Wirtschaft

Große Unzufriedenheit über Lieferengpässe

APOkix: Eigenherstellung als Alternative ist für die meisten keine Option / Konjunkturindizes weiter im Sinkflug

cha | Die ganz überwiegende Mehrzahl der APOkix-Teilnehmer war in den vergangenen drei Monaten stark von Lieferengpässen betroffen – das zeigt die aktuelle Umfrage vom November 2022. Aber nicht nur die Lieferengpässe machen den Apotheken das Leben schwer, zudem ist auch insgesamt die wirtschaftliche Situation nicht gerade rosig. Kein Wunder, dass der Pessimismus immer weiter um sich greift.

Das Thema Lieferengpässe hat mittlerweile die Publikumsmedien erreicht und schlägt dort hohe Wellen. Und in der Tat: Auch die diesmal 161 APOkix-Teilnehmer können fast alle ein Lied davon singen: In den letzten drei Monaten waren im Rx-Bereich 53 Prozent sehr und 43 Prozent eher stark sowie im OTC-Bereich 42 Prozent sehr und 47 Prozent eher stark betroffen.

Insbesondere im Segment Schmerz­mittel/Fiebersäfte traten bei 83 Prozent der Befragten Lieferengpässe auf, die sich nicht ausgleichen ließen und so zu Versorgungsengpässen führten. Fast die Hälfte der Apothekenleiter hatte dieses Pro­blem auch bei Antibiotika, wobei es beinahe genauso vielen Befragten gelang, einen Ersatz zu finden.

Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen: Fast alle APOkix-Teilnehmer beklagen den erhöhten Zeit- und Beratungsaufwand in der Apotheke, den erhöhten Abstimmungsbedarf mit den behandelnden Ärzten sowie die Verunsicherung bei den Patienten. Mehr als die Hälfte der Apothekenleiter berichtet, dass weniger geeignete Darreichungsformen angewendet bzw. weniger geeignete Arzneistoffe verordnet wurden. Gut 40 Prozent geben an, dass es durch Ersatzarzneimittel zu einer Beeinträchtigung der Therapietreue beim Patienten kam.

Darüber hinaus äußern mehr als drei Viertel der Befragten, dass die Lieferengpässe zu Umsatzeinbußen führten. Zudem stimmen 19 Prozent „voll und ganz“ und weitere 36 Prozent „eher“ der Aussage zu, dass der mit den Lieferengpässen verbundene Medikamententausch häufig zu Retaxationen führe. Fast alle Apothekenleiter sind der Meinung, die Politik müsse mehr tun, um Lieferengpässen entgegenzuwirken.

Viel Mehrarbeit durch Lieferengpässe und die Aussicht auf weniger Honorar durch das Spargesetz – da ist die schlechte Stimmung wenig verwunderlich.

Nur knapp ein Viertel der APOkix-Teilnehmer versucht, Liefereng­pässen durch die Herstellung von Rezepturen/Defekturen zu begegnen. Die Begeisterung dafür ist auch nicht allzu groß: Lediglich 14 Prozent können sich „auf jeden Fall“ vorstellen, „bei anhaltenden Lieferengpässen Medikamente häufiger selbst als Rezeptur/Defektur herzustellen“, für weitere 23 Prozent ist das „eher wahrscheinlich“. Doch jeder fünfte äußert „bestimmt nicht“ und 43 Prozent sagen „eher unwahrscheinlich“.

Die Stimmung wird immer pessimistischer

Derweil beurteilen die APOkix-Teilnehmer ihre wirtschaftliche Situation immer schlechter. Seit Juni ist der Index für die aktuelle Geschäftslage kontinuierlich gesunken und liegt nun bei 77,0 Punkten. Bei 100 Punkten halten sich positive und negative Einschätzungen die Waage. Noch trüber sieht es bei den Erwartungen an die Zukunft aus: Der Index liegt mit 41,6 Punkten so tief wie seit gut 20 Jahren nicht mehr. |

APOkix wird vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) initiiert und durchgeführt, die Noweda eG unterstützt APOkix im Rahmen eines Sponsorings, Medienpartner ist der Deutsche Apotheker Verlag.

1 Kommentar

Ein Jahrzehnt Probleme: schon ist die Politik erwacht

von Uwe Weidenauer am 28.11.2022 um 11:44 Uhr

Es scheint, als hätte sogar das BMG bemerkt, dass rund 80% der Arzneimittel-Versorgung generisch ist und an der chinesischen Diktatur hängt. Im übrigen ist der aktuelle Minister derjenige, der Fallpauschalen und mehr Generika immer wollte.
Jetzt kommt die Zeitenwände: 100 Milliarde für die Bundeswehr, Sonderkredit der aber vorsorgehalber nicht ausgegeben wird und der Wehretat wurde für 2023 erstmal gesenkt.
Sind wir mal gespannt, was die nächste Zeitenwende für den Arzneimitteln bringt. Ich werde auf jeden Fall immer lauter und unbequemer werden!

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