Wirkstoff-Lexikon

Terbinafin

02.07.2021, 07:00 Uhr

Antimykotika müssen auch nach Abklingen der Symptome für einige Zeit angewendet werden, um Wiederauftreten der Pilzinfektion durch noch vorhandene Pilzsporen zu vermeiden. (x / Quelle: DAZ.online)

Antimykotika müssen auch nach Abklingen der Symptome für einige Zeit angewendet werden, um Wiederauftreten der Pilzinfektion durch noch vorhandene Pilzsporen zu vermeiden. (x / Quelle: DAZ.online)


Das Antimykotikum Terbinafin gehört zur Gruppe der Allylamine. Eingesetzt wird es bei verschiedenen Pilzinfektionen – unter anderem bei Fußpilz, Hautcandidosen und Nagelpilz. Die Therapie mit Terbinafin kann sowohl topisch als auch systemisch erfolgen, wofür wiederum verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung stehen. Im Folgenden sind die wichtigsten Aspekte zu Terbinafin zusammengefasst – zum Nachlesen oder Anhören in unserem Podcast.

Name: Terbinafin

Formel: C21H25N

IUPAC-Name: (2E)-N,6,6-Trimethyl-N-(1-naphthylmethyl)-2-hepten-4-in-1-amin

Das Antimykotikum Terbinafin wird angewendet bei Infektionen, die durch Dermatophyten, Hefen oder Schimmelpilzen verursacht werden. Es wird dabei unterscheiden zwischen der topischen Anwendung und der systemischen Anwendung von Terbinafin. Topisch angewendet wird Terbinafin z. B. bei Fußpilz, Nagelpilz, Hautpilzerkrankungen an den Oberschenkeln und in der Leistengegend sowie bei Hautcandidosen oder der Kleienpilzflechte. Systemische Anwendung von Terbinafin erfolgt bei Erwachsenen mit Infektionen der Finger- und Zehennägel mit Dermatophyten oder bei sehr schweren, therapieresistenten Pilzinfektionen der Füße und des Körpers, die durch äußerliche Therapie nicht behandelbar sind.

Wirkmechanismus

Terbinafin zählt zur Antimykotikagruppe der Allylamine und wirkt durch Hemmung der Ergosterolbiosynthese. Das Ergosterol ist ein wichtiger Baustein der Zellmembranen von Pilzen und unterstützt Enzyme in der Pilzmembran – vergleichbar mit dem Cholesterol beim Menschen. Terbinafin hemmt in den ersten Schritten der Ergosterolbiosynthese das Enzym Squalen-Epoxidase. Dieses Enzym ist für die Umwandlung von Squalen über die Zwischenstufe 2,3-Epoxysqualen zu Lanosterol verantwortlich, welches in weiteren Schritten dann zu dem Zellmembranbaustein Ergosterol umgewandelt wird. Aus der Hemmung des Enzyms resultiert zum einen ein Mangel an Ergosterol, was die fungistatische Wirkung auf zahlreiche Pilze erklärt, und zum anderen führt die Akkumulation an Squalen bei den Dermatophyten zu einer fungiziden Wirkung.

Trotz breitem Wirkungsspektrum wirkt Terbinafin in vitro bei systemischer Gabe fast ausschließlich gegen Dermatophyten. Darüber hinaus wurden auch antibakterielle und antientzündliche Eigenschaften des Terbinafins festgestellt.

Pharmakokinetik

Die Bioverfügbarkeit beträgt bei topischer Applikation etwa 5 Prozent.

Nach oraler Gabe wird Terbinafin gut resorbiert (ca. 70 Prozent). Es unterliegt jedoch einem hohen First-Pass-Metabolismus, der durch den Transport über Chylomikronen teilweise umgangen wird. So beträgt die systemische Bioverfügbarkeit ca. 50 Prozent. Der maximale Plasmaspiegel wird nach circa 1,5 Stunden erreicht.

Die Biotransformation erfolgt über verschiedene CYP-Enzyme, insbesondere über CYP3A4 und CYP2C9. Die dabei entstehenden Metabolite weisen keine antimykotische Wirkung auf und werden vorwiegend renal ausgeschieden.

Terbinafin reichert sich in der Hornschicht sowie in den Haarfollikeln, den Haaren und in talgreicher Haut an. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf eine Verteilung des Terbinafins in den Nagelplatten.

Nebenwirkungen

Die Verträglichkeit von Terbinafin ist meist gut. Bei topischer Anwendung von Terbinafin kann es zu schuppender Haut, Juckreiz und Schorfbildung kommen. Diese Nebenwirkungen sind meist harmlos und müssen klar von einer Überempfindlichkeitsreaktion abgegrenzt werden, welche einen sofortigen Therapieabbruch erfordert. Wird das Terbinafin systemisch angewendet, können leichte gastrointestinale Beschwerden auftreten wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Diarrhö.

Darüber hinaus kann Terbinafin lebertoxisch wirken. Vor der Verordnung von Terbinafin sollten die Leberfunktionswerte bestimmt werden, denn auch bei Patienten ohne vorbestehende Lebererkrankung kann diese Lebertoxizität auftreten. Eine regelmäßige Überwachung der Leberfunktionswerte wird nach vier bis sechs Behandlungswochen bei systemischer Terbinafin-Gabe empfohlen. Weiterhin sollten die Patienten auf Anzeichen für eine Leberschädigung hingewiesen werden wie beispielsweise Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schmerzen im oberen Magen-Darm-Trakt, Ikterus, dunkler Urin und blasser Stuhl.

Wechselwirkungen (Auszug)

Terbinafin ist ein starker Inhibitor des Enzyms CYP2D6, was eine Reihe an Wechselwirkungen zur Folge hat. Stoffe, die über dieses Enzym normalerweise abgebaut werden, erreichen so eine höhere Plasmakonzentration, und es kommt zur Verstärkung der Wirkung. Beispiele hierfür sind trizyklische Antidepressiva, Selektive-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, MAO-B-Hemmer, Betablocker und Dextrometorphan. Andere Stoffe wiederum werden erst durch CYP2D6 in ihre eigentliche Wirkform umgewandelt, wie z. B. Codein in den aktiven Metaboliten Morphin. Eine Hemmung durch Terbinafin bewirkt daher eine Abschwächung der Wirkung.

Da Terbinafin über die Enzyme CYP3A4 und CYP2C9 metabolisiert wird, muss auf die gleichzeitige Einnahme anderer Medikamente geachtet werden, die ebenfalls mit diesen Enzymen interagieren. Induktoren dieser CYP-Enzyme, wie z. B. Rifampicin, führen zu einer Zunahme der Metabolisierung von Terbinafin und somit zu einer Abschwächung der Wirkung. Inhibitoren dieser Enzyme, wie beispielsweise Fluconazol und Cimetidin, vermindern dagegen den Abbau von Terbinafin.

Kontraindikationen

Generell ist die Anwendung von Terbinafin bei Überempfindlichkeit gegen diesen Wirkstoff kontraindiziert.

Bei der systemischen Applikation bestehen weitere Kontraindikationen. So darf Terbinafin nicht angewendet werden bei akuten oder chronischen Lebererkrankungen.

Auch Nagelveränderungen durch eine primär bakterielle Infektion gelten als Kontraindikation des Terbinafins.

Die Anwendung bei Nierenfunktionsstörungen und Alkoholismus sollte aufgrund von mangelnden Erfahrungswerten ebenfalls unterlassen werden.

Dosierung

Für die topische Anwendung von Terbinafin sind verschiedene Darreichungsformen auf dem Markt - Creme, Gel, Spray, Lösung bis hin zum Nagellack. Die Zubereitungen enthalten 1 Prozent des Wirkstoffs und werden ein- bis zweimal täglich appliziert. Der Anwendungszeitraum richtet sich nach der Art, Ausdehnung und Schwere der Infektion und liegt zwischen einer und vier Wochen. Eine Ausnahme stellt hier die 1-prozentige Terbinafin-Lösung zur einmaligen Anwendung dar, welche speziell für Fußpilz entwickelt wurde. Diese Lösung erreicht dank eines bioadhäsiven Films eine sehr starke Penetration in die Haut und ermöglicht so eine Therapie mit einer einmaligen Anwendung. Generell empfiehlt es sich, vor der Anwendung die befallenen Hautstellen sowie die Hände gründlich zu reinigen und gut abzutrocknen. Nach dem Auftragen und Einreiben sollten die Hände erneut gewaschen werden.

Generell gilt für die Anwendung bei Antimykotika, dass diese auch nach Abklingen der Symptome für einige Zeit angewendet werden müssen, um Wiederauftreten der Pilzinfektion durch noch vorhandene Pilzsporen zu vermeiden. Hier ist das pharmazeutische Personal gefragt. Um den Therapieerfolg zu sichern, gilt es, den Patienten explizit darauf hinzuweisen, um so gezielt die Adhärenz zu fördern.

Zur systemischen Therapie steht Terbinafin in der Darreichungsform von Tabletten zur Verfügung. Diese werden einmal täglich unzerkaut mit ausreichend Wasser eingenommen. Eine Tablette enthält dabei 250 mg Terbinafin. Die Einnahme sollte jeden Tag zur gleichen Zeit erfolgen. Ein Einfluss der Nahrung besteht nicht. Patienten, die unter gastrointestinalen Nebenwirkungen leiden, können daher die Tabletten auch zur Mahlzeit einnehmen, um die Verträglichkeit zu verbessern. Die systemische Therapie richtet sich wie auch die topische Therapie nach der Art der Infektion und kann über mehrere Monate erfolgen. Vor Behandlungsbeginn sollte jedoch die Pilzkultur bestimmt werden, da die systemische Terbinafin-Therapie nahezu ausschließlich bei Dermatophyten wirksam ist. Darüber hinaus sollten die Patienten darüber aufgeklärt werden, dass bei oraler Terbinafintherapie bei Nagelpilz der klinische Effekt erst einige Monate nach der Behandlung sichtbar wird, da gesunde Nägel einige Zeit für das Nachwachsen brauchen.

Häufig erfolgt die topische und systemische Anwendung parallel, da sich die Kombination als sehr effektiv herausgestellt hat.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die klinische Erfahrung von einer Therapie mit Terbinafin in der Schwangerschaft ist noch sehr begrenzt. Die systemische Anwendung von Terbinafin sollte daher nur bei zwingender Indikation und nicht im ersten Trimenon erfolgen. Generell sollte der Einsatz eines Antimykotikums im Rahmen einer systemischen Behandlung während der Schwangerschaft individuell entschieden werden und stets der therapeutische Nutzen für die Mutter mit dem potenziellen Risiko für das ungeborene Kind abgewogen werden.

Für eine lokale antimykotische Therapie empfiehlt es sich, auf ein Antimykotikum mit eindeutiger Studienlage und hohen Erfahrungswerten wie Clotrimazol, Miconazol oder Nystatin auszuweichen.

DAZ.online-Serie

Wirkstofflexikon

 

Quelle

Fachinformation - Terbinafin: http://www.1a-files.de/pdf/fi/terbinafin1a_tbl_fi.pdf und http://fachinformation.srz.de/pdf/novartisconsumerhealth/lamisilcreme.pdf

Embryotox - Terbinafin: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/terbinafin/

Geisslinger G., Menzel S. Mutschler Arzneimittelwirkungen. Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020


Annika Weidinger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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