?

Wenn eine Indikation zur Impfung sowohl gegen Influenza als auch gegen COVID-19 besteht, können beide Impfstoffe gleichzeitig verabreicht werden. Der optimale Zeitpunkt für die saisonale Grippeimpfung liegt zwischen Oktober und Mitte Dezember. Im Falle einer Doppelimpfung ist eine ausführliche Aufklärung der zu impfenden Person über die möglichen, vermehrten vorübergehenden lokalen und systemischen Impfreaktionen besonders wichtig. Die Injektion soll jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen, zum Beispiel am rechten und linken Oberarm.

Impfung außerhalb der STIKO-Empfehlung

Nun gibt es natürlich auch Anfragen von Impfwilligen, die nicht zu der von der STIKO bedachten Indikationsgruppe gehören. Ganz unvermeidlich stellt sich also die Frage, ob sie ebenfalls geimpft werden dürfen – gegebenenfalls auf eigene Kosten. Grundsätzlich dürfen Patienten, die laut Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA (die auf den STIKO-Empfehlungen basiert) nicht zu einer für die Impfung indizierten Risikogruppe gehören, in der Apotheke nicht geimpft werden. Schon mit Blick auf eine etwaige Haftung sollten sich Apotheken an diese Vorgabe halten. Sie findet sich auch im Vertrag zur Durchführung und Abrechnung von Schutzimpfungen durch Apotheken zwischen DAV und GKV-Spitzenverband. Zudem besteht für Schutzimpfungen, die nicht Bestandteil der Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA sind, kein Vergütungsanspruch durch die gesetzlichen Krankenkassen, da sie keine Pflichtleistungen sind. Eine Prüfpflicht, ob der Impfling tatsächlich einer Risikogruppe angehört oder ob es Familienangehörige oder enge Kontaktpersonen gibt, bei denen durch COVID-19-Impfung vermutlich keine schützende Immunantwort erzielt werden kann, hat die Apotheke jedoch nicht. |
 

Literatur

STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung, Stand 18. September 2023. Robert Koch-Institut (RKI), www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/Impfempfehlung-Zusfassung.html

ARE-Wochenbericht des RKI: Aktuelles zu akuten respiratorischen Erkrankungen 36. Kalenderwoche (4. bis 10. September 2023). Robert Koch Institut (RKI), https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2022_2023/2023-36.pdf

Versorgung mit COVID-19-Impfstoffen. Rundschreiben Nr. 16 des Deutschen Apotheker Verbands (DAV) vom 15. September 2023

Fachinformationen der genannten Produkte

Durchführung von COVID-19-Schutzimpfungen in öffentlichen Apotheken. Leitlinie der Bundesapothekerkammer (BAK), Stand: 25. Januar 2022, aktualisiert am 26. Januar 2023, www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Praktische_Hilfen/Leitlinien/COVID-19-Schutzimpfungen/LL_COVID-19-Schutzimpfung_Apotheke.pdf

Apothekerin Martina-Schiffter-Weinle

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