BPhD-Kolumne

Demokratie unter den Sternen der EU – Mit der Wahl gestalten wir unsere Zukunft

29.05.2024, 09:15 Uhr

Nina Wissing, EPSA Liaison Secretary des BPhD. (Foto: BPhD)

Nina Wissing, EPSA Liaison Secretary des BPhD. (Foto: BPhD)


EU-Parlamentswahlen – alle fünf Jahre finden sie statt und geben uns als Bürger*innen der Europäischen Union die Möglichkeit, durch unsere Stimme die Zukunft Europas mitzugestalten. Was sind jedoch konkrete Gründe, weswegen wir wählen gehen sollten? Was hält die EU für junge Menschen und auch Pharmaziestudierende bereit? Nina Wissing, EPSA Liaison Secretary des BPhD, beleuchtet nicht nur diese Fragen, sondern berichtet auch von einem konkreten Beispiel, wie sich europäische Pharmaziestudierende auf politischer Ebene engagieren.

Die aktive Beteiligung der Bürger*innen und die Möglichkeit zur Wahl sind unverzichtbare Kernpunkte einer demokratischen Gesellschaft. Jedoch müssen sie auch entsprechend genutzt werden. Die Menschen müssen sich informieren, sich über die Wichtigkeit der Europäischen Union und der Wahlen im Klaren sein und auch wie sie sich beteiligen können.

Frieden in der EU

Vor über 70 Jahren endete der 2. Weltkrieg und vor mehr als 30 Jahren wurde die EU gegründet. Mit diesen zwei Ereignissen – dem Ende des Krieges und der Gründung der EU – wurden zwei Grundsteine gelegt für die heutige, moderne und friedliche EU. Diesen Frieden zu erreichen, war harte, aber sehr lohnenswerte Arbeit. Durch die Existenz der EU konnte der bislang längste Friedenszeitraum in weiten Teilen Europas gewährleistet werden und für diese Errungenschaft wurde sie 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet [1]. Jedoch ist dieser Frieden nicht selbstverständlich und sollte jeden Tag wertgeschätzt werden und die oberste Priorität der Gemeinschaft sein. Frieden zu schaffen und ihn erfolgreich zu erhalten, erfordert innere Überzeugung und aktive Mitarbeit aller Bürger*innen.

Reisefreiheit

Man vergisst schnell, welches Privileg EU-Bürger*innen genießen, wenn es um Reisen innerhalb des Schengen-Raumes geht. Durch die offenen Grenzen und die nicht benötigten Visa ist ein sehr einfaches und unkompliziertes Reisen möglich, welches im weltweiten Rahmen keine Selbstverständlichkeit darstellt, für uns jedoch schnell zu einer geworden ist.

Aber nicht nur Urlaubsreisen werden durch die EU und das Schengen-Abkommen vereinfacht: Auch Auslandssemester und -praktika sind innerhalb der EU deutlich leichter umsetzbar. Die Anerkennung von Prüfungsleistungen im Ausland ist leider im Pharmaziestudium noch schwierig, eine Behebung dieser Problematik wäre jedoch wünschenswert. Abgesehen davon kann man für Auslandsaufenthalte während des Studiums über die Heimatuniversität finanzielle Unterstützung über das Erasmus+ Programm der EU beziehen. Dadurch fällt eine große finanzielle Last für Studierende weg und ein solcher Aufenthalt kann einer größeren Breite an Studierenden ermöglicht werden.

EU-Richtlinien im Pharmaziestudium

Entscheidungen des EU-Parlaments und der Kommission können auch einen direkten Einfluss auf die pharmazeutische Ausbildung haben. Bis diese EU-Richtlinien auf nationaler Ebene umgesetzt werden, kann es eine Zeitverzögerung geben, sie legen jedoch definitiv den Grundstein für nationale Entscheidungen. Als Beispiel können hier die Empfehlung des EU-Rates zu einem Qualitätsrahmen für Praktika oder auch die Richtlinie 2005/36/EG genannt werden. Letztere steckt die Rahmenbedingungen für die pharmazeutische Ausbildung ab und es bestand die Möglichkeit, im Februar im Rahmen der „Have your say“ Plattform bei der EU-Kommission Stellungnahmen einzureichen. Diese Möglichkeit haben wir als BPhD genutzt und unsere Meinung stellvertretend für Pharmaziestudierende in Deutschland dargestellt. Die Aktualisierung der Richtlinie wurde im März von der Kommission bestätigt.  Andere europäische Studierendenverbände haben ebenfalls Zuspruch zur Änderung geäußert und sind aktiv geworden [2]. 

EPSA Annual Reception

Im Herzen der Europäischen Union, im Parlament in Brüssel, fand im März dieses Jahres die Annual Reception (AR) der European Pharmaceutical Students´ Association (EPSA) statt. Bei dieser Veranstaltung haben die EPSA und auch ihre Mitglieder die Möglichkeit, ihre jeweilige Arbeit zu einem wichtigen aktuellen Thema zu präsentieren und Diskussionen mit Stakeholdern und Abgeordneten des Europäischen Parlaments (MEPs) anzuregen. An dieser Veranstaltung haben einige Vorstandsmitglieder des BPhD teilgenommen und dafür mehrere Tage in Brüssel verbracht, konnten dabei Pharmaziestudierende aus ganz Europa kennenlernen, die Stadt erkunden und an einer Führung durch das Parlamentsgebäude teilnehmen. Der Höhepunkt dieser Veranstaltung waren aber sicher die Podiumsdiskussionen zum Thema „Mental Health“ mit MEPs im Parlament. Die Möglichkeit eines Zusammentreffens von Personen mit einerseits politischem Einfluss und andererseits Studierenden mit pharmazeutischem Fachwissen schaffte einen einzigartigen Dialog zu kritischen Themen des europäischen Gesundheitssektors und möglichen Maßnahmen.

Als vereinigte Europäische Union wird durch verschiedene Aspekte ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Gemeinschaft geschaffen. So ist ein langanhaltender Frieden, der finanziell geförderte Austausch von Studierenden und gemeinsame Meinungsbildung in der Politik möglich. Gerade gelebte europäische Demokratie hautnah mitzuerleben, war eine Erfahrung, die wir nicht missen wollen. Deshalb engagieren wir uns im BPhD für den Erhalt und die Förderung einer solchen gemeinschaftlich, solidarischen und interprofessionellen Zusammenarbeit auf europäischer Ebene.

Um dieses wertvolle Gut der Demokratie und Freiheit beizubehalten, ist die aktive Beteiligung unentbehrlich. Also informiert euch, beteiligt euch und geht am 9. Juni wählen. Denn unsere Zukunft steht in den Sternen!

Literatur:

[1] Errungenschaften und Vorteile | Europäische Union (europa.eu)

[2] Anerkennung der Berufsqualifikationen von Krankenpflegepersonal, Apothekern und Zahnärzten: aktualisierte Anforderungen an die Ausbildung (europa.eu)


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