Prisma

Wachstumsfaktor für Baby-Herzen

Neuregulin könnte angeborene Herzfehler korrigieren

cae | Bis sechs Monate nach der ­Geburt könnte ein rekombinanter Wachstumsfaktor Herzmuskelzellen zur Proliferation anregen und dadurch Defizite beheben.
Foto: StefanieB. – Fotolia.com

Angeborene Herzfehler werden heute dank der fortgeschrittenen Diagnostik meist früh genug entdeckt und operiert. Künftig könnte die zusätzliche Gabe von rNRG1 die Bildung von Narbengewebe verhindern.

Kardiologen um den deutschstämmigen Bernhard Kühn in Boston haben den gentechnisch hergestellten Wachstumsfaktor Neuregulin 1 (rNRG1) an neugeborenen Mäusen mit künstlich geschädigtem Herzen (cryoinjury model) getestet. Bis zum 34. Lebenstag war rNRG1 imstande, den Zellzyklus der Herzmuskelzellen, der normalerweise ab der Geburt aufhört, erneut in Gang zu setzen, sodass sich die Wunden durch frisches Muskelgewebe schlossen und nicht vernarbten. Narbengewebe, das sich auch nach Herzinfarkten bildet, behindert bekanntlich die Herzfunktion. Die Autoren führten auch In-vitro-Versuche mit mensch­lichem Herzmuskelgewebe durch und fanden, dass dieses bis zum Alter von etwa sechs Monaten von rNRG1 zur Proliferation stimuliert wird. Sie schließen daraus, dass rNRG1 bei ­Babys bis zu einem halben Jahr erfolgreich zur Anwendung kommen könnte.

Nach Ansicht von Kühn könnte die Applikation von rNRG1 herzchirurgische Eingriffe bei Neugeborenen mit angeborenen Herzfehlern unterstützen oder teilweise sogar ersetzen. Andererseits bezweifelt er, dass ein kommerzielles Pharmaunternehmen in die Entwicklung dieses Arzneistoffs investieren wird, denn die Zielgruppe ist relativ klein, und ein finanzieller Gewinn wäre deshalb fraglich. |

Quelle: Polizzotti BD. Neuregulin stimulation of cardiomyocyte regeneration in mice and human myocardium reveals a therapeutic window. Sci Transl Med 2015;7:281ra45

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