Aus den Ländern

Kleine Dosis macht kein Gift

Angst vor Schadstoffen ist meistens unbegründet

MÜNSTER (daz) | „Deutschland, eine Republik der Panikmacher?“ – unter diesem Thema berichtete Prof. Dr. Walter Krämer, Dortmund, am 6. September in Münsters Erbdrostenhof über irrationale Ängste in der Bevölkerung, die angesichts statistischer Fakten unbegründet sind. Veranstalter war die Apothekerstiftung Westfalen-Lippe.
Foto: AKWL/Sokolowski
Prof. Dr. Walter Krämer

Krämer, der durch erfolgreiche Bücher wie das „Lexikon der populären Irrtümer“ und „Die Angst der Woche – warum wir uns vor den falschen Dingen fürchten“ bekannt geworden ist, fragte die Zuhörer: „Ist es nicht paradox, dass wir Angst vorm Fliegen haben, uns aber bedenkenlos ins Auto setzen, obwohl im Straßenverkehr viel mehr Menschen ums Leben kommen?“ Er gab selbst die Antwort: Im Flugzeug fehle die persönliche Kontrolle, während man beim Autofahren das Gefühl habe, selbst eingreifen zu können.

Eine gewisse Schuld für die irrationale Bewertung von Risiken gab Krämer den Medien, die wissenschaftliche Publikationen inhaltlich nicht richtig einordnen und bewerten, so z.B. eine britische Studie zur Belastung von Muttermilch. Dazu hieß es in den Medien: „In Muttermilch wurden über 300 Schadstoffe nachgewiesen“, was Angst und Sorge verbreitet habe, obwohl der Satz praktisch nichts aussage. Denn in Muttermilch seien „nicht nur 300, sondern 3000, vielleicht sogar 30.000 Schadstoffe enthalten“, so Krämer. Die Anzahl hänge von den Messmethoden ab, die immer genauer werden und heutzutage auch einen im Starnberger See aufgelösten Zuckerwürfel zweifelsfrei nachweisen könnten.

Was die in getesteten Produkten gefundenen Gifte und Schadstoffe betrifft, hält sich Krämer an das Motto von Paracelsus: „Allein die Dosis macht das Gift.“ Laut Krämer geben die Medien und „diverse Testmagazine“ aber keine Antwort auf die Frage, wie gefährlich die Schadstoffe in der jeweils nachgewiesenen Dosis sind, und verunsichern so die Leser. 

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