Nachwuchsoffensive der LAK Baden-Württemberg

Fachkräftemangel: Von der Homepage in die Apotheke

Stuttgart - 08.10.2021, 13:45 Uhr

Wer auf die Website „Karriere-auf-rezept.de“ klickt, sieht das lachende Gesicht der pharmazeutisch-technischen Angestellten Hannah. (s / Foto: Landesapothekerkammer Baden-Württemberg)

Wer auf die Website „Karriere-auf-rezept.de“ klickt, sieht das lachende Gesicht der pharmazeutisch-technischen Angestellten Hannah. (s / Foto: Landesapothekerkammer Baden-Württemberg)


Nicht viele junge Fachkräfte rücken in die Apotheke nach. Von den frisch Approbierten ist es jedes Jahr nur noch etwa ein Drittel. Um mehr Nachwuchs zu rekrutieren, startete die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg nun ihre Website „Karriere-auf-rezept.de“. Sie soll Schüler:innen und deren Eltern zeigen, warum es cool ist, in der öffentlichen Apotheke zu arbeiten. Die Homepage ist nur ein weiterer Schritt, denn die LAK hat noch weitere Projekte in der Pipeline.

Sie begann mit Flyern, Plakaten, mehr Präsenz sowohl auf Berufsmessen als auch digitalen Messen – die Nachwuchsoffensive der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. Nun geht die Kampagne einen Schritt weiter, um junge Menschen von der Karriere in der Apotheke vor Ort zu überzeugen.

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Wie die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg am vergangenen Mittwoch mitteilte, ist nun die Website „karriere-auf-rezept.de“ online. Sie soll vor allem Schülerinnen und Schüler von einem Job in der Apotheke überzeugen. Auch deren Eltern und alle weiteren Interessenten soll die Seite informieren, welche Laufbahnen die Offizin für den Nachwuchs bereithält.

Nachwuchs – heute ein kleines, morgen ein großes Problem

Schon jetzt belasten fehlende Fachkräfte zunehmend die Apothekenlandschaft – dabei beginnt das Problem gerade erst. 44 Prozent der Apothekenleiter:innen werden in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreichen. Doch von den rund 2.300 jährlich frisch approbierten Apotheker:innen strebt nur etwa ein Drittel eine Karriere in der Offizin an. Auch pharmazeutisch-technische und -kaufmännische Angestellte werden gesucht. Einige PKA-Schulen müssen schließen, da sich nicht genügend Bewerber finden.

„Der Nachwuchsmangel ist eines der drängendsten Probleme, die sich für die öffentliche Apotheke, aber auch der Industrie und Klinikapotheken stellt“, sagt Apotheker Patrick Schäfer. Er ist für den Bereich Aus-, Fort-, und Weiterbildung bei der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg verantwortlich und koordiniert die Nachwuchsoffensive. „Die neue Homepage war wichtig – und ein weiterer Schritt.“

Neben der neuen Website schickte die Kammer an alle Baden-Württemberger Apotheken „Ausbildungs-Info-Pakete“. Sie appellieren an die Apotheken, auszubilden und pharmazeutische Berufe bekannter zu machen.

Zielgruppen ansprechen: gezielt und professionell

Um Nachwuchs zu gewinnen, hat die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg früher selbstständig Info-Materialien erarbeitet. Aber wenn man erfolgreich sein will, so Schäfer, beschäftige man heute eine professionelle Agentur. Diese muss die Zielgruppe gezielt erreichen können. „Wenn ich selbst einen Flyer entwerfe, gefällt der vielleicht mir. Ich bin aber nicht mehr 16 Jahre alt.“

Für die Produktion des Videos und der Website arbeitete die Landesapothekerkammer mit dem Radiosender big FM zusammen. Der Kanal ist im süddeutschen Raum vor allem bei Hörern zwischen 14 und 29 Jahren verbreitet.

Auf der Website sollen einige Hashtags den Besuchern auf einen Blick verdeutlichen, warum sie sich für einen Job in der Apotheke entscheiden sollten. #Sinnvoll, #Zukunfts- und #Krisensicher, #Regional, #vielseitig und #für alle – wenige, klare Botschaften sollen beim potenziellen pharmazeutischen Personal von morgen ankommen.

Auch ein Video findet sich auf der Website. Die junge PTA Hannah strahlt im Kittel in die Kamera, PKA Elias schiebt konzentriert eine Packung Elotrans in den Kommissionier-Automaten. Apotheker Sebastian pipettiert im Apothekenlabor Kupfersulfat-Lösung in eine Porzellanschale.

Nachwuchsförderung wird ABDA-Sache

Doch mit der Website und dem Video soll es nicht getan sein: „Wir wollen unsere Nachwuchsoffensive nach und nach ausbauen“, erklärt Patrick Schäfer. In Zukunft könnte die LAK pharmazeutische Berufe noch stärker in die Öffentlichkeit rücken, sowohl durch Veranstaltungen als auch durch soziale Medien oder Werbekampagnen.

Auch die ABDA will sich dem Thema Nachwuchsförderung stärker widmen. Erst vor zwei Wochen stimmten beim Apothekertag die Delegierten einem Antrag zu, nachdem sich die ABDA und deren Mitgliedsorganisationen abstimmen wollen, um ein „ineinandergreifendes Konzept zur Nachwuchsförderung“ auf den Weg zu bringen.


Marius Penzel, Apotheker und Volontär
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Notdienst 8,5 Euro die Stunde

von Fachkraft am 09.10.2021 um 15:57 Uhr

Ja, man verdient in einer Apotheke 8,5 Euro Brutto die Stunde beim Notdienst.
Aber dafür müsst ihr erst das Pharmaziestudium abschließen, so einfach ist es nicht.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Frondienst 0,00 Euro die Stunde

von Hans Dampf am 09.10.2021 um 17:37 Uhr

Und wer ein klein wenig über Tarif verdient (> 12%), der leistet den Notdienst ("dank" Tarifvertrag BRTV) ohne weitere Vergütung ab! Das ist mittelalterlich anmutender Frondienst.

Alles andere als zukunftssicherer Job

von Do. A am 09.10.2021 um 14:08 Uhr

,,, Auch ein Video findet sich auf der Website. Die junge PTA Hannah strahlt im Kittel in die Kamera, PKA Elias schiebt konzentriert eine Packung Elotrans in den Kommissionier-Automaten. Apotheker Sebastian pipettiert im Apothekenlabor Kupfersulfat-Lösung in eine Porzellanschale.'' '

Heidis Welt alles.
Realität Rabagtverträge, Honkrarkürzungen, Unsicherer Job.

Liebe Kammer und Abda, wir wissen es ihr braucht mehr Mitglieder um mehr Beiträge zu kassieren. Aber dabei seid bitte realistisch. Ein Apotheker verdient durchschnittlich 2400 Euro Netto. Ob es sich lohnt für ein hartes Studium ist zu bezweifeln.

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Unattraktive Gehälter -> unattraktive Jobs!

von Thomas Eper am 09.10.2021 um 10:12 Uhr

Spätestens wenn die Berufs-Interessenten erfahren welche Gehälter sie erwarten, sind die "Jobs" in Apotheken äußerst unattraktiv.
Nur mal so zur Erinnerung: PKA-,PTA- Gehälter bewegen sich auf oder unter dem Niveau des Pflegepersonals (Klinik, Altenpflege), welche bekanntlich beschämend niedrig sind.
Deshalb haben wir übrigens einen Pflegenotstand.

Tarifgehalt für Apotheker/innen nach 11 (!) Berufsjahren liegen bei 4.343 €! Somit brauchen wir uns nicht wundern, dass die Apotheker immer weniger werden.

Anständige Gehälter können wir Arbeitgeber nicht aus den Rippen schneiden, sondern dass Packungshonorar müsste nach 17 Jahren mal angepasst werden. Inflationsbereinigt haben wir inzwischen eine Honorarkürzung von ca. 40%!
In keiner Branche gäbe es nach 40%-er Ertragskürzung jährliche Tariferhöhungen!!

Wenn wir inzwischen wie die Ärzte eine um 50% höhere Honorierung hätten, könnten wir min. um 500 € höhere Gehälter zahlen.
Vielleicht kapiert das endlich mal jemand von der Standespolitik!

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Mangel?

von Domi An P am 08.10.2021 um 16:08 Uhr

Mangel an Apothekern oder PTA s gibt es nicht, sobald man die gerecht bezahlt.
Jeden zweiten Tag schließt fast eine Apotheke. Die Kammer lässt sich auch Von Beiträgen der Apotheker finanzieren.
Natürlich wird die Kammer immer mehr Apotheker haben wollen, aber dafür sollte man vielleicht den Beruf attraktiver machen.
Wenn das E Rezept kommt dann werden wieder viele Apotheken schließen müssen.
Apotheker als sicherer Job?

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