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Medizin
Was steckt eigentlich hinter … Schlafstörungen?
Der Schlafbedarf unterscheidet sich von Mensch zu Mensch: Zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr schläft die Mehrheit zwischen sechs und neun Stunden pro Tag. Zum Einschlafen brauchen manche weniger als fünf Minuten, andere dagegen bis zu einer halben Stunde.
Eine Schlafstörung liegt vor, wenn der Nachtschlaf nicht die nötige Erholung bringt. Der Betroffene fühlt sich tagsüber müde. Er ist gereizt, kann sich schlecht konzentrieren und reagiert oft empfindlich auf Genussmittel wie Coffein, Nicotin und Alkohol. Viele Betroffene verlieren jede Lebensfreude und entwickeln alle Zeichen einer Depression oder Angst-Erkrankung.
Um die Ursache für die Schlafstörung herauszufinden, ist zunächst nach Beginn, Art und Dauer der Beschwerden zu fragen und wie der Betroffene davon in seinem Alltag beeinträchtigt wird. Fragen nach den Gewohnheiten, der Einnahme von Medikamenten und Vorerkrankungen liefern weitere Erkenntnisse. Aufschlussreich ist die Frage, ob es Auslöser gibt wie berufliche oder private Konflikte, und ob die Schlafqualität in jüngster Zeit auch bei Ruhe beeinträchtigt ist.
Durch eine solche Befragung gelingt es in der Mehrzahl der Fälle, die Schlafstörung als primär bzw. sekundär einzuordnen, woraus sich auch die Therapie-optionen ergeben. Eine gesonderte Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnographie) ist sehr aufwendig und in der Praxis nur selten erforderlich.
Sekundäre Schlafstörung
Sekundäre Schlafstörungen sind Folge einer Primärerkrankung, wobei sich die Erkrankung und die Schlafstörung sehr oft gegenseitig verstärken.
Psychiatrische Erkrankungen
zum Beispiel wirken sich fast immer auf die Schlafqualität aus: Der Patient kann nicht durch-schlafen, häufig fehlt ihm der Tiefschlaf und manche Patienten leiden unter Angstträumen. Chronische Schmerzen sorgen bei 70 Prozent der Betroffenen für eine schlechte Schlafqualität, die wiederum die Schmerzwahrnehmung verstärkt. Hier ist es unerlässlich, den Teufelskreis mit einer angemessenen Schmerztherapie zu durchbrechen.
Auch 75 Prozent aller Parkinson-Patienten klagen über Schlafstörungen, die im Verlauf der Krankheit zunehmen. Dabei kann sich sogar der Schlaf-Wach-Rhythmus umkehren. Die Schlafstörungen entstehen sowohl durch die Krankheit selbst als auch durch ihre Behandlung, besonders durch Levodopa.
Weniger bekannt ist, dass über die Hälfte aller Schlaganfallpatienten an Schlafstörungen leiden, z. B. in Form von Atemstörungen im Schlaf.
Schnarchen
Fast jeder Mensch schnarcht hin und wieder. Der Schlaf bleibt dabei meist ruhig und erholsam. Störend wirkt sich das Geräusch eher auf den Schlaf des Bettnachbarn aus. Wenn auf das Schnarchen häufig eine längere Atempause (Apnoe) folgt, kann es sich aber um das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) handeln. Zwei Prozent der Erwachsenen sind davon betroffen, meist übergewichtige Männer zwischen 40 und 65 Jahren. Dabei kollabieren beim Einatmen im Schlaf immer wieder die Rachenwände, weil deren Muskulatur entspannt ist. Durch die folgende Atempause bekommt das Gehirn zu wenig Sauerstoff. Die Hypoxie erzeugt einen Weckreiz, wodurch der Schlafende kurz aufschreckt und Luft holt. Meist wacht er zwar nicht richtig auf, aber die Schlafqualität verschlechtert sich erheblich. Abnehmen verbessert ein OSAS oder beseitigt es sogar völlig. Auslösende Faktoren wie Alkohol, Nicotin, Schlafmittel oder Bewegungsmangel sollte der Patient meiden. Bleibt der Erfolg aus, muss der Betroffene nachts eine Nasenmaske tragen. Sie sorgt für einen geringen Luftüberdruck, der das Zusammenfallen der Rachenwände verhindert.
Primäre Schlafstörung
Wenn keine andere Erkrankung nachweisbar ist, liegt eine primäre Schlafstörung vor. Erste Hilfe bieten die Regeln der Schlafhygiene:
- regelmäßige Schlafzeiten einhalten und Einschlafrituale nutzen,
- das Abendessen früher einnehmen und dabei Coffein und Alkohol meiden,
- Stressursachen abbauen und Konflikte lösen (in der Familie wie im Job),
- Matratze und Bettzeug inklusive Kissen optimieren,
- bei schnarchendem Partner getrennt schlafen.
Ist damit keine Verbesserung zu erreichen, ist der nächste Schritt eine Verhaltenstherapie. Dadurch lernt der Patient unter professioneller Anleitung, wie er schlafstörendes Verhalten ausschalten und schlafförderndes einüben kann.
Alle diese Maßnahmen wirken erst mittelfristig. Als Soforthilfe verlangen und erhalten über ein Drittel der Betroffenen deshalb Hypnotika. Sie sind hilfreich, wenn eine kurzfristige Ausnahmesituation wie eine anstehende Operation oder ein Todesfall die Schlafstörung verursacht.
Die Anwendung sollte auf zwei Wochen begrenzt werden: Denn Schlafmittel führen zu Gewöhnung und psychischer Abhängigkeit. Kritisch sind besonders die ersten Nächte nach dem Absetzen, da es dann sehr häufig zu Albträumen, Angstzuständen und verschlimmerter Schlaflosigkeit (Rebound) kommt. Ob die neueren Benzodiazepin-Agonisten wie Zopiclon und Zolpidem hier Vorteile bieten, ist zweifelhaft. Um eine dauerhafte Verbesserung der Schlafqualität zu erreichen, sollte der Patient daher dazu ermutigt werden, deren Ursachen zu beseitigen.
Quellen
A. S. Fauci et al.: Harrisons Innere Medizin, ABW, Berlin, 17. Aufl. 2009
A. Schäffler (Hrsg.): Gesundheit heute, Knaur, München. 2. Aufl. 2009
A. Sturm und W. Zidek (Hrsg.): Checkliste XXL Differenzialdiagnose Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2003.
Autor
Dr. med Arne Schäffler & Kollegen,
Augsburg;
www.schaeffler.cc
Beschwerdebild |
Was steckt dahinter? |
Müdigkeit und Abgeschlagenheit bei Schlafmangel oder -störungen
• Konzentrationsschwierigkeiten |
• Schlafdefizit
• primäre Schlafstörung
• depressive Verstimmung und Depression |
Müdigkeit und Antriebslosigkeit in oder vor belastenden Situationen
• Oft Konzentrations- und/oderGedächtnisstörungen • Evtl. körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen |
• Psychische Abwehr- und Schutzreaktionen • Depressive Verstimmung • Larvierte (versteckte) Depression • Depressive Persönlichkeitsstörung |
Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf bei nächtlichem Schnarchen mit längeren Atempausen
• Nächtliches Schwitzen
• Nicht erholsamer Nachtschlaf
• Konzentrationsstörungen
• oft depressive Verstimmung |
Schlafapnoe-Syndrom
• Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom(OSAS) • zentrales Schlafapnoe-Syndrom |
Müdigkeit und Abgeschlagenheit bei Wetterumschwung (z. B. Föhn) |
• Wetterfühligkeit • Migräne mit Aura |
Wiederholte Schlafanfälle unterschiedlicher Länge
• wiederholte, kurzfristige Lähmungen,v. a. in affektgeladenen Situationen • Unterbrochener, nicht erholsamer Nachtschlaf mit häufigen Albträumen |
• Narkolepsie • Dissoziative Störung |
Ausgeprägte Tagesschläfrigkeit,
• Verlängerter Nachtschlaf
• Beginn meist im Jugendalterv. a. in reizarmen Situationen |
Primäre Schlafsucht (Hypersomnie) |
Apathie und/oder abnorme Ermüdbarkeit mit zunehmenden Gedächtnisstörungen |
• Demenz, z. B. Alzheimer
• Chorea Huntington
• Gehirntumoren
• Abhängigkeit von Alkohol, Drogen, Medikamenten |
Anhaltende Müdigkeit mit Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen |
• Depressive Verstimmung • Depression • Nach Absetzen von Hypnotika |
Tiefsitzende Erschöpfung mit dem
• Leistungsschwäche
• Antriebslosigkeit
• Kritische, zynische oder abweisende Einstellung gegenüber der eigenen ArbeitGefühl, "ausgebrannt" zu sein |
• Burnout-Syndrom • Depressive Verstimmung • reaktive Depression • larvierte Depression • häufig bei zugrunde liegender zwanghafter Persönlichkeitsstörung |
Ständiges Gefühl der Erschöpfung über mindestens 6 Monate ohne Besserung durch Entspannung
• Oft Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
• Oft Hals-, Kopf-, Muskel- und/oderGelenkschmerzen |
• Chronique Fatigue Syndrome (CFS) • Depressive Verstimmung • larvierte Depression |
Abgeschlagenheit und verminderte Leistungsfähigkeit mit Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust |
• Chronische Infektion
• Plasmozytom, Leukämie, Maligne Lymphome, anderer Tumor • Rheumatische Erkrankungen, z. B. Rheumatoide Arthritis |
Müdigkeit oder Benommenheit bei oder nach Medikamenteneinnahme
• Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
• Evtl. Schwindel
• Evtl. depressive Verstimmung |
Nebenwirkung von Medikamenten
• Sedativa, Hypnotika
• Opioide
• Antihistaminika, Antiemetika
• Antidepressiva, Neuroleptika
• Antihypertonika(bei Einnahme, Dosisänderung und/oder nach dem Absetzen) |
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