Wirkstoff-Lexikon

Ambroxol

03.11.2020, 17:49 Uhr

Ambroxol ist ein Metabolit von Bromhexin. (x)

Ambroxol ist ein Metabolit von Bromhexin. (x)


Zur Winterzeit klagen Kunden verstärkt über Erkältungssymptome mit Schnupfen und Husten. In der Selbstmedikation werden als Hustenlöser Arzneimittel mit Pflanzen-Auszügen eingesetzt. Auch synthetische Wirkstoffe wie Bromhexin, Acetylcystein und Ambroxol werden angewendet. Einen Blick auf Ambroxol als häufig eingesetztes Expektorans wirft unsere heutige Ausgabe des Wirkstofflexikons – hier zum Nachlesen oder Anhören in unserem Podcast.

Anwendungsgebiete

Unter dem Begriff Expektorans werden Substanzen verstanden, die den Auswurf von Bronchialsekret aus den Bronchien und der Trachea erleichtern bzw. beschleunigen sollen. Einerseits soll der Husten damit „gelöst“ und indirekt der Hustenreiz verringert werden.


Sowohl die akute als auch die chronische bronchopulmonale Erkrankung gehen mit einer Störung von Schleimbildung und dessen Transport einher. Ziel der Therapie mit Ambroxol ist es daher, durch Verflüssigung des Schleims das Abhusten zu erleichtern. Angewendet wird Ambroxol aber nicht nur bei einer erkältungsbedingten Bronchitis. Die Anwendung erfolgt auch bei chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale und COPD.

Name: Ambroxol

Formel: C13 H18 Br2 N2 O

IUPAC Name: 4-[(2-amino-3,5-dibromophenyl)methylamino]cyclohexan-1-ol

Wirkungsweise

In den Becherzellen des respiratorischen Flimmerepithels der Atemwege werden physiologischerweise rund 20 Prozent des Bronchialsekrets gebildet. Die restlichen 80 Prozent werden in den peribronchialen Drüsen gebildet. Während die Becherzellen muköses Sekret produzieren, erzeugen die peribronchialen Drüsen als gemischte Drüsenzellen muköses und seröses Sekret.

Als Metabolit von Bromhexin soll Ambroxol die peribronchialen Drüsen beeinflussen und die Viskosität des mukösen als auch des serösen Bronchialschleims reduzieren.

Zudem wird die Surfactant-Produktion aktiviert. Surfactant ist ein grenzflächenaktives Sekret der Pneumozyten Typ-II und sozusagen das Selbstreinigungssystem der Lunge.

Die Aktivierung des Selbstreinigungssystems erfolgt durch einen direkten Angriff an den Typ-II-Pneumozyten der Alveolen und den Clarazellen im Bereich der kleinen Atemwege. Durch Stimulation des bronchialen Flimmerepithels verbessert Ambroxol die mukoziliäre Reinigung.

Durch die Verminderung der Viskosität und der Aktivierung des Flimmerepithels soll letztlich der Abtransport des Schleims gefördert werden. Als therapeutischer Effekt wird so das Abhusten erleichtert.

Antiinflammatorische und lokalanästhetische Wirkung

Darüber hinaus besitzt Ambroxol antiinflammatorische Eigenschaften, die auf einer Beeinflussung verschiedener Zytokine beruhen. Die antiinflammatorische Eigenschaft wirkt den Entzündungen in den Atemwegen entgegen, wodurch die Hustenfrequenz gemindert wird. 

Die zusätzliche lokalanästhetische Wirkung von Ambroxol wird als Lutschtablette zur Behandlung von Halsschmerzen bei Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren genutzt.

Dosierung

Ambroxol kann bereits für Säuglinge eingesetzt werden und steht in einer kindgerechten Dosierform als Saft zur Verfügung.

Ambroxol kann nach ärztlicher Rücksprache bereits für Säuglinge eingesetzt werden, in der Selbstmedikation jedoch erst ab einem Alter von zwei Jahren. Der Wirkstoff steht in einer kindgerechten Dosierform als Saft zur Verfügung.

Bei Patienten, bei denen eine orale Behandlung mit Ambroxol nicht möglich ist, steht eine Injektionslösung zur Verfügung. Außerdem gibt es Ambroxol in flüssiger Form zum Inhalieren für einen Vernebler.

Unter der Anwendung von Ambroxol gilt es, Folgendes zu beachten: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist während der Behandlung wichtig, um so die schleimlösende Wirkung des Arzneimittels zu unterstützen.

Bei Kindern sollten Arzneimittel mit Ambroxol das letzte Mal am späten Nachmittag angewendet werden, da sonst die Gefahr eines Sekretstaus in der Nacht auftreten kann.

Die Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit wird aufgrund des geringen Erfahrungsschatzes nicht empfohlen.

Ambroxol und Asthma

Der Asthmatiker kann Ambroxol ohne Einschränkung anwenden. Im Gegensatz dazu ist ein anderes häufig eingesetztes Expektorans, Acetylcystein, nur unter Vorsicht anzuwenden. Hier kann es bei Asthma-Patienten zu einer Verschlechterung des Asthmas kommen, da die Reizwirkung des SH-Gruppen-Donators Acetylcystein stärker ist als die von Ambroxol. Durch diesen Effekt können für den Asthmatiker gefährliche Bronchospasmen auftreten.

Nebenwirkungen 

Ambroxol wird sehr gut vertragen. Als seltene Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Überempfindlichkeitsreaktionen an Haut und Schleimhaut, Atemnot und Temperaturanstieg mit Schüttelfrost beschrieben.

Zusätzlich kann es bei den Lutschpastillen zu Geschmacksstörungen, Übelkeit und Taubheitsgefühl im Mund kommen.

Wechselwirkungen 

Klinisch relevante Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt. Ein Expektorans wie Ambroxol sollte keine kombinierte Anwendung mit Antitussiva finden. Denn aufgrund des eingeschränkten Hustenreflexes kann ein gefährlicher Sekretstau entstehen. Eine gleichzeitige Anwendung ist nur möglich, wenn ein Abstand von etwa vier Stunden zwischen den beiden Mitteln gewährleistet ist. Das Expektorans ist dann vorzugsweise tagsüber einzunehmen, um die Sekretolyse zu fördern. Ein Hustenstiller kann dementsprechend zur Nacht angewendet werden.

Allerdings kann sich eine ausschließliche sekretolytische, also protussive Therapie mit Ambroxol, neben dem Abhusten von Sekret wegen der antiinflammatorischen Wirkung zusätzlich lindernd auf den Hustenreiz auswirken.

Leitlinie unterscheidet nicht mehr

Ambroxol wird ausschließlich zur sekretolytischen Therapie eingesetzt. Die Indikation „trockener Reizhusten“ ist damit ausgeschlossen und muss im Beratungsgespräch in der Apotheke mit dem Patienten geklärt werden. Allerdings wird die Einteilung nach „trockenem (Reiz)Husten“ und „produktivem Husten“ aufgrund der Schwierigkeit der Zuordnung in eine der Kategorien und deren fließender Übergänge in der aktuellen Leitlinie (Januar 2019) „Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten“ als nicht mehr empfehlenswert angesehen.

DAZ.online-Serie

Wirkstofflexikon

 

Quellen

Fachinformationen der Produkte auf fachinfo.de, letzter Aufruf 14.05.2020

Mutschler Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11., völlig neu bearbeitete Auflage 2020

S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-003l_S2k_Diagnostik-Therapie-erwachsene-Patienten-mit-Husten_2019-12.pdf, letzter Aufruf 22.05.2020


Lars Peter Frohn, Apotheker, Autor DAZ.online
radaktion@daz.online


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