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Nasenspray und Co. im Anflug
DHL testet Drohnenzustellung mit Erkältungsmitteln
Der fünftägige Test sei zwar eher eine „etwas ausgeartete Mitarbeiteraktion“, erklärte eine DHL-Sprecherin. Perspektivisch sei der Drohneneinsatz aber für den Transport eiliger Arzneimittel an geografisch schwer zugängliche Orte denkbar. Kritiker weisen grundsätzlich darauf hin, dass eine Drohnenzustellung bei Regen, starkem Wind oder Schneefall unmöglich wäre, zudem sei die Reichweite einer Drohne sehr gering. Ob der Dienst am Ende realisiert werden kann, hängt außerdem davon ab, ob der Drohneneinsatz erlaubt würde. Die kommerzielle Nutzung unterliegt der Luftverkehrsordnung und muss von den zuständigen Landesluftfahrtbehörden genehmigt werden.
Für den Testlauf liegt eine solche Genehmigung vor. Der Jahreszeit entsprechend können die Mitarbeiter aus einem Sortiment von neun Erkältungspräparaten auswählen – bestellt wird bei der am Test beteiligten Apotheke, per Mail oder Telefon. Einige hätten zusätzlich noch andere Präparate bestellt, berichtete der beteiligte Apotheker am ersten Testtag. In der Apotheke werden die Bestellungen in Tüten gepackt, mit Angaben zu Adressat, Gewicht und Zahlbetrag. Vor der Apotheke packt ein DHL-Mitarbeiter die Tüten je nach Umfang und Gewicht in die Zwei-Liter-Box des DHL-Paketkopters, im Schnitt etwa fünf bis sechs Tüten pro Lieferung.
Aus Sicherheitsgründen wird die Drohne dann von zwei Piloten zum Ziel navigiert, technisch wäre laut DHL auch eine GPS-Steuerung der Drohne möglich gewesen. Nach Überquerung des Rheins landet der Paketkopter auf der Wiese vor dem DHL-Gebäude, wo ein weiterer DHL-Mitarbeiter ihn in Empfang nimmt und die Bestellungen an die Mitarbeiter verteilt. Der Bonner General-Anzeiger schätzt die Distanz auf 2,7 Kilometer, für die die Mini-Drohne wenige Minuten benötigt habe – im Vergleich zu 20 Minuten, die bei viel Verkehr für die Strecke benötigt worden wären. Die Nachrichtenagentur dpa beziffert die Entfernung auf einen Kilometer, die Zeit auf zwei Minuten.
Beteiligter Apotheker neugierig, aber skeptisch
Apotheker sollten stets nach innovativen Trends Ausschau halten, findet der am Testlauf beteiligte Apotheker. Er sei froh, beim Testlauf dabei zu sein. Dass DHL sofort an Arzneimittel als wichtiges und dringendes Gut gedacht hätte, finde er ebenfalls positiv. Eigentlich wolle er zwar keinen Arzneimittelversand betreiben – dennoch könne eine Technologie, wie sie von DHL mit dem Paketkopter getestet werde, irgendwann günstiger sein als der apothekerliche Botendienst. Arzneimittelrechtlich sei aber „überhaupt noch nicht geklärt“, wie der Drohneneinsatz in der Praxis ausgestaltet sein könnte. Bislang fehle ihm auch die Idee, wie ein solcher Service gestaltbar wäre, schon in Bezug auf die Übergabe. Sinnvoll könnte diese Art der Zustellung aber im Krankenhausbetrieb sein, meint der Pharmazeut – also innerhalb eines Gebäudes und von Fachpersonal zu Fachpersonal.
i-DAA-WL: Drohnentest diskreditiert Apotheker
Die Interessengemeinschaft Deutscher Apothekerinnen und Apotheker in Westfalen-Lippe (i-DAA-WL) verwahrt sich dagegen in einem Offenen Brief (siehe hier) „mit Nachdruck“ gegen den testweisen Einsatz von anonymen Transportmitteln zum Arzneimittelversand. Die aktuellen Tests „bagatellisieren die Abgabe von Arzneimitteln, die aus unserer Sicht untrennbar mit einer direkten, unmittelbaren und persönlichen Beratung verbunden ist, zu einer bloßen ‚Zustellung‘ und diskreditieren damit den Beruf des Apothekers und dessen Verantwortung gem. Bundes-apothekerordnung gegenüber der Gesundheit des einzelnen Menschen und der gesamten Bevölkerung“, heißt es in dem vom Vereinsvorsitzenden Gunnar Müller verfassten Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Frank Appel. „Wir bitten Sie, die Testläufe mit Arzneimitteln umgehend einzustellen und sich eindeutig zum gesetzlichen Auftrag der Apotheker zu äußern.“
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