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Gesundheitspolitik
DocMorris auf Tour in Schleswig-Holstein
Kein Bus in Maasholm
Am 21. August stellte sich zunächst die Frage: Wo ist der Apothekenbus? Der Bus sollte gemäß Angaben von DocMorris in Maasholm eintreffen, einem von vielen Urlaubern besuchten Fischerdorf an der Schleimündung. Doch die "Schleswig-Holstein-Zeitung" (SHZ) meldete an diesem Tag, der Bus komme doch nicht, weil die Gemeinde die Genehmigung zurückgezogen habe. Gemäß diesem Bericht habe DocMorris einen Standort am Ortseingang abgelehnt. Gegenüber der AZ erklärte Max Müller, Chief Strategy Officer bei DocMorris, jedoch, auch für eine Platzierung an der Zufahrtsstraße habe DocMorris keine Genehmigung mehr erhalten. Daher habe der Bus nicht in Maasholm vorgestellt werden können.
Allerdings präsentierte Dr. Kai Christiansen, Inhaber der Birk-Apotheke in Gelting und stellvertretender Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, einen kleinen Stand ohne besonderen Versorgungsbedarf am Ortseingang. Er brachte ein Plakat mit dem Text "Auch schon da? Hallo DocMorris! Wir versorgen Maasholm seit Jahrzehnten und zwar täglich!" an und machte einen Vormittag lang auf den Service seiner Apotheke aufmerksam. Gegenüber der AZ berichtete Christiansen, die Resonanz auf die Leistungen der Vor-Ort-Apotheken seien dort durchweg positiv gewesen. Christiansen erklärte: "Eine Versorgungslücke gibt es hier nicht und kann auch nicht von DocMorris herbeigeredet werden."
Positionen von DocMorris ...
Am folgenden Tag standen sich dann in Timmendorfer Strand der Apothekenbus und die Stände der örtlichen Apotheker auf einem Großparkplatz gegenüber. Beide Seiten wurden von zahlreichen Gästen besucht. Gegenüber der AZ beschrieb Max Müller, Chief Strategy Officer bei DocMorris, den Bus als Beitrag zur notwendigen politischen Diskussion über langfristige Versorgungskonzepte. Wenn beispielsweise in Niedersachsen mit einem Ärztebus experimentiert werde, könnten die Apotheker nicht einfach den Kunden anbieten: "Werft das Rezept in die Box." "Das können die Apotheker nicht wollen", so Müller. Zugleich bedauerte er die heftigen Reaktionen einzelner Apotheker und wies Vorwürfe zurück, der Bus sei eine illegale Rezeptsammelstelle, denn DocMorris nehme dort selbstverständlich keine Rezepte entgegen. Doch äußerte sich Müller erfreut über die sachliche Diskussion mit den Apothekern in Timmendorfer Strand. "Dabei zeigt sich, dass wir gar nicht so weit voneinander entfernt sind", so Müller, letztlich bestehe eine ganz natürliche Wettbewerbssituation. Nach Einschätzung von Müller könne ein Bus die "Rezeptsammelstelle des 21. Jahrhunderts" mit ähnlichen Regularien werden. Dabei gehe es um die Versorgungssicherheit und nicht um die Mischkalkulation der Apotheken.
... und Apothekern vor Ort
Kay Klindwort erklärte gegenüber der AZ, dass er zwar auf Sicht von zehn Jahren die Gefahr von Versorgungslücken sehe, aber das Bus-Konzept nicht als Lösung betrachte. Er befürchtet, eine Bus-Regelung könnte juristisch so aufgeweicht werden, dass in unterversorgten Gebieten an jedem Kiosk Arzneimittel abgegeben werden dürften. Für Versorgungslücken, in denen Rezeptsammelstellen nicht ausreichen, sei das bereits bestehende Instrument der Zweigapotheken besser geeignet, so Klindwort. Michaela-Alexandra Banzhaf verwies im Gespräch mit der AZ auf die Gefahr, dass ein Bus, der Orte ohne Apotheke versorgen würde, den umliegenden Apotheken Umsätze entziehen würde und diese Apotheken dann kaputt gehen könnten. "So entstehen erst Versorgungslücken", fürchtet Banzhaf. Letztlich sei ein Bus als kostenintensive Alternative für ein funktionierendes System nicht nötig, so Banzhaf.
Weitere Tour
Für den 26. und 27. August hat DocMorris auf seiner Internetseite den Besuch des Apothekenbusses im niedersächsischen Dannenberg angekündigt. Die Tour soll dann weiter nach Süden gehen und nach Angaben von DocMorris noch bis in die zweite Septemberhälfte dauern.
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