Gesundheitspolitik

Gedisa statt der „liebevolle Dritte“

ABDA-Digitalexperte Peter Froese hofft auf Einsicht in Westfalen-Lippe

eda | Im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) fand sich Anfang Februar keine Mehrheit für einen Beitritt zur standeseigenen Digitalgesellschaft Gedisa, weil weder Businessplan noch finaler Gesellschaftervertrag vorlagen. Gedisa soll unter anderem den Betrieb und die Weiterentwicklung des Ver­bändeportals übernehmen. Ein Talk-Format der Kammer Westfalen-Lippe ließ nun starke Fürsprecher zu Wort kommen.

Welche Bedenken hat man im Apothekerverband Westfalen-Lippe, dass man als einziger Verband in Deutschland dem Beitritt zur standeseigenen Digitalgesellschaft Gedisa bisher nicht zustimmte? Laut dem AVWL-Vorstandsvorsitzenden Thomas Rochell haben sich die veranschlagten Kosten im Laufe der Gespräche immer weiter nach oben entwickelt. Zunächst sei man von einem Finanzbedarf von 10 Millionen Euro ausgegangen, dann 20 Millionen Euro, letztlich stünden jetzt 35 bis 50 Millionen Euro im Raum. Ohne entsprechende Unterlagen wie Businesspläne und einen finalen Gesellschaftervertrag bewertet der AVWL-Vorstand das Vorhaben als ein unkalkulierbares finanzielles Risiko für die eigenen Mitglieder.

Im Rahmen von „AKWL-TV“, einem Live-Talk-Format der Kammer Westfalen-Lippe, sollten die Verbandsmitglieder nun auf Gedisa und das standeseigene Plattformprojekt eingeschworen werden. Dafür hatte man starke Fürsprecher eingeladen: ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold, den Gedisa-Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Froese und Hannes Müller, der im Vorstand der Kammer Westfalen-Lippe sowie der Bundesapothekerkammer aktiv ist.

Gedisa-Angebot bleibt vorerst unkonkret

ABDA-Digitalexperte Froese, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender von Gedisa, erklärte den Zuschauern das Grundproblem des „liebevollen Dritten“. Apotheken könnten digitale Services nicht selbst erschaffen oder anbieten. Sie bräuchten Dritte, die für sie Plattformen bauen und betreiben. „Und die wollen Daten, sehr viele Daten, und Geld, Ihr Geld!“ Außerdem gebe es eine weitere verhängnisvolle Entwicklung in der Digitalisierung: „Ihre Kunden werden irgendwann die Kunden des Dritten. Und dieser Dritte hat die Freiheiten, mit Ihren Kunden zu tun, was er möchte.“ Als mahnendes Beispiel nannte Froese das Verhältnis zwischen Amazon und Amazon-Händlern. Die Konsequenz: „Wir müssen möglichst viele Dienste selber betreiben.“ Auch wenn das Risiko bestehe, Geld zu verlieren: „19.000 Schultern können dieses Risiko tragen“, so Froese im Hinblick auf die aktuelle Apothekenzahl in Deutschland. Er glaube an das standeseigene Plattformprojekt. Auf kritische Zuschauerfragen fand Froese keine konkreten Antworten. Welche Dienste sollen denn von Gedisa entwickelt werden, wollte ein Apotheker erfahren. Daraufhin Froese: Aufbauend auf das schon jetzt verfügbare webbasierte DAV-Portal, wolle man beispielsweise den Kommunikationsdienst und weitere Funk­tionen für Apothekenkunden ausbauen. Doch jede weitere Schilderung hält Froese für gefährlich, weil diese Informationen „mit Sicherheit irgendwo aufgesogen werden“ und dann von konkurrierenden Plattformanbietern umgesetzt würden. Wann könne man mit ersten Funktionen rechnen, war eine andere Nachfrage. Sobald die Zeit dafür gekommen sei, so Froese, und weiter: „In drei Jahren wissen wir mehr.“ Das DAV-Portal sei bei der Apothekensuche und der Ausstellung der Impfzertifikate äußerst erfolgreich und der Betrag pro Apotheke eher schmal. |

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