Die letze Woche

Mein liebes Tagebuch

12.09.2021, 07:30 Uhr

Wir Apothekers können digital – sogar Apothekertage. Und das mit dem E-Rezept kommt auch noch. (Foto: Alex Schelbert)

Wir Apothekers können digital – sogar Apothekertage. Und das mit dem E-Rezept kommt auch noch. (Foto: Alex Schelbert)


8. September 2021

Erfrischend anders ist der Weg, den das Gemeinschaftsunternehmen Gehe und Alliance Healthcare Deutschland (AHD) gehen will: Statt auf dem turbulenten Markt der Apotheken-Plattformen mitzuspielen, forciert man eine eigene Digitalstrategie. Der Großhändler Gehe war übrigens das einzige Gründungsmitglied der Digitalinitiative ProAvO, das sich nicht der von Phoenix und Noventi ins Leben gerufenen Plattform „gesund.de" angeschlossen hatte. Man hatte schon damals eine eigene Digitalstrategie angekündigt. Jetzt wird sie konkret: Gehe/AHD bietet   allen Kooperations- und Großhandelskunden ein eigenes Online- und Webshop-Angebot.. Wie aus der Gehe/AHD-Mitteilung hervorgeht, setzt man vor allem „auf digitale Individualität“, „um die Apotheke vor Ort optimal auf die Bedürfnisse ihrer Kunden auszurichten“. Mein liebes Tagebuch, das lässt sich durchaus als kleiner Seitenhieb gegen die Plattfomeritis interpretieren. Gehe/AHD machen deutlich: Sie wollen ihren Kunden „jede Freiheit bieten, ihren individuellen Weg in die Digitalisierung zu gehen“. Man biete einen individualisierten, lokalen Webauftritt der Vor-Ort-Apotheke – inklusive Leistungen rund um das E-Rezept, wie den Zusatzverkauf von OTC- oder Freiwahlartikeln“. Und was sicher auch gut ankommt: Es gibt nur eine monatliche Basisgebühr, die alle Leistungen beinhaltet, keine versteckten Kosten.

 

Schon lang angekündigt, jetzt wird auch der Plattformer gesund.de, die von Phoenix und Noventi ins Leben gerufene Initiative, konkreter: Der Online-Marktplatz von gesund.de soll am 27. September starten. Die Entstehung der Plattform hat bekanntlich schon einen bunten Lebenslauf hinter sich gebracht: Die ursprüngliche Idee stammt von der Initiative Pro AvO, einer Zusammenarbeit von Gehe, Sanacorp, Noventi, Rowa und dem Wort & Bild Verlag. Apora sollte sie anfangs heißen, aber der Name war lange Zeit alles, was es dazu gab. Mittlerweile erfolgte eine Umstrukturierung der Partner: Gehe ging, Phoenix kam und der neue Name gesund.de.

Und damit startet man: Der Verbraucher, die Verbraucherin soll auf dieser Plattform u. a. ihre Apotheke, das gewünschte Arzneimittel und viele weitere Informationen finden können. Laut gesund.de sollen später dann auch E-Rezepte übermittelt werden können. Bereits ab dem Start können die „normalen“ Rezepte im Web oder bereits jetzt über die App, die schon vor einer Weile gelauncht wurde, an die Apotheke vor Ort übermittelt werden. Mein liebes Tagebuch, man wird sehen, wie sich diese Plattform präsentiert, was sie bietet, ob die Verbraucher vorbeikommen und vor allem, ob das Kosten-Leistungsverhältnis für die teilnehmende Apotheke stimmt.

 

Die Corona-Drittimpfungen kommen – und für die Apotheken heißt es immer noch: Wir müssen draußen bleiben – sie können den Wunsch ihrer drittgeimpften Kundinnen und Kunden, bitteschön das Impfzertifikat zu digitalisieren, nicht erfüllen. Im DAV-Portal können die entsprechenden Kundendaten noch nicht eingegeben werden. Die Apotheken müssen vertrösten: Eine Ausstellung eines Covid-19-Impfzertifikats über eine dritte Impfung ist derzeit technisch nicht möglich, heißt es noch immer beim DAV. Wie lange das noch dauert? Keine Angabe. Corona-App und CovPass-App sind da weiter, laut Robert Koch-Institut akzeptieren sie bereits in ihren neuesten Versionen die QR-Codes der Auffrischimpfung. Aber diese Codes muss man eben erst mal haben…



Peter Ditzel (diz), Apotheker / Herausgeber DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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8 Kommentare

Modellprojekt

von Dr. Radman am 12.09.2021 um 14:12 Uhr

...Ich habe gehört, dass sich nur eine Apotheke und nur eine Praxis an das E-Rezeptmodellprojekt beteiligt haben. Und das ist nach ca. 3 Monaten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Gießkanne

von K.Stülcken am 12.09.2021 um 11:15 Uhr

Was spricht eigentlich gegen die Gießkanne? Eine dynamisierte Basishonorierung sollte doch wohl endlich selbstverständlich werden. Das Prinzip der Mischkalkulation sollte den Kassen vielleicht auch nochmal erläutert werden. Danach kann man über zusätzliche Dienstleistungen reden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Gießkanne

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 13:19 Uhr

Die Krankenkassen. Die sagen zu allem einfach nein. Weil sie es können und sie uns nicht das Schwarze unter dem Nagel gönnen, Blockadehaltung.,wir sind zu schwach, irgendwas durchzusetzen. Auch Schiedsgerichte helfen da nicht weiter. Es geht vermutlich darum, schon bezahlte Dienstleistungen zuzulassen, aber zu einem unterirdischen Preis. So wie es in allen Beteichen gemacht oder versucht wird. Siehe HiMi. Wenn Rx nicht staatlich festgelegt wäre, hätten wir da den gleichen Zirkus. So versucht man uns durch Zulassen von Versendern zu drücken. Passt alles ins Schema.
Unsere ABDA macht den Wahnsinn mit -geheim- , damit wir erst meckern können, wenn es zu spät ist. Ich glaube nicht, dass noch eine flächendeckende Apothekenlandschaft angestrebt wird. Es heißt ja schon in den Kreisen, dass Versender wunderbar die Lücken füllen können. Den Apotheken wird dann auch noch die Schuld an den Lücken zugeschoben.
Es wäre längst Zeit, die Vergütung für uns allgemein anzuheben. Und nicht ständig noch zu kürzen. Dafür bekommen wir ständig „schon eingepreiste“ Aufgaben dazu. Auch eine Form der Kürzung.,
Die Kassen blockieren, der Politik ist es egal.

Rentabel?

von Ulrich Ströh am 12.09.2021 um 9:07 Uhr

Ob Plattformen oder pharmazeutische Dienstleistungen…

Die Rentierlichkeit der Offizinapotheken für beides ist nicht darstellbar für die pharmazeutische Zukunft!

Warum lassen wir es kommentarlos zu ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Pharmazeutische Dienstleistungen

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 8:39 Uhr

Lieber Herr Ditzel,
Sollten von ALLEN Apotheken erbracht werden können.
Das ist nicht Impfen.
Es kommt natürlich darauf an, was man damit erreichen will.
Eine Förderung aller Apotheken (wohl eher dann nicht) oder eine weitere Aufspaltung in Verbünde, Clan Apotheken, Ketten und halt „Buden“, die ausgemerzt werden.
Es ist freilich auch sinnvoll , die paar Euro (umgerechnet auf alle Apotheken) nicht im Gieskannenprinzip zu verteilen. Eine Dienstleistung muss sich auch lohnen! Sonst kann man das Geld gleich in die Notdienstvergütung stecken oder dem Honorar zuschlagen. Bringt halt kein „Imagegewinn“. Geschlossene Apotheken aber auch nicht.
Scheinbar gilt überall das Prinzip: wer schon hat, dem wird gegeben.
Ich finde es krass, dass auch bei der DAZ die normale Apotheke nicht mehr vorkommt, uns dafür Ausnahmeerscheinungen vor die Nase gehalten werden. Es ist halt nicht jeder ein Schittenhelm.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Karl Friedrich Müller am 12.09.2021 um 9:11 Uhr

PS: ist IMPFEN tatsächlich eine „pharmazeutische“ Dienstleistung? Nein, oder?
Ich sehe ärztliche Handlungen nicht als unseren Kompetenzbereich.

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Torben Schreiner am 12.09.2021 um 9:46 Uhr

In unserer Nachbarschaft drohen schon Mitglieder des Hausärzteverbundes denen, an den Modellprojekt-teilnehmenden Apotheken, mit Doc Mo.
Was bringt es uns immer weiter die Ärzteschaft zu erzürnen?
Impfen ist keine pharm. Tätigkeit.

AW: Pharmazeutische Dienstleistungen

von Conny am 12.09.2021 um 10:37 Uhr

@Herrn Schreiner : dummerweise hängen wir am Tropf der Ärzte.Es werden sich noch viele wundern, wo die ganzen Rezepte durch das E-Rezept hinwandern werden

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